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    Nahrung als Waffe

    Wie weit würdest du gehen, wenn du hungrig bist? Was meinst du? Ich behaupte, du kannst diese Frage nicht beantworten, wenn du nicht schon mal wirklich hungrig gewesen bist. Ich meine richtig hungrig, wirklich richtig hungrig, wenn du tagelang nichts gegessen hast oder wochenlang nur sehr sehr wenig. Wenn du wirklich Hunger hast, kannst du an nichts anderes mehr denken als an Essen. Das ist ein biologisches Überlebensprogramm, festgeschrieben in unseren Genen.

    »Wer das Öl kontrolliert, ist in der Lage, ganze Nationen zu kontrollieren; wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen.«  Henry Kissinger

    Ernst Wolff in „SIE planen unseren Untergang!“ vom 29.01.2023:

    1. Food Chain Reaction
    2. Landwirtschaft 4.0 und die Abhängigkeit von Hochtechnologien
    3. Dünger-Knappheit
    4. Nahrungsproduktion wird reduziert oder eingestellt
    5. Kontrolle der WHO über die Lebensmittel im „Namen der Gesundheit“
    6. Kontrolle über Ackerland und Lebensmittel im „Namen des Klimas“
    7. Kontrolle über Ackerland durch Verschiebung der Besitzeigentümer
    8. „Zufällige“ Brände
    9. Kontamination von Agrarland und Ernte
    10. Giving to Amplify Earth Action (GAEA)
    11. Zu guter Letzt eine Experten-Empfehlung

    1) Food Chain Reaction

    Hast du schon mal von der Food Chain Reaction Übung gehört? Diese Übung fand im November 2015 statt in Washington D.C. am Hauptsitz des „World WildlifeFund“ (WWF). Ziel der Übung war eine detailgetreue Simulation einer Welternährungskrise, die 2020 beginnen und bis 2030 andauern würde. 65 Teilnehmer kamen zusammen, darunter politische Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Wirtschaftsführer aus den USA, Brasilien, China, Indien, Europa und Afrika, vor allem also aus den Ländern, die die meisten Nahrungsmittel produzieren. Sie bildeten sechs Teams. Das siebte Team vertrat Unternehmen und Investoren, und das achte Team repräsentierte multilaterale Institutionen wie die Weltbank, die Vereinten Nationen und Nichtregierungsorganisationen.

    Entworfen wurde die Simulation von dem:

    Center for American Progress (CAP)
    Laut Wikipedia eine politische „think tank“ Organisation, die politisch relevante Forschung für praktische Probleme des politischen Zeitgeschehens betreibt und ihre Ergebnisse in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen sucht, einerseits durch die Medien, andererseits durch Lieferung von konkreten Vorschlägen an Politiker in Regierung und Parlament. Zu den Gründern dieser Organisation gehören u.a. John Podesta und George Soros.

    World Wildlife Fund (WWF), das eng mit dem WEF zusammenarbeitet.
    Wer mehr zur WWF-Arbeitsweise erfahren möchte, wird hier fündig. Prinz Philip war ab 1961 Präsident des WWF Großbritannien, über 15 Jahre WWF-Präsident und bis zu seinem Tod 2021 WWF-Ehrenpräsident, ging gerne mal auf Großwildjagd, bevor er Naturschützer wurde. Ebenso ein Liebhaber der Großwildjagd – König Juan Carlos, auch Ehrenpräsident des WWF.

    Cargill, dass zu den weltweit größten Unternehmen zählt und Partner vom WEF ist.

    Mars Inc., die Familie Mars ist die zweitreichste der Welt.

    Durchgeführt wurde die Simulation von der CNA Corporation (Center for Naval Analyses). Das CNA ist ein von der US-amerikanischen Regierung gefördertes Forschungs- und Entwicklungszentrum der US Navy und des US Marine Corps.

    Und… kommt dir das irgendwie bekannt vor? Wir erinnern uns an Event 201. Wenn es nicht so traurig wäre, dann wäre es schon fast wieder lustig.

    Die wichtigsten Details dieser Übung werden in einem Werbefilm präsentiert, den das Metanoia Magazin (ehemals ExpressZeitung) mit deutschen Untertiteln versehen hat.

    Zusammenschnitt aus der Sendung „«Food Chain Reaction» von John Podesta & Co. – War es das Event 201 für eine globale Hungerkrise?

    Die Übung kommt zu folgenden Ergebnissen:

    Ergebnis 1: Global Governance
    Während am Anfang hervorgehoben wird, dass nationale Lösungsansätze eher zum Scheitern verurteilt sind, kommt man am Ende der Übung zur einzigen guten und richtigen Lösung: die Global Governance!

    Ergebnis 2: Globale CO2-Steuer
    In der Simulation verschlechtert sich die Nahrungssituation solange, bis die Nationen der globalen CO2-Steuer zustimmen.

    Ergebnis 3: Die Neue Normalität ist Volatilität.
    Herkunft des Wortes Volatilität: lateinisch volatilis = fliegend; flüchtig; schnell, Synonyme dafür: labil, schwankend, unbeständig, wechselhaft.

    Interessant ist, wie man zu diesen Ergebnissen gekommen ist. Das zugrundeliegende Szenario wurde von Spieleentwicklern entworfen, die die Sponsoren der Übung vertraten. Ein von den Sponsoren der Übung zusammengestelltes Team aus „Experten“ moderierte und leitete die Diskussionen der Teilnehmer. Die „Experten“ entschieden, in welche Richtung sich des Spiel zu entwickeln hatte, welche Lösungsansätze funktionieren und welche nicht, mit einem klaren Ziel vor Augen.

    Dabei nimmt die Übung für sich in Anspruch, im öffentlichen Interesse zu sprechen. Aber wo genau ist hier die Öffentlichkeit, also die Masse der Menschen vertreten? Allein schon der Tatbestand, das die meisten Menschen von dieser Übung noch nie etwas gehört haben. Auch interessant, es saß kein einziger Landwirt in dieser Runde.

    Der Schwerpunkt der Übung liegt auf der zentralisierten Macht im Interesse von wenigen Großkonzernen. Durch finanzielle Instrumentarien wie der CO2-Steuer forciert man eine Marktbereinigung, bei der kleine und mittlere Unternehmen auf Dauer nicht mithalten können. Und ob bzw. wie eine CO2-Steuer zur Lösung der Hunger- und Klimakrise beitragen soll, ist fraglich.

    In der Übung bleibt die Zukunft volatil, d.h. unplanbar und unsicher. Es wird kein Zurück zur alten Normalität geben. Was soll das bedeuten? Heißt das, nach der Krise ist vor der Krise?

    Bemerkenswert sind auch die hellseherischen Fähigkeiten der Spieleentwickler. Für den Zeitraum 2020 – 2021 wird hauptsächlich von einer großen Klimakrise gesprochen und im Nebensatz von Seuchen. Dadurch steigen in diesem Zeitraum die Lebensmittelpreise an. Ab 2022 simuliert die Übung steigende Lebensmittelpreise um 400% und eine Flut von Migranten. Russland und die Ukraine leiden unter Hitzestress, der die Getreidevorräte verringert.

    Abgleich mit der Gegenwart

    Mit diesen Kenntnissen im Hintergrund erscheinen etliche Ereignisse und Entwicklungen in der Gegenwart in einem anderen Licht.

    Von 2020 bis 2022 hat die Corona-Pandemie (Seuche) das Weltgeschehen bestimmt. Und ab 2022 haben wir anstelle der Klimakrise den Ukraine-Russland-Konflikt, der die Lebensmittelpreise steigen lässt.

    Mit der Vorhersage, dass es ab 2023 zu einer Verringerung der Getreidevorräte aufgrund von Anbauproblemen in Russland und der Ukraine kommt, rückt eine Pressekonferenz mit dem US-Präsident Joe Biden am 24.03.2022 in den Fokus. Dort sagte er, dass es infolge des russischen Einmarsches in der Ukraine zu einer weltweiten Lebensmittelknappheit kommen wird. Hören wir mal in den kurzen Ausschnitt rein.

    Zu Deutsch „… in Bezug auf die Nahrungsmittelknappheit haben wir über Nahrungsmittelknappheit gesprochen und ähm, und es wird wahr werden, dass der Preis dieser Sanktionen nicht nur Russland auferlegt wird, sondern auch sehr vielen anderen Ländern, einschließlich europäischer Länder und auch unserem Land, weil sowohl Russland als auch die Ukraine in Bezug auf Weizen zum Beispiel die Kornkammer Europas waren… Aber wir hatten eine lange Diskussion äh in den G7 mit ähm den äh mit beiden äh den Vereinigten Staaten, die einen bedeutenden drittgrößten Weizenproduzenten der Welt haben, sowie Kanada, dass auch ein bedeutender Großproduzent ist. Und wir sprachen darüber, wie wir die Nahrungsmittelknappheit erhöhen und schneller verbreiten könnten. Außerdem sprachen wir darüber, alle europäischen Länder und alle anderen zu drängen, um Handelsbeschränkungen zu beenden, Beschränkungen beim Versenden von Lebensmitteln ins Ausland und so sind wir dabei, mit unseren europäischen Freunden auszuarbeiten, was nötig wäre, um die Bedenken hinsichtlich der Nahrungsmittelknappheit zu verringern.“

    Ok, also nochmal. Biden sagte nicht „sowohl Russland als auch die Ukraine können derzeit nicht produzieren“, er sagte „Russland und die Ukraine WAREN die Kornkammer Europas“!

    Und er sagte: „wir sprachen darüber, wie wir die Nahrungsmittelknappheit erhöhen und schneller verbreiten könnten.“

    Ist diese Aussage einfach nur ein Versprecher oder ist er Freud‘scher Natur?

    In den nächsten Kapiteln werden wir die verschiedenen Stellschrauben zur Nahrungsverknappung näher betrachten.

    2) Landwirtschaft 4.0 und die Abhängigkeit von Hochtechnologien

    Bereits 2016 berichtete ntv, dass Hochtechnologie längst zum Alltag vieler Landwirte gehört. Der Bauernverband schätzte damals, dass zwei Drittel der Bauern in Deutschland Hochtechnologie verwenden (siehe Video des Beitrags).

    Die Landwirtschaft 4.0 ist mit der Entwicklung des Halbleiter- bzw. Chip-Markts unmittelbar verbunden.

    Im Jahr 1927 wurde der Begriff „Schweinezyklus“ in der Wirtschaftswissenschaft eingeführt. „Der Schweinezyklus ist eine periodische Schwankung der Angebotsmenge und des Marktpreises.“

    Im Jahr 2020 kam es zu einer Chip-Knappheit, im Jahr 2021 sogar zu einer Chipkrise. „Gemeint ist damit, dass sowohl Mikrochips als auch Geräte, die solche benötigen, auffallend häufig knapp oder sogar Mangelware waren, während die Preise enorm stiegen.“ [pcspezialist]

    „Eine der Hauptverantwortlichen war dabei die Corona-Pandemie. Denn mit ihr kam es 2020 zu großflächigen Einbrüchen in der Weltwirtschaft, gezwungenermaßen zu Änderungen in Verarbeitungs- und Lieferprozessen sowie zu Verlagerungen von wirtschaftlichem Fokus.“ [pcspezialist]

    „Aber auch die mit der Coronakrise verbundene Nichtverfügbarkeit von Ressourcen, die nicht nur für Computerchips benötigt werden, spielt der Chip-Knappheit zentral zu. Es sind nämlich vor allem nicht nur Mikrochips an sich Mangelware, sondern auch für Chips benötigte Substanzen. Dazu gehören die Industriemetalle Kupfer, Zink oder Aluminium, entsprechend verarbeitete Substrate (durch Reaktionen veredelte oder beschichtete Materialien), Wafern (mikroelektronische Elemente) und andere Komponenten. Vor allem Halbleiter sind betroffen. Deshalb wird die Chipkrise auch gern Halbleiterkrise genannt.“ [pcspezialist]

    Auf der anderen Seite hat „die Branche mit der Pandemie einen seit vielen Jahren nicht mehr gesehenen Boom erlebt. Weltweit statteten Angestellte ihre Privatwohnungen mit der Ausrüstung für das Zuhausebüro aus. Rechner, Bildschirme, Drucker und so weiter. Dazu Smartphones und Unterhaltungselektronik wie sündhaft teure Kopfhörer und Lautsprecher – für das Leben im Stay-at-Home-Modus.“ [rnd]

    Wie sich diese Situation auf die landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten drei Jahren auswirkte, kann man in dem Artikel „Wie sich der Mangel an Traktorchips auf landwirtschaftliche Betriebe auswirkt“ nachlesen. Er liefert eine gute Erklärung der Kausalkette.

    „Die Auswirkungen einer Chipknappheit zeigen sich auf verschiedene Weise, wobei Verzögerungen bei der Produktion und Lieferung elektronischer Komponenten, Geräte und Ausrüstungen zu den wichtigsten gehören. … Da Chips so klein sind, scheint es, als hätten sie keine große Bedeutung, aber in einer digitalisierten, automatisierten Welt wie der unseren stellen die kaskadierenden Auswirkungen fast jede Branche und jeden Verbraucher vor neue Herausforderungen.“

    „Für Landwirte haben der Mangel an Chips … zu Verzögerungen bei der Beschaffung neuer oder verbesserter landwirtschaftlicher Technologien geführt, darunter Traktoren, Drohnen oder Viehwirtschaftssysteme. Andere Engpässe, einschließlich bei Karton und Kunststoffen, haben die Lieferung häufig verwendeter landwirtschaftlicher Betriebsmittel wie Pestizide und Herbizide verlangsamt, und Landwirte haben berichtet, dass sie Gerätebestellungen in Teilen statt auf einmal erhalten, was eine Herausforderung für die Geschäftsplanung und den normalen Tagesablauf darstellt.“

    „Wenn die Landwirte keine Ersatzausrüstung haben oder ein Nachbar nicht bereit ist, mitzuhelfen, kann sich der landwirtschaftliche Betrieb verzögern oder sogar eingestellt werden, was nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern auch die verfügbare Lebensmittelversorgung beeinträchtigt.“

    Seit dem vierten Quartal 2022, als die offizielle Pandemie-Phase endete, sind die Engpässe bei der Verfügbarkeit von Computerchips und anderen Hochtechnologie-Komponenten verschwunden. Dies geschah hauptsächlich, weil die pandemiebedingten Ursachen, die zuvor zu dieser Knappheit geführt hatten, nicht mehr relevant waren.

    Man könnte annehmen, dass damit das Problem gelöst ist. Der Schein trügt. Die Situation ähnelt der Ruhe vor dem Sturm. Der Artikel „Beispielloser Einbruch – ausgerechnet in der Hightechbranche“ bringt eine realistische Begründung dieser Schlussfolgerung.

    „Chiphersteller erleben einen Preiseinbruch und streichen geplante Investitionen. Marktforscher sprechen vom stärksten Absatzschwund bei PCs seit Jahrzehnten – und Einbrüche bei Halbleitern für die Industrie deuten auf eine generelle Konjunkturkrise hin.“

    „Nachdem sich die Lieferengpässe und andere Komponenten aufgelöst hatten, seien hohe Lagerbestände in vielen Firmen entstanden, deshalb werde nicht weiter geordert. Besonders steil ging es in der Region Europa, Naher Osten, Afrika nach unten – mit einem Absatzminus von mehr als 25 Prozent. Da spiele auch eine Rolle, dass viele Unternehmen ihre geschäftlichen Aktivitäten in Russland eingestellt hätten. Schwindende Kaufkraft und eine miese Kauflaune auch wegen Inflation und Rezessionsängsten kommen hinzu.“

    Der Hightech-Rückschlag lässt sich längst auch als Vorbote von düsteren Zeiten für die gesamte Wirtschaft lesen. So hat Texas Instruments einen sehr pessimistischen Ausblick fürs vierte Quartal vorgelegt. Das Unternehmen, das Chips für alles Mögliche (von der Rakete bis zur Küchenmaschine) herstellt, lässt wissen, dass nicht nur die Nachfrage nach Halbleitern für PCs und Handys zurückgeht, sondern auch nach Chips für industrielle Ausrüstungen – ein Feld, das bislang weitgehend immun war gegen die Mechanismen des Schweinezyklus.“

    Quelle: Artikel „Was Halbleiter mit Schweinen zu tun haben

    Man sagt, ein Unglück kommt selten allein. Der NZZ-Artikel „Taiwan-Konflikt: China hält Militärübungen in der Nähe der Insel ab“ vom August 2023 macht auf weitere potentielle Entwicklungen aufmerksam, die ebenfalls einen weitreichenden globalen Einfluss auf die Halbleiter-Industrie haben.

    „Wieso ist Taiwan für die Weltwirtschaft so wichtig? Taiwan ist der weltweit grösste Hersteller von Halbleitern. Diese kommen in elektronischen Geräten, aber auch in Autos und Waffensystemen zum Einsatz und sind für viele Industrien auf der ganzen Welt wichtig. Taiwanische Unternehmen generierten im Jahr 2020 mehr als 60 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Halbleitern.

    Insbesondere die amerikanische Tech-Branche ist stark von den taiwanischen Chipherstellern abhängig. Nach wie vor ist aber China der wichtigste Handelspartner Taiwans – allen Spannungen zum Trotz. Wie wichtig Halbleiterchips für die Wirtschaft sind, zeigt sich in der gegenwärtigen Chipkrise in der Autoindustrie. Ein kriegerischer Konflikt um Taiwan hätte unabsehbare Konsequenzen für die Weltwirtschaft.“

    An der Stelle zeigt sich die Anfälligkeit einer hochtechnologisierten Landwirtschaft 4.0. Turbulenzen auf dem Halbleiter-Sektor werden zunehmend indirekten und direkten Einfluss auf die Nahrungsmittelversorgung haben.

    3) Dünger-Knappheit

    Die Lage in Bezug auf die Düngemittel-Ressourcen und somit auch auf die Düngemittelpreise hat sich in den Jahren 2020 bis 2022 verschärft. Ein Grund dafür war der Ukrainekrieg, dessen Auswirkungen noch weit in das Wirtschaftsjahr 2022/23 hinein nachwirkten. [proplanta]

    Der Ukraine-Konflikt hat zu einem Anstieg der Erdgaspreise und somit auch der Energiepreise geführt. Der Preis für Erdgas in Europa ist um 60 Prozent gestiegen. [ZDF]

    Die Energiepreise und die Düngemittelproduktion hängen eng miteinander zusammen. Die Herstellung der meisten Düngemittel ist sehr energieintensiv, da Erdgas sowohl als Rohstoff als auch als Energiequelle im Produktionsprozess benötigt wird. [DESTATIS]. Steigende Energiepreise führen daher zu einer Verteuerung der Düngerproduktion und können zu Produktionskürzungen bei den Düngemittelproduzenten führen. Dies wiederum führt zu einem Anstieg der Düngemittelpreise und einem Rückgang des Düngemittelabsatzes.

    Ein Beispiel dafür ist die Firma BASF. Ende September 2021 verkündete die BASF, die Düngerproduktion in Europa zu drosseln. „Das Unternehmen hat die Ammoniakproduktion sowohl in seinen Werken in Antwerpen in Belgien als auch in Ludwigshafen in Deutschland reduziert. »Aufgrund des jüngsten Anstiegs der Erdgaspreise in Europa ist der wirtschaftliche Betrieb einer Ammoniakanlage in der Region äußerst schwierig geworden«, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.“ … „Immer mehr große Düngerhersteller legen Werke still. Dünger wird knapp und die Preise gehen durch die Decke.“ [agrarheute]

    Nach der weiteren Energiepreisexplosion aufgrund des Ukraine-Konflikts hat BASF nun im Februar 2023 beschlossen, eine der beiden Ammoniak-Anlagen in Ludwigshafen stillzulegen. „Ammoniak wird zum größten Teil zu Düngemittel verarbeitet.“ [Bild]

    Eine Anmerkung: siehe selbst, wer die Top-Aktieninhaber von BASF sind. Wir finden auch hier an oberster Stelle Vanguard Inc.

    In letzter Zeit sind die Düngemittelpreise gesunken. Das hängt mit den etwas gefallenen Gaspreisen und den wenigen Käufern zusammen. Allerdings ist der Gaspreis im Juli 2023 (mit 14,8 Cent pro kWh) im Vergleich zum Jahr 2020 (mit 5,97 Cent pro kWh) trotzdem sehr hoch. [GASVERGLEICH]

    „Die weitere Entwicklung der Preise und auch der verfügbaren Menge an Düngemittel ist jedoch unsicher. Zum einen ist unklar, wie sich der Energiemarkt weiterentwickelt, zum anderen sind die Folgen des Ukrainekrieges noch nicht absehbar. … Ein weiteres Problem stellt die Knappheit von Düngemitteln dar. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist Europa auf Importe von Düngemitteln angewiesen.“ [agrimand]

    Wie sich die Düngemittel-Knappheit unmittelbar auf die Landwirtschaft auswirkt, kannst du dir hier anschauen. 

    4) Nahrungsproduktion wird reduziert oder eingestellt

    Die Kombination aus steigenden Energiepreisen, Kraftstoffpreisen und Düngemittelpreisen führt unweigerlich zur Reduzierung oder Einstellung der Nahrungsmittelproduktion.

    Es folgt eine Auflistung einiger Beispiele. Das Ausmaß ist bei weitem viel größer.

    • Werden hohe Gaspreise zu einer Gurkenkrise in Europa führen? [Quelle]
      Die Problematik ist 2023 unverändert. [Quelle]
    • Bauernpräsident: Wegen hoher Energiepreise bleiben Gewächshäuser leer [Quelle]
    • Britische Landwirte im Vereinigten Königreich können es sich aufgrund der explodierenden Kraftstoff- und Düngemittelkosten nicht leisten, für die nächste Saison zu pflanzen. [Quelle]
    • Kent Apfelbauern gezwungen, Obstplantagen wegen finanzieller Verluste umzugraben [Quelle]
    • Größter Gemüseproduzent in Island stellt Lieferungen ein [Quelle]
    • „Wir können nicht überleben“: Schweinefleischproduzenten in Alberta stehen vor großen Verlusten und Schließungen [Quelle]
    • 100.000 italienische Bauernhöfe sind aufgrund von EU-Sanktionen von der Schließung bedroht [Quelle]
    • Viele Kartoffelfarmen stehen vor der Schließung, warnt IFA [Quelle]
    • Leere Regale: Supermärkte in Großbritannien beginnen mit Rationierung [Quelle]
    • Wie ein Landwirt um seinen Betrieb und seine Kühe kämpft [Quelle]

    Die Wahrheit über unsere Landwirtschaft
    „Obwohl deutsche Landwirte mit knapp sieben Milliarden Euro pro Jahr aus der EU subventioniert werden, schließen im Schnitt zehn Höfe am Tag für immer. Jungbauern aber haben kaum Chancen, neue Betriebe zu gründen. Ackerland ist vielerorts unbezahlbar geworden. Auch, weil große Investoren nach dem kostbaren Boden greifen. Etwa 60 Prozent der Fläche gehören inzwischen nicht-landwirtschaftlichen Eigentümern.“ [ZDF]

    5) Kontrolle der WHO über die Lebensmittel im „Namen der Gesundheit“

    Ich möchte hier anmerken, dass die Haltung und Nutzung von Tieren ein SEHR wichtiges, aber ein separates Thema ist, auf das ich in diesem Artikel nicht eingehe.

    In dem Entwurf zum Pandemievertrag der WHO vom 01.02.2023 ist folgendes zu lesen:

    Punkt 23: „Verständnis dafür, dass die meisten neu auftretenden Infektionskrankheiten ihren Ursprung bei Tieren haben, einschließlich wild lebender und domestizierter Tiere, und dann auf den Menschen übergreifen“ (Seite 6)

    Punkt 26: „Bekräftigung der Bedeutung eines One-Health-Ansatzes …, um die menschliche Gesundheit zu schützen, Gesundheitsgefahren an der Schnittstelle zwischen Tier und Mensch zu erkennen und zu verhindern, insbesondere zoonotische Übertragungen und Mutationen, und um die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen nachhaltig auszugleichen und zu optimieren“ (Seite 6)

    Article 18/(6):Die Vertragsparteien verpflichten sich, … One-Health-Überwachungssysteme auszubauen …, um Spillover-Ereignisse, Mutationen und die Risiken im Zusammenhang mit zoonotischen, vernachlässigten Tropenkrankheiten und vektorübertragenen Krankheiten auf ein Mindestmaß zu beschränken und so zu verhindern, dass kleine Ausbrüche bei Wildtieren oder Haustieren zu einer Pandemie werden. (Seite 24)


    Bill Gates bringt es in der Sendung „The Daily Show” am 28.03.2022 in den folgenden 30 Sekunden auf den Punkt:

    Auf die Frage des Moderators „Müsste es uns nicht auch interessieren, wie es zu dieser Pandemie kam? Es ist immer noch voller Geheimnisse. …“ antwortet Bill Gates: „Nun, wir sollten auf die Sicherheit im Labor achten. In diesem Fall ist es ganz klar, dass die Krankheit durch Tiere übertragen wurde. Und fast alle unsere Krankheiten … wie HIV wurde vor einiger Zeit von Schimpansen in Afrika übertragen, EBOLA kam von Fledermäusen. Auch dies kam, mit einem Schritt dazwischen, von Fledermäusen. Es wird also immer wieder vorkommen, vor allem durch den Klimawandel, bei dem wir in viele Lebensräume eindringen.“

    (Anmerkung: Eine genauere Analyse zur Herkunft des Coronavirus findet sich im Artikel „Das Spike-Protein im Fokus“.)

    Die Quintessenz ist klar: Tiere sind schmutzig und gefährlich. In ihnen lauern super-resistente Keime und es ist daher einfach zu gefährlich, jetzt weiterhin Tiere zu halten. Das gilt im Besonderen für die Eigentierhaltung.

    Die Frage, die sich einem hier aufdrängt: Wie zum Teufel hat es der Mensch in all den vorherigen Jahrhunderten geschafft, ohne Impfung, genveränderten Lebensmitteln und in unmittelbarer Nähe zum Tier zu überleben? Das grenzt an ein Wunder!

    Das Muster, das sich erkennen lässt – es gilt jegliche Selbstversorgung zu zerstören. Autarke Gruppen sind unabhängig. Unabhängige Gruppen lassen sich nicht in das „Neue Normal“ einfügen und müssen daher bekämpft werden. Abhängige Menschen lassen sich kontrollieren.

    Beispiele der Gegenwart im Hinblick auf die Zukunft
    Hinterhoftiere für den Eigenbedarf

    Beispiele von Propaganda gegen Hinterhoftiere:

    • Die Eier von Hinterhofhühnern enthalten durchschnittlich 40-mal mehr Blei als Eier aus dem Laden, wie Forschungsergebnisse zeigen. [Quelle]
    • Hobby-Schweine „ein Maul- und Klauenseucherisiko“, da das Bewusstsein der Schweinebesitzer im Hinterhof oder in der Kleintierhaltung wirklich gering ist. [Quelle]
    Vogelgrippe

    Laut Wikipedia ist die Vogelgrippe H5N1 eine Viruserkrankung der Vögel. Die Vogelgrippe verursacht bei in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln und bei Wildvögeln in zahlreichen Ländern eine anzeigepflichtige Tierseuche, gegen die umgehend amtliche Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung und zur Verhinderung ihrer Ausbreitung eingeleitet werden können.

    Welche Maßnahmen werden nach H5N1-Nachweis eingeleitet?
    Es werden ALLE Zuchttiere getötet.

    Wie wird das Virus nachgewiesen?
    Überraschung… mit einem PCR-Test.

    Wie viele Tiere einer Herde werden mittels PCR getestet?
    Es reicht der Nachweis bei einem Tier.

    Vogelgrippe: Eine weitere falsche „Pandemie“ … diesmal für Hühner?

    Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums betraf im Jahr 2022 die Vogelgrippe mehr als 47,7 Millionen Vögel, darunter 251 kommerzielle Herden und 328 Hinterhofherden.

    Hier ein Link zur Homepage des US-Landwirtschaftsministeriums mit der offiziellen Liste der nachgewiesenen Vogelgrippe mit Angabe der Anzahl der betroffenen Tiere.

    Ein Fall sticht dabei besonders ins Auge. In der US-amerikanischen Stadt Iowa gab es die größte Eier-Fabrik des Landes „Rembrandt Enterprises“. Eigentümer der Fabrik ist der Milliardär und ehemalige republikanische Senator des Bundesstaates Minnesota Glen Taylor.

    Als die Arbeiter am Morgen zum Einsammeln der Eier und Füttern der Vögel antraten, wurde ihnen mitgeteilt, dass an diesem Tag eine andere Aufgabe auf sie wartete. Nachdem am 17.03.2022 ein einziger Fall von Vogelgrippe gegen 22:30 Uhr festgestellt worden war, hatte die Fabrik über Nacht damit begonnen, mehr als 5 Millionen Hühner zu töten. Die Tötung erfolgte mittels Lüftungsabschaltung. Die Luftzufuhr zu den Ställen wurde verschlossen und die Temperatur auf 40 Grad erhöht. Ein beteiligter Rembrandt-Mitarbeiter sagte: „Sie haben die Vögel bei lebendigem Leib gekocht“.

    Die Arbeiter wurden angewiesen, die toten Hühner aus den Käfigen zu holen und auf nahe gelegenen Feldern in riesigen Gruben zu vergraben. Sie waren fast einen Monat damit beschäftigt.

    Nach der Aktion wurden etwa 250 Arbeiter fristlos entlassen, so dass nur noch ein paar Dutzend Angestellte übrig blieben. Seitdem hat Rembrandt Enterprises die Eierproduktion nicht wieder aufgenommen.

    Zuvor investierte die Firma noch in KI-Forschung, z.B. in Eier zählen mit KI und rechnete damit, dass es sich in den kommenden Jahren auszahlen wird. Trotzdem änderte Glen Tayler seine Meinung über das Fortbestehen der Eierproduktion nach einem PCR-Test. Warum?

    Nun, das passiert nicht nur in den USA. Die niederländischen Behörden sagten am 20.10.2022, sie hätten rund 5,8 Millionen Vögel, darunter Hühner, Puten und Wasservögel, an 98 Orten im ganzen Land getötet, seit der Ausbruch des neuen Stamms der Vogelgrippe erstmals im Oktober letzten Jahres festgestellt wurde.

    Bakterien in Fischen

    In Kalifornien wurde Anfang April 2022 ein Ausbruch von Lactococcus petauri festgestellt, einem natürlich vorkommenden Bakterium, das Fische krank macht.

    Sie haben 600.000 Zuchtfische eingeschläfert. Die betroffenen Fischzucht-Anlagen liefern in der Regel auch Fische für den Besatz von Gewässern in der Region, so dass es im Jahr 2022 kaum Fische in den Bächen und Seen in der Sierra Nevada gab. Interessant ist auch, dass das Bakterium vor 2020 noch nie zuvor in Fischen in Kalifornien nachgewiesen wurde. [Quelle, zuletzt aufgerufen März 2023]

    Superresistente Keime in Schweinen

    Dänische Wissenschaftler entdeckten Hinweise darauf, dass Schweine den gefährlichen antibiotikaresistenten Superkeim Clostridioides difficile auf den Menschen übertragen können.

    Ausbruch der Japanischen Enzephalitis in Australien in Dutzenden von Schweinefarmen entdeckt, Schweinefleischversorgung droht zu sinken

    Tendenz

    „Mit anderen Worten, wenn Sie Ihre eigenen Tiere haben, wird die WHO davon erfahren und die Kontrolle über sie haben, weil … Viren.“ [Quelle]

    Die Tierhaltung, so wie wir sie seit Jahrtausenden kennen, wird sukzessive unter dem Vorwand „Gesundheit und Sicherheit“ mit umfangreichen Auflagen belegt. In der Praxis heißt das, dass nur eine geringe Anzahl von Großunternehmen in der Lage sein werden, Tierzucht unter den neuen Bedingungen weiter zu betreiben. Diese große Konzentration führt zu einer enormen Machtposition, die zur vollständigen Kontrolle der Versorgung und der Versorgten führt.

    6) Kontrolle über Ackerland und Lebensmittel im „Namen des Klimas“

    An dieser Stelle möchte ich euch Christian Westbrook vorstellen. Er ist Agrarforscher und Gründer des Online-Podcasts „Ice Age Farmer”.

    Christians Recherchen sind sehr gründlich und professionell. Er bloggt seit Jahren darüber, dass weltweit die Lebensmittelproduktion bewusst zerstört wird und warnt schon seit langem vor der zu erwartenden Nahrungsmittelknappheit.
    Seit einem Jahr hat er nichts mehr gebloggt und man kann nur spekulieren, warum?

    Zum gesamten Video geht es hier.

    Im folgenden Video vom März 2021 geht Christian auf die Verdrängung der Bauern im Namen des Klimas ein.

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    Das man beim Klimaschutz nichts dem Zufall überlassen möchte, zeigt sich in der UK FIRES-Studie „Absolute Zero – Die Erfüllung der Klimaschutzverpflichtung des Vereinigten Königreichs mit schrittweiser Anpassung an die heutigen Technologien“. UK FIRES ist ein Forschungsprogramm, dass vom britischen Staat finanziert wird. Die folgende Grafik spricht für sich.

    Welche Maßnahmen können wir ergreifen – als Einzelpersonen und in den Schlüsselsektoren, um die Emissionen jetzt zu reduzieren und zukünftige Entscheidungen zu treffen, um den absoluten Nullpunkt zu erreichen? [Quelle]

    Der Videobeitrag „Hunger in Deutschland vorprogrammiert? Umweltverordnung bedroht Bauern und Ernten“ gibt eine sehr gute Zusammenfassung der Entwicklungen in Deutschland und Holland.

    7) Kontrolle über Ackerland durch Verschiebung der Besitzeigentümer

    Ackerlandbesitz regelt die Kontrolle und Nutzung, prägt viele landwirtschaftliche Entscheidungen, einschließlich derer in Bezug auf Produktion, Erhaltung und Nachfolgeplanung. Wer das Land besitzt, stellt die Regeln auf, wie und in welchem Umfang über das Land verfügt wird.

    Im Jahr 2020 machte Gates Schlagzeilen, als er der größte private Ackerlandbesitzer in den USA wurde. In weniger als einem Jahrzehnt hatte er mehr als 269.000 Hektar Ackerland in 18 Bundesstaaten angehäuft. Aber er ist nicht der Einzige. Einige der reichsten Landbesitzer, darunter Jeff Bezos, John Malone und Thomas Peterffy, kaufen Wälder, Ranches und Ackerland in den gesamten Vereinigten Staaten auf. Und warum? Sieh dir dazu das Video an.

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    Laut diesem CNBC Beitrag von 2021 werden die Investitionen in Ackerland im ganzen Land zunehmen, da Menschen, darunter auch Superreiche wie Bill Gates, nach neuen Möglichkeiten suchen, ihr Geld zu vermehren. Damit steigen die Preise stetig.

    „Es ist ein Vermögenswert mit steigendem Wert“, sagte John Piotti, CEO von American Farmland Trust. „Es hat einen großen intrinsischen Wert und ist darüber hinaus eine begrenzte Ressource“.

    Nach Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums sind 30 % aller landwirtschaftlichen Flächen im Besitz von Grundbesitzern, die selbst keine Landwirtschaft betreiben. Die Käufer erwerben das Land oft von Landwirten, die es schon seit Jahrzehnten besitzen; viele von ihnen sind vielleicht reich an Vermögen, aber arm an Bargeld. Für viele der Landwirte bekommt der Slogan „You will own nothing and you will be happy“ bereits eine konkrete Bedeutung.

    In seinem Artikel „Der Getreidefeldherr(Teil 1 und Teil 2) schreibt Robert F. Kennedy Jr. über Bill Gates:

    „Für einen Mann, der von Kontrolle durch Monopole besessen ist, muss die Möglichkeit, auch die Nahrungsmittelproduktion zu beherrschen, unwiderstehlich erscheinen. Bill Gates macht keine halben Sachen. Er stellt nicht eines von vielen Software-Angeboten her, er überschwemmt den ganzen Globus mit seinen Microsoft-Produkten und versucht jeden PC-Benutzer tributpflichtig zu machen. Er gibt sich auch nicht damit zufrieden, viele Menschen — oder die, die es wünschen — gegen Corona zu impfen. Nein, es müssen alle sein, 7 Milliarden Menschen. Möchte man einem Mann mit einer solchen Mentalität auch noch die Macht über unsere Ernährung anvertrauen?

    Laut JFK jr. versuchen Gates und die anderen Raubritter unter dem Vorwand des Klima, der Artenvielfalt und der Bedrohung durch Zoonose-Pandemien, die Menschen aus dem Agrargeschäft und von den Farmen zu vertreiben. Gates’ Kontrolle über den Ablauf (der Coronapandemie) war lückenlos. Seine Umsetzung seiner Impfvorhersage war elegant und makellos. Und jetzt rollen Gates’ Stellvertreter das gleiche Strategiebuch aus, um seine totalitäre Ernährungsagenda durchzusetzen.“

    Dieses Dokument stellt ein Kompendium über die Gefahren dar, die diese Entwicklung auf dem Ackerlandmarkt mit sich bringt und widmet sich solchen Themen wie:

    • Biopiraterie,
    • Klimaaktivismus,
    • Diebstahl des Saatguts,
    • Genetisch veränderte Organismen (GVO),
    • Umgehung staatlicher Regulierung,
    • Chemische Kriegsführung gegen die menschliche Gesundheit,
    • Synthetische Lebensmittel: Soylent „Gates“,
    • Angereicherte Lebensmittel,
    • Gates, GAVI und GAIN,
    • Künstliche Intelligenz: die Welt der Bauern abschaffen und
    • der UN-Ernährungsgipfel.

    Die Verschiebung der Besitzeigentümer von Agrarland ist nicht nur auf die USA beschränkt. Es ist ein weltweites Phänomen. Das vielleicht „krasseste“ Beispiel in dieser Richtung ist die Ukraine. Mit 34 Millionen Hektar fruchtbarem Boden ist die Ukraine eines der landwirtschaftlich produktivsten Länder der Erde.

    In dem Artikel „Inmitten des Kriegschaos, ein neuer Bericht deckt die heimliche Übernahme von ukrainischem Agrarland auf“ wird dargelegt, wie mehrere lokale Großagrarunternehmen, die immer noch weitgehend von Oligarchen kontrolliert werden, sich für westliche Banken und Investmentfonds geöffnet haben – darunter Prominente wie Kopernik, BNP oder Vanguard – die nun einen Teil der Aktien kontrollieren. Der Bericht schlägt auch Alarm, dass die lähmende Verschuldung der Ukraine von den Finanzinstituten als Druckmittel genutzt wird, um den Wiederaufbau nach dem Krieg in Richtung weiterer Privatisierungs- und Liberalisierungsreformen in mehreren Sektoren, einschließlich der Landwirtschaft, voranzutreiben.

    Dies ist eine Lose-Lose-Situation für die Ukrainer. Während sie ihr Land unbedingt verteidigen wollen, unterstützen Finanzinstitute heimtückisch die Konsolidierung von Ackerland durch Oligarchen und westliche Finanzinteressen.

    Hier erinnere ich nochmal an die Worte von US-Präsident Biden „Russland und die Ukraine WAREN die Kornkammer Europas“ (siehe Kapitel 1).

    8) „Zufällige“ Brände

    Im Juni 2022 veröffentlichte „The Gateway Pundit“ einen Artikel über eine Liste von Lebensmittelfabriken in den USA, die von 2021 bis 2022 während der Biden-Administration zerstört, beschädigt oder durch „versehentliche Brände“, Krankheiten oder allgemeine Ursachen beeinträchtigt wurden.

    In dem Artikel steht: „Angesichts dieses andauernden Problems in unserer Lebensmittelversorgung hat ein besorgter Bürger eine interaktive Karte erstellt… .

    Hier ein übersetzter Auszug der Nachricht des besorgten Bürgers:

    „Ich habe umfangreiche Nachforschungen darüber angestellt, was mit der Nahrungsversorgung vor sich geht. Ich habe eine interaktive Karte erstellt, mit der Sie auf ein Symbol klicken (oder darüber fahren) können und alle Details erfahren, was an diesem Ort passiert ist, einschließlich eines Links zum Artikel.“

    „Wenn ich irgendwelche Zweifel hatte, dass dies beabsichtigt war, ist das an dieser Stelle völlig verschwunden. Es ist fast erschreckend zu sehen, was vor sich geht, und die Mehrheit der Menschen hat keine Ahnung. Jeden Tag passiert etwas anderes, um dieser Liste etwas hinzuzufügen. Die Dinge passieren jetzt so schnell, dass es verblüffend ist. Big Tech vertuscht die meisten davon oder vergräbt sie so weit unten im Feed, dass die meisten Leute sie nie sehen. Ich habe Ermittlungsfähigkeiten, die ich während meiner gesamten Karriere eingesetzt habe, also weiß ich, wie ich das alles umgehen kann, sonst hätte ich nie gefunden, was ich habe.“

    „Ich hatte noch nie von jemandem gehört, der nach tatsächlichen Bränden in Lebensmittelbetrieben gesucht hat, also hat mich das auf diesen Weg gebracht. Als ich sah, wie schlimm es war und welche Muster sich abspielten, war mir klar, was sie tun, und ich bin jetzt davon überzeugt, dass sie Menschen dazu bringen, dabei zu helfen, so wie sie es bei den Wahlen getan haben. Mir ist klar, dass dies nicht alles Absicht ist, aber sobald Sie sehen, wie groß das ist, kann nicht geleugnet werden, dass etwas Böses vor sich geht …“

    „Es ist ziemlich erschreckend, wenn man das alles zusammen sieht.“

    Die interaktive Karte mit allen beschädigten lebensmittelverarbeitenden Betrieben/Bereichen aus dem Zeitraum 2021-2022 kannst du dir hier anschauen. Die meisten von ihnen befinden sich in den Vereinigten Staaten.

    Nun gibt es aber auch Experten, die sagen, dass die Verschwörungstheorien über die Brände falsch sind.

    Auch THE EPOCH TIMES meldet sich zu diesen Verschwörungstheorien zu Wort und meint:

    Eine Reihe von Bränden in Lebensmittelverarbeitungsbetrieben im ganzen Land hat zu intensiven Spekulationen in den sozialen Medien darüber geführt, ob die Brände versehentlich oder das Ergebnis eines vorsätzlichen Angriffs auf eine kritische Lebensmittelinfrastruktur waren. … Das Facts Matter-Team stellte fest, dass die meisten der genannten Vorfälle von angeblich im Jahr 2022 in Brand geratenen Einrichtungen in diesem Jahr nicht stattfanden. Viele wurden aus den Vorjahren in einen Topf geworfen.

    Ich habe mir die Mühe gemacht und bin die Liste der Brände mal durchgegangen und kann zumindest bestätigen, dass es sich bei allen Vorfällen dieser Liste tatsächlich um Brände aus den Jahren 2021 und 2022 handelt. Dabei gab es schlimme Zerstörungen und weniger schlimme. Ich habe die Liste mal hier eingebunden, so dass es jeder selbst prüfen kann. Und ich möchte noch auf die Kommentare des EPOCH TIMES Artikel aufmerksam machen, die es wert sind, zu lesen.

    Brände aus den Jahren 2021 und 2022:

    🔥 11.01.2022 > Deli Star Fleischfabrik in Fayetteville
    🔥 30.04.2021 > Smithfield Foods pork plant in Monmouth
    🔥 25.07.2021 > Kellogg’s factory in Memphis
    🔥 13.08.2021 > JBS beef plant in Grand Island
    🔥 24.08.2021 > Patak Meat Production Company in Austell
    🔥 30.07.2021 > Tyson Foods/River Valley by Hanceville
    🔥 13.10.2021 > Darigold butter production plant in Caldwell
    🔥 15.11.2021 > Food Pantry in Garrard County
    🔥 29.11.2021 > Maid-Rite Steak Company in Lackawanna County
    🔥 13.12.2021 > Food processing plant in West Side
    🔥 07.01.2022 > Poultry processing plant on Hamilton’s Mountain
    🔥 13.01.2022 > Cargill-Nutrena feed mill in Lecompte
    🔥 31.01.2022 > Fertilizer plant in Winston-Salem
    🔥 03.02.2022 > Wisconsin River Meats plant in Mauston
    🔥 03.02.2022 > Percy dairy farm in Stowe
    🔥 15.02.2022 > Bonanza Meat Co. in the Segundo Barrio
    🔥 16.02.2022 > Louis Dreyfus soy processing plant in Claypool
    🔥 18.02.2022 > Bess View Farm in St. Albans
    🔥 19.02.2022 > Lincoln Premium Poultry plant in Fremont
    💥 22.02.2022 > Shearer’s Foods plant south of Hermiston
    🔥 28.02.2022 > Nutrien Ag Solutions (fertilizer producer) in Sunnyside
    🔥 28.02.2022 > Shadow Brook Farm (Cheese producer) in Lincoln
    🔥 14.03.2022 > Wayne Hoover Farm in Longswamp Township
    🔥 16.03.2022 > Walmart Food Distribution Center in Plainfield
    🔥 16.03.2022 > Nestle frozen foods manufacturing plant in Jonesboro
    🔥 24.03.2022 > Penobscot McCrum potato processing plant in Belfast
    🔥 29.03.2022 > Maricopa Food Pantry in Maricopa
    🔥 31.03.2022 > Rio-Fresh Onion Warehouse in San Juan
    🔥 13.04.2022 > East Conway Beef & Pork Meat Market in Conway
    🔥 14.04.2022 > Taylor food processing plant in Salinas
    🔥 19.04.2022 > Azure Standard, distributor of organic and healthy food, in Dufur
    🔥 28.05.2022 > Forsman Farm (poultry) in Howard Lake
    🔥 07.06.2022 > JBS meat packing plant in Green Bay
    🔥 08.06.2022 > Purina Animal Feed Mill in Arcola
    🔥 13.06.2022 > Food Processing Plant in Wisconsin
    🔥 21.09.2022 > Food Processing Plant in Kauneonga Lake

    Wie sagt man so schön, Kleinvieh macht auch Mist. Und das ist nur ein Teil dessen, was gerade passiert.

    9) Kontamination von Agrarland und Ernte

    Folgende Vorfälle aus der Gegenwart sind deutliche Beispiele für eine massive Vergiftung.

    Am 03.02.2023 ereignete sich wohl eine der schlimmsten Chemie-Katastrophen in der Geschichte der USA. In der Kleinstadt East Palestine in Ohio entgleiste ein Zug mit Waggons, die Gefahrengut enthielten. Im Zuge der Bergung veranlasste man eine „kontrollierte“ Verbrennung von Vinylchlorid. Dabei entstand eine riesige giftige Wolke, die in die Atmosphäre aufstieg. Wolken haben aber nun mal die Eigenschaft, auch wieder über Regen nach unten zu kommen. Eine detaillierte Beschreibung der Geschehnisse im Artikel “Ohio, East Palestine – nothing to see here“.

    Durch den Krieg in der Ukraine wurden große Gebiete langfristig kontaminiert. Eine Übersicht über die Umweltschäden infolge des Krieges findet man hier. Im Krieg werden nicht nur Menschenleben zerstört, sondern auch ihre Lebensräume. Kontaminierte Böden und vergiftetes Grundwasser sind die Folgen.

    10) Giving to Amplify Earth Action (GAEA)

    Bei dem diesjährigen WEF-Treffen in Davos wurde eine neue Initiative ins Leben gerufen: die Giving to Amplify Earth Action (GAEA).

    In der Pressemitteilung vom WEF lesen wir: „Die neue Initiative Giving to Amplify Earth Action (GAEA) wird philanthropisches Kapital nutzen, um die 3 Billionen US-Dollar zu generieren, die jedes Jahr aus öffentlichen und privaten Quellen benötigt werden, um den Klimawandel und den Verlust der Natur zu bekämpfen.“

    Die Hauptziele, die man damit verfolgt sind:

    • Netto-Null-Treibhausgasemissionen,
    • den Verlust der Natur umzukehren und
    • die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt bis 2050.

    „Wir befinden uns an einem Wendepunkt in unseren Bemühungen, den Planeten wieder auf Kurs zu bringen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Um die Geschwindigkeit und das Ausmaß zu erreichen, die erforderlich sind, um die Systeme der Erde zu heilen, müssen wir nicht nur privates Kapital und staatliche Mittel freisetzen, sondern auch den Philanthropie-Sektor als echte Katalysatorkraft, um die notwendige Beschleunigung zu erreichen“, sagte Klaus Schwab, Gründer und Executive Chairman des Weltwirtschaftsforums.

    Mit den 3 Billionen US-Dollar sollen die grundlegenden Änderungen von Politik, Technologie und Verhalten global forciert werden.

    10 wichtige Lösungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen [Quelle]

    Die Punkte 8, 9, 10 stehen im direkten Zusammenhang mit der Lebensmittelkette. Offensichtlich soll ein erheblicher Teil der 3 Billionen USD verwendet werden, um einen direkten Einfluss auf Umfang und Art der tierischen und pflanzlichen Lebensmittelerzeugung zu nehmen.

    Laut WEF sind 40% des Ackerlandes der Welt degradiert und 33% der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen stammen aus Ernährungssystemen. Daher, so das WEF, muss das derzeitige Ernährungssystem viel mehr Nahrung produzieren, während die planetaren Grenzen bereits überschritten werden. Mit der Initiative Food Innovation Hubs, die vom Weltwirtschaftsforum ins Leben gerufen wurde, soll die Art und Weise, wie wir Lebensmittel nachhaltig produzieren und konsumieren, mittels Innovationen verbessert werden.

    Wie diese grundlegende Änderung von Politik, Technologie und Verhalten praktisch umgesetzt wird, kann man am Beispiel der Niederlande sehen. Um den Schadstoff-Ausstoß drastisch zu reduzieren, hat die Regierung das Ziel definiert, die Emissionen von Stickoxiden und Ammoniak bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen etwa 30 Prozent der Viehbauern ihren Betrieb aufgeben.

    Man sagt – Große Ereignisse werfen ihr Schatten voraus. Wie wird wohl der Einfluss der neuen GAEA Initiative auf den Besitz und die Benutzung von Ackerland sein oder auf der Art und Weise, wie man Viehzucht betreibt? Zu GAEAs wachsender Zahl philanthropischer Partner gehören unter anderem der „Bezos Earth Fund“ von Jeff Bezos, die „Open Society Foundations (OSF)“ von George Soros, die „Rockefeller Foundation“ und die „United Nations Foundation“.

    Laut Wikipedia stammt der Begriff Philantropie aus der Antike. „Damals bezeichnete der Ausdruck meist eine wohlwollende, großzügige Einstellung Vornehmer, Mächtiger und Reicher gegenüber ihren wirtschaftlich schwächeren Mitbürgern. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird heute Philanthropie oft auf ihren materiellen Aspekt beschränkt und mit Bereitstellung privater finanzieller Mittel für gemeinnützige Zwecke gleichgesetzt. Dabei denkt man in erster Linie an Großspenden und an die Errichtung von Stiftungen.“

    „Kritiker beargwöhnen den starken politischen und gesellschaftlichen Einfluss großer Stiftungen, die nur den Zielen ihrer Gründer verpflichtet und nicht demokratisch legitimiert seien. Außerdem unterstellen sie den Philanthropen fragwürdige, eigennützige Motive.“

    In diesem Zusammenhang ist das Interview mit dem Hamburger Soziologieprofessor Frank Adolff „Verschränkung von Philanthropie und Kapitalismus“ besonders aussagekräftig.

    Ein Auszug:

    Sie kritisieren in einer Ihrer Veröffentlichungen, dass Philanthrokapitalisten die Philanthropie durch mehr und effektivere Philanthropie verbessern wollen. Wie kann ein “Mehr“ an Philanthropie ein Problem sein?

    Adloff: Das „Mehr“ ist dann ein Problem, wenn damit eine Machtposition einhergeht, die nicht mehr kontrollierbar ist. Wir haben das gleiche Phänomen im wirtschaftlichen Bereich: Da nennen wir es Monopolbildung. Monopole sind volkswirtschaftlich schädlich, weil sie Preise festlegen können, was sie unter Konkurrenz nicht könnten. In der Welt der Philanthropie müssen wir das demokratietheoretisch sehen: Wenn Akteure eine solche Machtstellung haben, können sie natürlich einerseits viel und schnell etwas bewegen. Andererseits ist das unkontrollierbar, und Akteure können ihre privaten Interessen durchsetzen. Bei der Gates-Stiftung ist beispielsweise kritisch begleitet worden, welchen Einfluss sie auf bestimmte medizinische Entwicklungen weltweit hat, ohne dass das demokratisch kontrolliert wird. Bei großen Organisationen besteht auch weniger die Neigung, mit kleinen zivilgesellschaftlichen Organisationen zu kooperieren, denn sie können mit ihren Mitteln ja selbst die Agenda setzen.

    Inwiefern spielt Eigeninteresse im Philanthrokapitalismus eine Rolle?

    Adloff: Das zeigt sich an den Verschränkungen zwischen unternehmerischem und philanthropischem Handeln. Ich bleibe mal bei dem Beispiel von Zuckerbergs Stiftung: Diese investiert philanthropisch – man kann es kaum noch Philanthropie nennen – wobei dies letztlich dem Mutterunternehmen zugutekommt. Oder die Gates-Stiftung: Nicht umsonst konzentriert diese sich auf Bildungspolitik. Da geht es um Digitalisierung der Schulen und pädagogische Konzepte. Letztendlich kann man nicht mehr klar unterscheiden: Geht es um philanthropische Bildungsprojekte oder geht es am Ende darum, das Mutterunternehmen mit Aufträgen zu versorgen?

    Wie wird die GAEA Initiative die komplette Lebensmittelkette in Zukunft beeinflussen? Was meinst Du?

    11) Zu guter Letzt eine Experten-Empfehlung

    Erinnerst du dich noch an die guten alten Zeiten, als das Frühstück die wichtigste Mahlzeit am Tag war? Diese Zeit scheint vorbei zu sein. Am 14.02.2023 empfiehlt das renommierte Wall Street Journal den Menschen, die mit der Inflation nicht Schritt halten können: „Um Geld zu sparen, sollten Sie vielleicht das Frühstück auslassen.

    Dazu der Kommentar von The Guardian: „Warum nicht den Einsatz ein wenig erhöhen und ein paar wirklich schwierige Fragen stellen? Zum Beispiel: «Hey Arme, habt ihr schon mal versucht, von Madenwürmern zu leben?» Oder: «Um den reichen Leuten jegliche Unannehmlichkeiten zu ersparen, sollten die Armen vielleicht in unterirdischen Tunneln leben.»“

    In diesem Sinne: «Lasset die Hungerspiele beginnen!»


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

  • Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle für JEDEN?

    Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle für JEDEN?

    Für Klaus Schwab, dem Gründer und Vorsitzenden des WEF (Weltwirtschaftsforum) scheint das DIE zu erwartende Zukunft für uns ALLE zu sein. In einem Interview am 10.01.2016 mit Pardonnez-moi, einer Sendung des Schweizer Radio und Fernsehens sagte er folgendes:

    „Wir sehen eine Verschmelzung zwischen der
    physischen, digitalen und biologischen Welt.“

    Klaus Schwab

    Und während eines Treffens des Weltwirtschaftsforums im Jahr 2017 fragte Klaus Schwab den Google-Mitbegründer Sergey Brin, ob er sich eine Zukunft vorstellen könne, in der jeder einen implantierbaren Gehirnchip hat.

    Klaus Schwab: „Können Sie sich vorstellen, dass wir in 10 Jahren, wenn wir hier sitzen, ein Implantat in unserem Gehirn haben und ich kann sofort spüren, [wendet sich dabei zum Publikum] weil Sie ALLE Implantate haben werden, ich kann – und wir messen alle Ihre Gehirnwellen – und ich kann Ihnen sofort sagen, wie die Leute reagieren, oder ich kann spüren, wie die Leute auf Ihre Antworten reagieren. Ist es vorstellbar?“ 

    Sergey Brin: „Ich denke, das ist vorstellbar. Ich denke … … ich denke, Sie wissen, dass sie sich vorstellen können, dass Sie sozusagen in eine Art Internet verpflanzt werden. [???] Sie kennen die bessere Fähigkeit, für immer in einer digitalen Welt zu leben. [???] Sie wissen, Sie können sich vorstellen, dass Sie allein in Ihrer biologischen Inkarnation ein sehr langes Alter erreichen werden. [???] Ich denke, es ist fast unmöglich vorherzusagen“ …wohin sich die Technologie entwickeln könnte…

    Für Klaus Schwab ist das Thema Implantate als „menschliche Schnittstelle“ zwischen der physischen, digitalen und biologischen Welt die einzige vorstellbare Zukunft für unsere Spezies. Bereits in den 60er Jahren wurde von Calhoun, der durch das Experiment Universum 25 bekannt wurde, Denkprothesen für ALLE als einzige Entwicklungsmöglichkeit des Homo sapiens weisgesagt.

    Dieses Gedankengut hat bereits die Foren des WEF verlassen und wird offen in den Werken von Yuval Harari in die breite Öffentlichkeit getragen.

    In seinem weltweit promoteten Bestseller „Homo Deus“ von 2015 findet Harari klare Worte über die Zukunft der Menschheit. Auf die Frage „Sind wir Menschen kurz vor dem Aussterben?“, antwortet er:

    „Ja, aber es ist kein Ende wie in einem Hollywood-Film, in dem Roboter verrückt werden und alle Menschen töten. Es ist wahrscheinlicher, dass wir neue Technologien nutzen werden, vor allem Biotechnologie mit künstlicher Intelligenz, um uns zu verändern und in Wesen zu verbessern, die sich von uns viel mehr unterscheiden als wir uns von den Neandertalern oder Schimpansen. Ich denke also nicht, dass in 200 Jahren Menschen wie wir die Erde bevölkern werden. Unsere Nachfahren werden eine Form von Cyber-Wesen sein, die das zukünftige Leben dominieren.“

    Doch stellt eine Gehirn-Computer-Schnittstelle für gesunde Menschen tatsächlich eine Erweiterung und damit eine Verbesserung dar? Mit dieser Frage beschäftigt sich dieser Artikel. Dafür betrachten wir zunächst das menschliche Gehirn, dessen Aufbau und Funktionsweise. Danach widmen wir uns der Thematik Gehirn-Computer-Schnittstelle und geben Einblicke über einige aktuelle Forschungsschwerpunkte.

    Das menschliche Gehirn
    Die Gehirn-Computer-Schnittstelle
    Braucht die Menschheit Denkprothesen?

    In den folgenden Ausführungen werden wir ausgehend von der Gesamtstruktur des Gehirns immer tiefer in das Denkorgan zoomen.

    Das menschliche Gehirn

    Verschiedene Bereiche unseres Gehirns
    Funktionsweise des Gehirns
    Es bleiben Rätsel
    Kleine Veränderung, große Wirkung

    Verschiedene Bereiche unseres Gehirns

    Das Gehirn bildet zusammen mit dem Rückenmark das Zentrale Nervensystem. Als Schaltzentrale des Körpers managt es sämtliche Körperfunktionen, verarbeitet Sinneswahrnehmungen und speichert Informationen. Es fühlt, lernt, denkt und handelt. Dafür müssen verschiedene Gehirnbereiche zusammenarbeiten. Das menschliche Gehirn lässt sich in 4 Bereiche gliedern:

    Großhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn und Stammhirn.

    Abb.1: Die verschiedenen Bereiche des Gehirns

    Das Stammhirn „(auch Hirnstamm) gilt als Verbindungsstelle des Zentralen Nervensystems zwischen Gehirn und Rückenmark. Hier gehen alle Informationen durch, die zum Gehirn transportiert werden. Evolutionär gesehen ist es der älteste Teil des Gehirns. Es steuert lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Blutdruck und Atmung. Des Weiteren entspringen hier Reflexe wie der Lidschluss, das Husten und das Schlucken.“ [1]

    Das Zwischenhirn ist die Fortsetzung des Stammhirns in Richtung Großhirn. Es besteht u.a. aus dem Thalamus, dem Hypothalamus und der Hypophyse. Der Thalamus als Wächter des Großhirns bildet dabei die größte Region. Hier werden alle Reize bzw. Sinneseindrücke gefiltert, bevor sie über vordefinierte Bahnen ans Großhirn weitergegeben werden. Da der Thalamus Sinneseindrücke zur Bewusstwerdung an das Großhirn weiterleitet, nennt man ihn auch das „Tor zum Bewusstsein“. Die Hypophyse produziert Hormone und gibt sie ab. Die Abgabe der Hormone wird durch den Hypothalamus kontrolliert, er verbindet Hormonhaushalt und Nervensystem. Zudem regelt der Hypothalamus wichtige unbewusste Funktionen wie den Kreislauf, Schlaf, Körpertemperatur, Hunger und Durst, das Schmerzempfinden und Sexualverhalten.

    Das Kleinhirn ist in der Hauptsache für unser Körperbewusstsein zuständig, es koordiniert und steuert unsere Bewegungsabläufe. „Neuere Studien lassen vermuten, dass das Kleinhirn nicht nur für Motorik zuständig ist.

    Die Neurologin Catherine Limperopoulos und ihre Kollegen von der McGill University in Montréal untersuchten im Jahr 2005 Kinder, die mit Kleinhirnverletzungen geboren wurden. Neben motorischen Problemen hatten die kleinen Patienten auch Schwierigkeiten mit kognitiven Prozessen wie der Kommunikation, sozialem Verhalten und der visuellen Wahrnehmung. Zudem zeigen bildgebende Verfahren, dass bei einer Vielzahl von Tätigkeiten Aktivität im Kleinhirn aufleuchtet: z.B. bei Kurzzeitgedächtnisaufgaben, der Kontrolle impulsiven Verhaltens, beim Hören und Riechen, Schmerz, Hunger, Atemnot und vielem mehr. Noch wissen die Neurowissenschaftler nicht, welche Rolle das Kleinhirn bei diesen verschiedenen Aufgaben spielt. Eine verbreitete Hypothese lautet, dass das Kleinhirn für zeitliche Koordination zuständig ist.“ [2]

    Das Großhirn ist der am höchsten entwickelte Bereich des menschlichen Gehirns. Mit ungefähr 80% ist es auch der größte Teil. Es bestimmt maßgeblich unser Erleben, Fühlen, Denken und Handeln – unser ICH – also das Bewusstsein. Wo genau im menschlichen Gehirn das Bewusstsein sitzt bzw. entsteht, kann derzeit niemand sagen.

    Als Kommunikationszentrale verbindet das Großhirn Organe und Gewebe miteinander und stimmt sie aufeinander ab. Hier werden Reize aus der Umwelt und aus dem Inneren unseres Organismus aufgenommen, beurteilt, verarbeitet und dann eine Antwort abgegeben.

    Das Großhirn besteht aus einer rechten und einer linken Gehirnhälfte (Abb.2a). Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperseite und die linke Hälfte ist für die rechte Seite zuständig. Damit beide Gehirnhälften zusammenarbeiten können, sind sie in der Mitte durch ein dickes Bündel aus Nervenfasern verbunden, dem Balken (Abb.2b). Mehr zum Balken im kurzen Video hier. Wenn du beim Betrachten dieses Videos ein „iiihhh“ denkst, erinnere dich daran, dass dein Gehirn gerade einen unerwarteten Spiegelblick auf sich selbst wirft!

    Abb.2a: Die beiden Gehirnhälften
    Abb.2b: Der Balken verbindet die beiden Gehirnhälften [10]

    Bestimmte Aufgaben des Großhirns lassen sich jedoch nicht einer Seite zuordnen, sondern verschiedenen Arealen (Abb.3), die sowohl links als auch rechts über das Gehirn verteilt liegen. Diese Areale sind auf unterschiedliche Funktionen spezialisiert. Jede Region besitzt dabei sogenannte Assoziationsfunktionen. Das bedeutet, keine Region allein ist für eine bestimmte Fähigkeit verantwortlich, sondern nur im Zusammenspiel mit anderen.

    Abb.3: Die verschiedenen Bereiche des Großhirns

    In der Großhirnrinde sind deshalb sowohl benachbarte Regionen als auch weit voneinander entfernte Regionen miteinander verknüpft, man nennt das auch lokale und überregionale Vernetzung.

    Um die Funktionsweise des Gehirns besser zu verstehen, zoomen wir nun tiefer in das Gehirn hinein.

    Alle Gewebe und Organe unseres Körpers bestehen aus Zellen. Im menschlichen Körper gibt es mehr als 200 verschiedene Zelltypen. Jeder Zelltyp ist darauf spezialisiert, eine bestimmte Funktion zu erfüllen oder ein spezialisiertes Gewebe zu bilden.

    Auch das Gehirn, das komplizierteste Organ, dass die Natur hervorgebracht hat, besteht aus Zellen.

    Bei den Gehirnzellen unterscheidet man zwischen zwei Zelltypen, den Neuronen (Nervenzellen) und den Gliazellen (Nervengewebszellen).

    Die Neuronen bilden die Grundeinheit der Informationsverarbeitung. Sie erzeugen elektrische Impulse, um Informationen zu übertragen.

    Abb.4: Neuronen, Aufbau der Nervenzellen

    Neuronen bestehen aus einem Zellkörper, dem Soma. Von ihm gehen mehrere Fortsätze, die Neuriten, ab:

    • ein Fortsatz: das Axon, das Reize sendet und
    • mehrere kurze, verästelte Fortsätze: die Dendriten, die Reize empfangen.

    Das Axon wirkt wie ein Kabel, das die elektrischen Signale des Neurons weiterleitet. Es kann sich über Entfernungen von wenigen Mikrometern (lokale Vernetzung) bis zu einem Meter und mehr (überregionale Vernetzung) erstrecken.

    In der Senderegion verzweigt sich das Axon und bildet Synapsen (die Kontaktstellen bzw. Verbindungen) mit den Dendriten der Empfängerzelle. Neuronen befinden sich über die Synapsen in gegenseitigem Kontakt. Je mehr Synapsen ein Neuron hat, desto mehr Informationen kann es übertragen.

    Jedes Neuron kann mit bis zu 10.000 anderen Neuronen verbunden sein. Bei ca. 86 Milliarden Neuronen kommen, so schätzt man, bis zu 100 Billionen Verbindungen und mehr zustande.

    Es gibt viele unterschiedliche Arten von Neuronen, die Spezialisierungen in Form und Funktion entwickelt haben. Auch die Zelldichte innerhalb jedes Hirnareals variiert. Interessanterweise befinden sich die meisten Neuronen, ca. 80 Prozent, im Kleinhirn. Aktuellen Angaben zufolge sind nur etwa 19 Prozent der Neuronen im Großhirn angesiedelt.

    Die Gliazellen „sind Zellen der Nervengewebe. Ursprünglich wurde ihnen nur eine Stütz- oder Haltefunktion zugeschrieben. Daher stammt auch die Bezeichnung glia, griechisch für Leim. Heute weiß man, dass sie an Prozessen wie der Signalweiterleitung, dem Stoffwechsel oder der Immunabwehr beteiligt sind.“ [3]

    Gliazellen sind im Vergleich zu Neuronen nicht elektrisch aktiv und leiten keine Erregung weiter. Trotzdem sind Gliazellen aktiv an der synaptischen Funktion beteiligt. Vor allem dadurch, dass sie benachbarte Neuronen isolieren, stützen und ernähren. Es gibt schätzungsweise zehnmal mehr Gliazellen als Neuronen. Sie machen zudem mehr als die Hälfte des Nervensystemvolumens aus. [4]

    Auch bei den Gliazellen gibt es viele verschiedene Arten. Drei wichtige Gruppen sind zum Beispiel die Astrozyten (sie versorgen unter anderem die Nervenzellen mit Energie), die Oligodendrozyten (sie bilden das Isoliermaterial für die Nervenzell-Ausläufer) und die Mikroglia (sie sind mit den Immunzellen verwandt, schützen u.a. aktiv das Nervengewebe und unterstützen dessen Regeneration nach einer Verletzung).

    Abb.5: Gliazellen (Quelle)

    Die Entwicklung des Gehirns beginnt wenige Tage nach Befruchtung der Eizelle im Embryo. Zunächst werden neuronale Stammzellen gebildet, hauptsächlich im Neuralrohr, dem späteren Zwischenhirn und Rückenmark. Von ihrem Entstehungsort aus wandern die neuronalen Stammzellen an den Ort, an dem sie später gebraucht werden. Dabei bilden sich die Zellen um und werden zu funktionellen Neuronen. Diesen Prozess bezeichnet man als Neurogenese. Pro Minute entwickeln sich so ca. 250.000 neue Nervenzellen.

    „Gemäß dem aktuell anerkanntesten Modell, mit dem Neurowissenschaftler die Funktionsweise des Gehirns theoretisch erklären, sind die einzelnen Nervenzellen zunächst in kleinen Verbänden zusammengeschaltet, in so genannten Modulen. Mehrere dieser Schaltkreise bilden wiederum größere Cluster.“ [5]

    Man kann sich das Gehirn als ein System vorstellen, dessen grundlegende Bausteine (die Neuronen) sich in Ensembles (vom Modul bis zum Cluster) verschiedener Größen organisieren, die wiederum miteinander verknüpft sind und so Netzwerke unterschiedlicher Größenordnungen bilden. [6]

    Diese modulare Vernetzungsstruktur entsteht dabei schon in einer frühen Phase der Entwicklung. Forscher konnten auch belegen, dass das Wachstum von Neuriten (den Zellfortsätzen zum Senden und Empfangen von Signalen) und die Wanderung von Zellen beim Entstehen spezifischer Netzwerkarchitekturen interagieren. Dieses Zusammenspiel steuert das Verhältnis zwischen lokaler Vernetzung kurzer Reichweite und globaler Vernetzung langer Reichweite über Cluster hinweg und bestimmt damit auch den Grad an Modularität im neuronalen Netzwerk. [6]

    Modularität ist das Prinzip des Zerlegens von Aufgaben in kleinere Teilaufgaben (Module), um die Bearbeitungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Neuronale Netze arbeiten zum Teil modular, d.h., Teilaufgaben werden in verschiedenen Bereichen des Gehirns verarbeitet, welche wiederum untereinander verknüpft sind (modulare Systeme). [7]

    „Ein derartiger Aufbau ist enorm effizient, da jede einzelne Nervenzelle Teil unterschiedlicher Gruppierungen und Schaltkreise ist – und somit auch mehrere Aufgaben übernehmen kann. Werden bestimmte Ensembles gerade nicht gebraucht, lassen sie sich aktiv ausschalten. Die Netzwerke können zudem parallel arbeiten und passen sich stets an neue Anforderungen an: Sie entwickeln sich gewissermaßen permanent weiter.“ [5]

    Doch wie lernt das Gehirn und wie speichert es die erlernte Information ab?

    Lernen findet an den Synapsen statt. Was passiert dabei an den Synapsen? Über Dendriten nimmt ein Neuron elektrische Signale auf und leitet sie zum Zellkörper. Von dort werden die Signale über das Axon an andere Neuronen weitergeleitet (siehe Abb.6).

    Abb.6: Elektrische Signale werden von Neuronen über Synapsen weitergeleitet

    Die Übertragung des Signals von einer Nervenzelle zur nächsten erfolgt an den Synapsen. Eine Synapse ist die Verbindungsstelle zwischen Sender und Empfänger.

    Zwischen der Präsynapse (Zellmembran vor der Synapse) des Senders und der Postsynapse (Zellmembran nach der Synapse) des Empfängers befindet sich der synaptische Spalt, den das Signal überwinden muss (Abb.7).

    Abb.7: Signalübertragung an chemischen und elektrischen Synapsen [8]

    Vor dem Spalt wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt (siehe Abb.7a). Das elektrische Signal führt dazu, dass an der präsynaptischen Membran chemische Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, ausgeschüttet werden. Diese fließen in den synaptischen Spalt. In der postsynaptischen Membran befinden sich Kanäle. Binden die Neurotransmitter an den Rezeptoren dieser Kanäle, öffnen sie sich und bestimmte chemische Botenstoffe strömen in die postsynaptische Zelle hinein. Diese chemischen Botenstoffe werden dann an speziellen Rezeptoren wieder in ein elektrisches Signal umgewandelt und weitergeleitet.

    Für ein besseres Verständnis über die Vorgänge an der Synapse empfehle ich das Video: Synaptische Plastizität – wie das Gehirn lernt.

    Man kann sagen, die Nervenzellen kommunizieren, die eine Zelle redet und die andere hört zu. Synapsen sind auch in der Lage, die Stärke der Kommunikation in Abhängigkeit ihrer Nutzung zu verändern. Wenn wir etwas lernen oder üben, erhöht sich die Aktivität der benutzten Synapsen. Dies bewirkt, dass sich die Menge der chemischen Botenstoffe erhöht, zusätzliche Rezeptoren auf den Empfängerzellen entstehen oder die Kontaktflächen der Synapsen wachsen. Dadurch wird die Synapse verstärkt. Lernen wir etwas Neues, werden auch neue Synapsen gebaut. Weniger gebrauchte Synapsen werden abgeschwächt, nicht benutzte verschwinden wieder. Das eingehende Signal kann aber auch hemmend auf die postsynaptische Zelle wirken und damit die weitere Kommunikation unterdrücken.

    Die Effektivität der Synapsen wird also aktivitätsabhängig angepasst. Dies ist ein andauernder Prozess, der dazu führt, dass sich Synapsen ständig verändern. [8]

    Da die häufigsten Verbindungen chemische Synapsen sind, sind in der Regel auch diese gemeint, wenn die Rede von „Synapsen“ ist. Neben den chemischen Synapsen gibt es auch elektrische Synapsen.

    „An elektrischen Synapsen (Abb.7b) sind zwei benachbarte Zellen direkt durch eine Art Tunnel miteinander verbunden. Die gängige Lehrbuchmeinung war lange, dass diese Tunnel starre unveränderbare Strukturen sind, deren einzige Aufgabe es ist, elektrische Stromflüsse direkt von einer Zelle zur nächsten Zelle weiterzuleiten.“ In den letzten Jahren konnte jedoch nachgewiesen werden, „dass elektrische Synapsen sehr wohl veränderbar sind und sogar ihre Stärke aktivitätsabhängig anpassen können. Das heißt, auch bei elektrischen Synapsen kann die Stärke der synaptischen Übertragung erhöht oder verringert werden, je nachdem wie stark sie genutzt werden.“ [8]

    Die aktivitätsabhängige Anpassung der Synapse wird als synaptische Plastizität bezeichnet. Mit anderen Worten, das Gehirn ist „plastisch“, also formbar. Das ist eine Bedingung dafür, angemessen auf Änderungen in der Umwelt reagieren zu können.

    Synaptische Plastizität ist die Grundlage von Lernen und Gedächtnis. [9]

    Unser Gehirn ist ständig im Umbau. Neue Erfahrungen und Eindrücke verändern fortwährend seine Architektur – das neuronale Netzwerk.

    Durch neue Erfahrungen und Lernprozesse legt das Gehirn neue Pfade an. Wiederholungen machen Informationen für das Gehirn bedeutsam. Dabei werden Verbindungen stabilisiert und gestärkt, ähnlich einem Trampelpfad, der um so breiter wird, je öfter man ihn läuft. Nutzt man diesen Trampelpfad nicht mehr, schwächt er sich ab. Er wird nicht ganz verschwinden, es wird nur schwerer, ihn zu finden. Dies wird in der Regel als „vergessen“ bezeichnet. Für ein besseres Verständnis schau dir dazu dieses Video: The Neuroscience of Learning an.

    Erfahrungen werden zu Gedächtnisspuren – zu sogenannten Engrammen. Jede Erfahrung bildet dabei ein spezielles Muster aus miteinander verbundenen Nervenzellen.

    Wenn man etwas erlebt, werden unterschiedliche Merkmale wie Geräusche, Bilder, Fakten und Emotionen dieses Ereignisses in verschiedenen Regionen des Gehirns angesprochen. Durch die gemeinsame elektrische Aktivität der Nervenzellen entsteht das Muster im Gehirn – das Engramm. Dieses Muster bzw. diese Gedächtnisspuren liegen über verschiedene Gehirnareale verteilt (Abb.8).

    Abb.8: Sinnbildliche Darstellung einer Gedächtnisspur

    Für eine Erinnerung müssen ausreichend viele der für ein bestimmtes Muster entscheidenden Neuronen aufgerufen werden, damit sich die einzelnen Teile dieses Musters zu einem Ganzen zusammenfügen können.

    Die Gesamtheit aller Engramme ergibt das Gedächtnis. „Diese in «eingeschliffenen Bahnen» gespeicherten Informationen sind später willkürlich oder unwillkürlich (auf auslösende Reize hin) abrufbar und somit die physiologische Grundlage des Gedächtnisses.“ [10]

    Erinnerung ist folglich das Wiederauffinden und erneute Abrufen der mit einer Information assoziierten Gedächtnisspur.

    „Wenn die meisten von uns über unser Gedächtnis sprechen, beziehen wir uns auf unsere Fähigkeit, sich bestimmte vergangene Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen. Aber Erinnerung ist so viel mehr als das und umfasst alle Arten, wie unsere vergangenen Erfahrungen unsere aktuellen Gedanken und Verhaltensweisen beeinflussen.“ [11]

    Kein Gehirn gleicht dem anderen. Engramme sind bei jedem Menschen individuell. Sie machen jeden von uns einzigartig. Die im Laufe eines Lebens gesammelten Erfahrungen formen das neuronale Netz und bilden damit die Grundlage jeder individuellen Wahrnehmung. Und das ist auch die Erklärung, warum jeder Mensch die Welt um ihn herum anders wahrnimmt.

    „Erinnerungen sind aus wundersamem Stoff gemacht – trügerisch und dennoch zwingend, mächtig und schattenhaft. Es ist kein Verlass auf die Erinnerung, und dennoch gibt es keine Wirklichkeit außer der, die wir im Gedächtnis tragen. Jeder Augenblick, den wir durchleben, verdankt dem vorangegangenen seinen Sinn. Gegenwart und Zukunft würden wesenlos, wenn die Spur des Vergangenen aus unserem Bewusstsein gelöscht wäre. Zwischen uns und dem Nichts steht unser Erinnerungsvermögen, ein allerdings etwas problematisches und fragiles Bollwerk.“

    Klaus Mann 1953

    Es bleiben Rätsel

    Obwohl man schon viel über das Gehirn und seine Funktionsweise herausgefunden hat, bleiben dennoch viele Rätsel unbeantwortet.

    WIE und WO entsteht Bewusstsein?
    Wie funktioniert Denken und Fühlen?
    Wie treffen wir Entscheidungen?
    Wie arbeitet das Gedächtnis genau?
    Was passiert zum Beispiel im Gehirn, wenn man ein Gesicht erkennt?

    Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass die Neurowissenschaft bis jetzt nur oberflächlich versteht, was unser Gehirn leistet. Nachfolgend einige Beispiele der neuesten Forschungsergebnisse.

    Verborgene Schicht eines neuronalen Kommunikationsnetzwerks entdeckt, das durch Dendriten gesteuert wird

    „Wissenschaftler der University of California haben eine verborgene Schicht eines neuronalen Kommunikationsnetzwerks entdeckt, das durch Dendriten gesteuert wird. Diese Entdeckung kann die Grundlagen der bisherigen Neurowissenschaften verändern. Bis vor wenigen Monaten ging man davon aus, dass Dendriten ein «passives Kabelnetzwerk» bilden. Das heißt, Forscher glaubten, dass sie nur elektrische Signale an den Zellkörper, auch Soma genannt, weiterleiten. Die neue Forschung hat jedoch gezeigt, dass diese Zellfortsätze weit mehr sind als nur passive Leiter. Sie erzeugen elektrische Signale, die fünfmal größer und häufiger sind als bei Neuronen.

    Forscher entdeckten auch, dass Dendriten sich intelligent verhalten. Mit anderen Worten, Dendriten können ihre elektrischen Signale im Laufe der Zeit anpassen. Diese Entdeckung legt den Schluss nahe, dass Dendriten von selbst lernen können. Diese eine Eigenständigkeit hatten Forscher nicht vermutet.[12]

    „Es ist, als würde man plötzlich feststellen, dass Kabel, die zur CPU unseres Computers führen, auch Informationen verarbeiten können – völlig bizarr und etwas umstritten.“ Dr. Mayank R. Mehta [12]

    Neuronen reagieren völlig unterschiedlich auf virtuelle und reale Umgebungen

    Forscher unter der Leitung von Mayank Mehta von der University of California waren auch überrascht, als sie herausfanden, dass Neuronen im Gehirn von Ratten völlig unterschiedlich auf virtuelle und reale Umgebungen reagierten.

    „Der Hippocampus spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung neuer Erinnerungen und der Erstellung mentaler Raumkarten. Wenn eine Person beispielsweise einen Raum erkundet, werden Hippocampus-Neuronen selektiv aktiv und erstellen eine -kognitive Karte- der Umgebung.

    In der virtuellen Welt schienen die Hippocampus-Neuronen der Ratten völlig zufällig zu feuern, als hätten die Neuronen keine Ahnung, wo sich die Ratte befand – obwohl sich die Ratten in der realen und virtuellen Welt völlig normal zu verhalten schienen. Die -Karte- verschwand vollständig.“ [13]

    Vierte Hirnhautschicht entdeckt, die wichtig für den Immunschutz sowie den Flüssigkeitstransport im Gehirn ist

    Wissenschaftler der University of Rochester Medical Centers aus den USA sowie der Universität Kopenhagen in Dänemark haben eine weitere Entdeckung gemacht. Bislang ging die Neurowissenschaft davon aus, dass das menschliche Gehirn von drei Hirnhautschichten umgeben ist. Doch die Wissenschaftler entdeckten eine vierte Hirnhautschicht, die wichtig für den Immunschutz sowie den Flüssigkeitstransport im Gehirn ist: die „subarachnoidale lymphatische Membran“, auch als „SLYM“ bezeichnet. [14]

    SLYM ist eine Art Membran, die sehr dünn und empfindlich ist und nur aus wenigen Zellen besteht. Dennoch ist SLYM eine dichte Barriere, die nur sehr kleine Moleküle durchlässt und außerdem scheinbar saubere, frische Hirnflüssigkeit von alter Hirnflüssigkeit trennt. Diese Beobachtung weist auf die wahrscheinliche Rolle von SLYM hin, toxischen Proteine aus dem Zentralnervensystem auszuspülen, die mit Alzheimer und anderen neurologischen Erkrankungen in Verbindung stehen. [14]

    Abb.9: SLYM, eine neu entdeckte Membran im Gehirn [14]

    „Das SLYM scheint auch wichtig für die Abwehrkräfte des Gehirns zu sein. Das Zentralnervensystem hält seine eigene native Population von Immunzellen aufrecht und die Integrität der Membran verhindert das Eindringen externer Immunzellen. Darüber hinaus scheint die Membran eine eigene Population von Immunzellen des Zentralnervensystems zu beherbergen, die SLYM als Beobachtungspunkt nahe der Oberfläche des Gehirns nutzen, um vorbeiziehenden Liquor auf Anzeichen einer Infektion oder Entzündung zu scannen.“ [14]

    Kleine Veränderung, große Wirkung – Fehlfunktionen im Gehirn

    Damit Informationen im Gehirn korrekt verarbeitet werden, stehen die Nervenzellen im ständigen Austausch miteinander. „Ist die Balance zwischen erregenden und hemmenden Synapsen jedoch gestört, kann das pathologische Folgen haben“. [15]

    „Fehlfunktionen von Gehirn und Nervensystem können durch eine ganze Reihe von Faktoren verursacht werden. Durch äußere Einwirkung, Vererbung oder einer Kombination von beidem kann das komplexe Geflecht geschädigt werden und zu neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen führen. Allerdings sind die genauen Ursachen und Zusammenhänge bei vielen Krankheiten bislang noch unbekannt.

    Gehirn und Nervensystem arbeiten mit großer Präzision. Voraussetzung dafür ist, dass die komplexe Struktur von Gehirn und Nervensystem intakt ist und die Stoffwechselprozesse störungsfrei ablaufen. Mögliche Unregelmäßigkeiten und Beeinträchtigungen in diesem komplizierten System können zwar bis zu einem gewissen Grad ausgeglichen werden. Doch das hat seine Grenzen.

    Wird die Hirnstruktur geschädigt oder treten schwere Störungen der elektrischen und biochemischen Vorgänge auf, führt dies häufig zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen. Welche Fehlfunktionen auftreten, hängt dabei von Ort und Art der Schädigung ab. Ist beispielsweise das Hörzentrum der Großhirnrinde betroffen, ist die Hörfähigkeit beeinträchtigt. Solche einfachen Zuordnungen von Schädigung und Fehlfunktion sind aber nicht immer möglich, weil viele Nervenzellstrukturen an einer ganzen Reihe von Funktionen beteiligt sind.“ [16]

    Die Gehirn-Computer-Schnittstelle

    Eine Gehirn-Computer-Schnittstelle, auch Brain-Computer-Interface (BCI), ist eine direkte Verbindung zwischen dem menschlichen Gehirn und einer Maschine. Menschen sollen in der Lage sein, Geräte direkt über ihre Gedanken zu steuern. Durch die spezielle Mensch-Maschine-Schnittstelle wird ohne Aktivierung des peripheren Nervensystems, also ohne Nutzung der Extremitäten, eine Verbindung zwischen dem Gehirn und einem Computer ermöglicht. Zum peripheren Nervensystem gehören die Nerven; die Kopf, Gesicht, Augen, Nase, Ohren und Muskeln mit dem Gehirn verbinden.

    Für die Umsetzung werden Elektroden benötigt, die die Gehirnaktivität messen. Dabei unterscheidet man zwei BCI-Arten, die invasive BCI und nichtinvase BCI. Bei der nichtinvasiven (äußeren) Anwendung, wird eine Art Badekappe mit eingenähten Elektroden auf den Kopf gesetzt. Bei der invasiven (eindringenden, gewebsverletzenden) Anwendung implantiert man einen Chip auf die Gehirnrinde. Das Brain-Computer-Interface übersetzt dann die neuronale Aktivität (z.B. das EEG) des Gehirns in Signale, die an einen Computer weitergeleitet werden, der sie in konkrete Befehle umwandelt.

    Abb.10: Invasive Anwendung: ein hochleistungsfähiges intrakortikales Sprach-BCI

    Da die derzeitigen BCI-Ausführungen mit vielen Kabeln am Kopf nicht besonders alltagstauglich sind und eine verringerte Benutzerakzeptanz aufweisen, versuchen Neurowissenschaftler drahtlose BCI-Anwendungen zu entwickeln.

    Neuralink ist ein Beispiel dafür. Das Video zeigt, wie der Affe Pager nur mittels seiner Gehirnaktivität „MindPong“ spielt.

    Um Pong zu spielen, müssen nicht so viele Elektroden implantiert werden. Aber wenn man ein System haben möchte, das über viele Jahre hinweg stabil ist und komplexe Bewegungen steuern kann, z.B. bei einer Handprothese, benötigt man einen höheren Satz an Signalen, die möglicherweise aus mehreren Regionen des Gehirns aufgezeichnet werden. Und die derzeit verfügbaren Geräte (Stand 15.02.2022) unterstützen nur sehr wenige Aufzeichnungskanäle und oft mit sehr begrenzten Bandbreiten. Bei der drahtlosen Technologie reicht die Ausstattung der Geräte auch nicht aus, um große Mengen neuronaler Rohdaten vom Gerät an andere Systeme zu übertragen. [17]

    Die Firma B-CRATOS arbeitet an der Entwicklung einer Plattform zur drahtlosen Weiterleitung von Signalen mit hoher Bandbreite durch den Körper, um elektronische Geräte wie Prothesen und medizinische Implantate zu verbinden und zu steuern.

    Abb.11: Invasive Anwendung: B-CRATOS in-body network

    Welche Unterschiede gibt es zwischen invasiven und nicht invasiven Anwendungen?

    Dr. Heuer: „Invasive Brain Computer Interfaces ermöglichen eine genauere und klarere Signalerfassung und eine höhere Auflösung der Aktivitätsmuster. Aufgrund von Abstoßungsreaktionen des Körpers (z.B. Narbenbildung) müssen die Implantate aber nach einer bestimmten Zeit (u.U. mehreren Monaten) entfernt werden bzw. verlieren ihre Funktionsfähigkeit. Nicht-invasive BCI sind anfälliger gegenüber externen Störquellen und liefern eine geringere Auflösung. Dafür sind sie «harmloser»“. [18]

    Wo liegen die Vor- und Nachteile des Brain Computer Interface?

    Dr. Heuer: „Einfache Antwort: Momentan bieten BCI gesunden Menschen keinerlei Vorteile. Klassische Eingabegeräte (Lenkrad, Pedal, Maus, Tastatur, Touchscreens; auch Sprachsteuerung) sind BCI deutlich überlegen. Für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen, die weder die klassischen Eingabegeräte noch speziellere Schnittstellen (Eye-Tracker, Kopf-Maus, Zungen-Joystick) nutzen können, können BCI aber schon heute ein «Game Changer» sein.“ [18]

    Ist man vor einer Fremdsteuerung und Hackerangriffen geschützt, falls man die invasive Methode benutzt?

    Dr. Heuer: „Hier ist es wiederum notwendig, … zwischen uni- und bidirektionalen BCI zu unterscheiden. Die Antwort ist spekulativ, aber die Gefahr einer Fremdsteuerung würde ich als gering einschätzen. Dennoch kann man sich, insbesondere bei implantierten BCI, bösartige Angriffe vorstellen (sei es nur eine elektrische Überladung o.ä., die zu geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen führt).“ [18]

    Dr. Heuer: „Bidirektionale BCI-Systeme, die sowohl Informationen auslesen als auch Signale ins Gehirn einspeisen können, könnten in ferner Zukunft eine maschinenvermittelte Hirn-zu-Hirn-Kommunikation ermöglichen und einen Grad organischtechnischer Interaktion erschließen, der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen lässt.“ [19]

    Wo liegen die Gefahren des Brain Computer Interface?

    Dr. Heuer: „Invasive BCI: Operationen am offenen Gehirn bergen offensichtlich immer Gefahren.“ [18]

    Um das Gehirn freizulegen, wird die Haut durchtrennt, bis zum Schädel vorgedrungen und ein Loch in den Schädel gebohrt. Die schützenden Gewebeschichten, die das Gehirn umgeben, müssen durchtrennt werden. Dann gelangt man an das Gehirn, wo die Elektroden implantiert werden. Die größten Risiken bei dieser Operation sind Infektionen, Blutungen und Gewebeschäden.

    Um es nochmal klar zu sagen, für Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen, sind BCI-Anwendungen im Bereich der Rehabilitation und medizinischen Versorgung, zur Wiederherstellung sozialer Interaktion oder Bewegungsfähigkeit trotz aller damit verbundenen Risiken durchaus sinnvoll.

    Das war auch der ursprüngliche Fokus der Forschung in diesem Bereich. In den letzten Jahren werden jedoch zunehmend auch weitere Einsatzmöglichkeiten in Betracht gezogen, die nicht nur medizinische Gründe haben, wie der folgende Werbefilm zeigt.

    HUMAN BRAIN PROJECT (HBP)

    „Das Human Brain Project ist eines der größten Forschungsprojekte in Europa. Als europäisches Flaggschiff-Projekt für künftige und neu entstehende Technologien (Future and Emerging Technologies (FET) Flagship) ist das HBP eine langfristige und groß angelegte Forschungsinitiative, die wegweisende Pionierarbeit für die Digitalisierung der Hirnforschung leistet.“ [20]

    In dem Dokument „Spotlights on latest scientific advances“ auf Seite 4 (Abb.12) vom Human Brain Project sind einige Forschungsschwerpunkte näher beschrieben.

    Abb.12: Die neuesten wissenschaftlichen Fortschritte des Human Brain Projects

    So zum Beispiel p.13: Bau von Robotern mit hirninspirierter Bewegung und Wahrnehmung oder p.15: Das Gehirn imitieren, um KI energieeffizienter zu machen.

    Dazu lässt sich zusammenfassend sagen, man versucht Gehirnfunktionen von Lebewesen (hier Maus) zu verstehen, zu erfassen und auf ein computermodelliertes Gehirn möglichst genau zu exportieren. Das heißt, „die Maus wird repliziert“.

    Und man denkt auch weiter. So kann man sich über ein Brain-Computer-Interface auch eine Rückkopplung auf das biologische Gehirn vorstellen. Das Ziel ist es, das Gehirn mit dem Computer und Netzwerken zu verheiraten (Abb.13).

    Abb.13: Konzept eines Brain-Computer-Interface (BCI) Netzwerkes

    Auch die Ziele von B-CRATOS, einem Projekt zur Neuerfindung der Konnektivität von Gehirn, Maschine und Körper, geben Hinweise, in welche Richtung es geht. „Die von B-CRATOS entwickelte Technologie wird tiefgreifende Auswirkungen auf mehrere Bereiche haben. In der Neuroprothetik umgeht es beschädigte Schaltkreise, um fehlende biologische Funktionen wiederherzustellen. Es wird sich auch auf Elektrozeutika (Modulation der Organfunktion durch neuronale Schaltkreise anstelle von Pharmazeutika), Gehirn-Computer-Schnittstellen (Gehirnplastizität durch maschinelles Lernen), Spiele (Immersion) und virtuelle Realität auswirken.“

    Abb.13: Mögliche Märkte für die B-CRATOS-Technologie [Quelle]

    Neben medizinischen Anwendungen avisiert man auch den BCI-Einsatz bei „Robotik und Automatisierung, Virtual Reality und E-Learning, Gaming und Infotainment“.

    Unter den Partnern des B-CRATOS Projekts findet sich die Firma Blackrock Microsystems Europe GmbH. Diese Firma bekommt finanzstarke Unterstützung von zwei Startup-Milliardären: Biotech-Investor Christian Angermayer und Paypal-Gründer Peter Thiel.

    Investor Christian Angermayer glaubt: „In der Zukunft könnten BCIs so gewöhnlich werden wie Herzschrittmacher heute.“ Für Angermayer ist die medizinische Anwendung nur der Beginn. Er hofft, dass die Technologie noch ein viel breiteres Anwendungsfeld finden wird: „Menschen werden miteinander kommunizieren, arbeiten und sogar künstlerisch tätig sein können, direkt gesteuert durch ihren Geist.“ [Quelle]

    Und auch bei der Firma Neuralink denkt man schon weiter: „Der Link ist ein Ausgangspunkt für eine neue Art von Gehirn-Computer-Schnittstelle. Mit der Weiterentwicklung unserer Technologie wollen wir die Kommunikationskanäle mit dem Gehirn erweitern und auf mehr Hirnareale und neue Arten von neuronalen Informationen zugreifen können. Wir glauben, dass diese Technologie das Potenzial hat, ein breites Spektrum an neurologischen Störungen zu behandeln, sensorische und motorische Funktionen wiederherzustellen und schließlich die Art und Weise zu erweitern, wie wir miteinander interagieren und die Welt um uns herum erleben.“ (Stand vom Mai 2023)

    Braucht die Menschheit Denkprothesen?

    In dem Artikel „Who Wants a Brain Machine Interface?“ (deutsche Fassung: Wer will eine Gehirn-Maschine-Schnittstelle?) setzt sich V.N. Alexander mit dem Tech-Hype und der Ethik des Gedankenlesens auseinander. Der Artikel ist wirklich lesenswert und in sich rund, daher möchte ich hier nur den Anfang zitieren.

    ZITAT von V.N. Alexander, PhD, Dozentin am IPAK-EDU:
    Ich wollte noch nie in der Lage sein, eines meiner Geräte mit meinen Gedanken zu steuern. Ich bin vollkommen zufrieden mit einer physischen Schnittstelle, die ich abschalten, loslassen oder verlassen kann. Was ist mit Ihnen? Hält Sie Ihre Tastatur zurück? Bremst Ihre Maus Sie aus? Möchten Sie einen Beitrag einfach nur denken, ohne ihn mit dem Daumen eingeben zu müssen? Warum wird uns die Cyborg-Technologie so sehr aufgezwungen?“
    „Hat jemand darum gebeten? Braucht sie jemand?“

    In letzter Zeit wird uns ständig erzählt, der Mensch müsse mit den Maschinen fusionieren, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Oder wie es Elon Musk in einem Interview formulierte, dass wir Gehirncomputer brauchen, um nicht zu „Haustieren“ für die künstliche Intelligenz zu werden. 

    Es wird behauptet, die Menschheit muss sich an diese neuen Technologien anpassen, die das Menschsein verändern.

    Aber WARUM? Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Diskussion, die keine Diskussion ist.

    Ich lese Fragen zum Thema wie:

    • Was Gehirn-Computer-Schnittstellen für die Zukunft bedeuten könnten?
    • Könnten Gehirn-Computer-Schnittstellen zu Gedankenkontrolle führen?
    • Welche Sicherheitsanforderungen müssen BCI-Anwendungen erfüllen?
    • Zu welchen Zwecken und unter welchen Bedingungen dürfen Informationen über das Gehirn gesammelt und verwendet werden?
    • Welche Bestandteile von Hirndaten dürfen rechtmäßig weitergegeben und anderen zugänglich gemacht werden?
    • Wer ist berechtigt, auf diese Daten zuzugreifen?
    • Wo sollten die Grenzen der Einwilligung in diesem Bereich liegen?

    Aber ich finde nirgendwo die Frage: Brauchen gesunde Menschen die BCI-Technologie wirklich?

    Warum gibt es nur diese eine Entwicklungsperspektive für Homo sapiens? Warum müssen wir alle in ein elektronisches Netzwerk integrieren?

    Wir sind doch bereits alle in einem Netzwerk, in einem biologischen Netzwerk. Ich bin der Meinung, wenn die Natur gewollt hätte, dass wir miteinander direkt verbunden sind, dann hätte sie uns so gemacht. Nirgendwo in der Natur sehen wir solche direkten Verbindungen. Selbst Ameisenkolonien und Bienenvölker sind Ansammlungen eigenständiger Lebewesen, die sich über akustische und chemische Signale austauschen. Offensichtlich hat sich die Natur etwas dabei gedacht.

    Jeder Mensch denkt anders. Und genau das macht den Organismus Menschheit auch aus. Wir sind schon vernetzt und kommunizieren intensiv miteinander. Warum sollten wir uns Denkprothesen implantieren, die uns schrittweise entmenschlichen. Wer will das? Wem nützt das? Der Mensch ist ein Bestandteil der Natur. Sollte sich der Mensch über die Natur erheben? Hat das schon jemals irgendwann funktioniert?

    Ich bin nicht technologieunfreundlich. Ganz im Gegenteil. Und in meinen Überlegungen geht es nicht um ein Misstrauen gegenüber der Wissenschaft. Eher um ein Misstrauen gegenüber bestehenden Machtstrukturen, die bereits heute das gesellschaftlich-politische Leben prägen, wie die Geschehnisse der letzten drei Jahre zeigen. In wessen Hände geraten die Ergebnisse von diesen Forschungen und wie kommen sie dann zum Einsatz?

    Wenn ich keinen mentalen Rückzugsort mehr habe und wenn ich nicht mehr Herr (oder Frau) meiner Gedanken bin… WER bin ich dann? WAS bin ich dann? Gibt es dann noch ein ICH? Mit all dem Wissen über unser Gehirn, dem derzeitigen Stand der BCI-Technologie und dem Wissen, was man in der Zukunft mit BCIs gedenkt zu tun, kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er ein Brain-Computer-Interface haben möchte oder nicht. Zumindest solange es NOCH eine freie Entscheidung bleiben darf.

    Epilog

    Am 16.02.2022 berichtete die PC-WELT: „16 der 23 Affen seien an Tests mit Elon Musks Neuralink-Implantaten gestorben.“


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

    [1] Gesundheitswissen, “Gehirn: Aufbau, Training und Erkrankungen“, 22.02.2023, https://www.gesundheitswissen.de/gesund-leben/gesundheitsprobleme/gesundes-nervensystem/gehirn/

    [2] dasgehirn.info, Der Kosmos im Gehirn, “Das Kleinhirn“, Hanna Drimalla, 26.07.2011, https://www.dasgehirn.info/grundlagen/anatomie/das-kleinhirn

    [3] studyflix, “Gliazellen“, Hanna Drimalla, Stand vom 06.05.2023, https://studyflix.de/biologie/gliazellen-2967

    [4] Spektrum.de, “Gliazellen“, Copyright 2000, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/gliazellen/4781

    [5] http://www.dasGehirn.info, Der Kosmos im Kopf, “GUT VERNETZT“, Janosch Deeg, 30.04.2020, https://www.dasgehirn.info/grundlagen/struktur-und-funktion/gut-vernetzt

    [6] [werner.stangl]s arbeitsblätter (Stangl, 2023), “Neuronen – Nervenzellen“, W. Stangl, 12.05.2023, https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/Gehirn-Neuronen.shtml

    [7] Spectrum.de, “Modularität“, Copyright 2000, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/modularitaet/7824

    [8] Spectrum.de, “Die unterschätzte Synapse“, von klartext, 02.09.2021, https://scilogs.spektrum.de/klartext/die-unterschaetzte-synapse/

    [9] MAX-PLANCK-Gesellschaft, “Das Gehirn“, Stand vom 06.05.2023, https://www.mpg.de/gehirn

    [10] Spectrum.de, “Engramm“, Copyright 1999, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/engramm/21404

    [11] BOSTON COLLEGE, “Die Wissenschaft hinter dem Gedächtnis“, Elizabeth A. Kensinger, März 2023, https://www.bc.edu/content/bc-web/bcnews/science-tech-and-health/psychology/the-science-behind-memory.html

    [12] Gedankenwelt, “Dendriten: Der Beginn einer neurowissenschaftlichen Revolution?“, Sonia Budner, 28.01.2023, https://gedankenwelt.de/dendriten-der-beginn-einer-neurowissenschaftlichen-revolution/

    [13] UCLA, University of California, ”Brain’s reaction to virtual reality should prompt further study, suggests new research by UCLA neuroscientists, Stuart Wolpert, 24.11.2014, https://newsroom.ucla.edu/releases/brains-reaction-to-virtual-reality-should-prompt-further-study-suggests-new-research-by-ucla-neuroscientists

    [14] University of Rochester Medical Center, ”Neu entdeckte Anatomie schützt und überwacht das Gehirn“, Mark Michaud, 05.01.2023, https://www.urmc.rochester.edu/news/story/newly-discovered-anatomy-shields-and-monitors-brain

    [15] medinlive, medizinische information live, “Nervenzellen völlig falsch verbunden“, 25.4.2019, https://medinlive.at/wissenschaft/nervenzellen-voellig-falsch-verbunden

    [16] Neurologen und Psychiater im Netz, “Fehlfunktionen und Schäden von Gehirn und Nervensystem“, Prof. Dr. med. Andreas Meyer-Lindenberg, Prof. Dr. Gregor Hasler, Stand vom 06.05.2023, https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/gehirn-nervensystem/fehlfunktionen/schaeden/

    [17] B-CRATOS, “Next Generation BCI Needs and Potential” by Dr Paul Wanda – Blackrock Microsystems Europe, https://www.youtube.com/watch?v=6iZZ3gPksTw&t=1100s

    [18] FUTURE COMMUNICATION, “Brain Computer Interface: Der Informationsaustausch von Gehirn und Maschine“, Tatjana Ladwig, 09.12.2021, https://futurecommunication.de/brain-computer-interface-der-informationsaustausch-von-gehirn-und-maschine/

    [19] Frauenhofer INT, “Brain-Computer-Interfaces”, Dr. Carsten M. Heuer, Dezember 2015, https://www.int.fraunhofer.de/content/dam/int/de/documents/EST/EST-1215-Brain-Computer-Interfaces.pdf

    [20] JÜLICH Forschungszentrum, “HUMAN BRAIN PROJECT (HBP)“, https://www.fz-juelich.de/de/inm/inm-7/kooperationen/human-brain-project-hbp

  • Experiment „Universum 25“ und der Weg in eine technokratische Zukunft

    Experiment „Universum 25“ und der Weg in eine technokratische Zukunft

    In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die Weichen für die gegenwärtige gesellschaftspolitische und technokratische Entwicklung gestellt. Dabei spielt das Experiment „Universum 25“ eine interessante Rolle. Kennst du dieses Experiment? Und weißt du, wie es mit der Entwicklung von KI und dem Transhumanismus verbunden ist? In diesem Artikel befassen wir uns mit den Schlussfolgerungen dieses Experiments und den Schatten, den sie auf die heutigen Entwicklungen werfen.

    Das Experiment „Universum 25“ ist eine Simulation einer globalen Überbevölkerung. Damit reiht es sich zu den anderen Simulationen aus der Gegenwart ein wie Event 201 und SPARS für eine globale Pandemie und Food Chain Reaction für eine globale Nahrungsmittelverknappung. Das Ziel solcher Events ist die Vorbereitung der Bevölkerung auf bestimmte Ereignisse.

    Über das Experiment „Universum 25“ wurde schon ausführlich in der Presse berichtet, zum Beispiel hier. Nichtsdestotrotz werde ich in den ersten zwei Kapiteln die wesentlichen Details zum Experiment zusammenfassen. Diese sind die Grundlage für ein besseres Verständnis der Schlussfolgerungen aus diesem Laborversuch.

    1. Einleitung
    2. Das Experiment „Universum 25“
    3. Kritische Auseinandersetzung mit dem Experiment
    4. Weitere Hintergründe zum Experiment
    5. Calhouns Visionen für die Menschheit
    6. Zeitskala und Parallelen zur Gegenwart

    1. Einleitung

    Die Sorge um die menschliche Überbevölkerung ist ein uraltes Thema.

    Der Kirchen-Autor Tertullian lebte im zweiten Jahrhundert n. Chr. in der Stadt Karthago, als die Weltbevölkerung 190 Millionen betrug. Er sagte: „… überall sind Wohnungen, überall Bevölkerungen, überall Staaten, überall Leben. Wir sind der Erde eine Last, kaum reichen die Elemente für uns aus, die Bedürfnisse werden knapper und überall gibts Klagen, da uns die Natur bereits nicht mehr erhalten will. Seuchen, Hunger, Kriege, Untergang von Städten sind schier für Heilmittel zu halten, für eine Art Beschneidung des überwuchernden menschlichen Geschlechtes.“ [DE ANIMA, Cap.30]

    1804 erreichte die Bevölkerungszahl 1 Milliarde und während des 19. Jahrhunderts äußerte der Pfarrer und Ökonom Thomas Robert Malthus seine Befürchtungen, dass die Macht der Bevölkerung auf unbestimmte Zeit größer ist als die Macht der Erde. Er postulierte, die Produktion von Nahrungsmitteln nehme nur linear zu, während die Anzahl der Menschen exponentiell wachse. „Ein Mensch, der in einer schon okkupierten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgendeinen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gastmahle der Natur ist durchaus kein Gedecke für ihn gelegt. Die Natur gebietet ihm abzutreten, und sie säumt nicht, selbst diesen Befehl zur Ausführung zu bringen.“

    Das Bevölkerungswachstum beschleunigte sich im 20. Jahrhundert und verdoppelte sich 1927 auf 2 Milliarden und 1959 auf 3 Milliarden. Und das 20. Jahrhundert versprach, dass sich dieses Wachstum noch weiter beschleunigen würde. Derzeit ist die Weltbevölkerung bei 8 Milliarden angekommen.

    „Tragfähigkeit“ nennen Ökologen die maximale Anzahl von Organismen einer Art (Populationsgröße), die ein Lebensraum ernähren kann. Die logische Schlussfolgerung der Wachstumskritik ist: „Unendliches Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht möglich.“

    Es bleibt die Frage, wie viele Menschen kann die Erde tragen?

    Um die Frage zu klären, welchen Einfluss der zur Verfügung stehende Raum auf eine wachsende Population hat, startete die John-Hopkins-University 1947 mit einem Nagetierökologie-Experiment. John B. Calhoun nahm als Forschungsassistent an diesem Versuch teil.

    1954 wurde Calhoun von dem National Institute of Mental Health (NIMH) eingestellt, das großes Interesse an diesen Forschungen zeigte. Das NIMH ist dem National Institutes of Health (NIH) untergeordnet. Das NIH wiederum gehört zum US-Gesundheitsministerium und ist die wichtigste Behörde für biomedizinische Forschung der USA.

    Als Angestellter des Psychologischen Labors des NIMH wiederholte Calhoun das Experiment in speziell konstruierten „Nagetier-Universen“. Mit seinem letzten Experiment dieser Reihe, dem Experiment „Universum 25“, wurde Calhoun berühmt. Seine Forschung hatte zum Ziel, Zukunftsprognosen für die menschliche Gesellschaft zu treffen.

    2. Das Experiment „Universum 25“

    Was würde geschehen, wenn man für Mäuse ein «Mäuseparadies» erschafft, in dem sie alles haben, was sie brauchen, außer Platz?

    Das Mäuse-Universum dieses Experiments war ein begrenzter physikalischer Raum, der aus 16 gleich aufgebauten Zellen bestand (siehe Abb.1) – einem 16-Zellen-Universum. Jede Zelle bot laut Calhoun die Möglichkeit, viele der Verhaltensweisen auszuleben, die für die Tierart charakteristisch sind.

    Abb.1: Calhoun in seinem 16-Zellen -Universum [Quelle]

    Anmerkung: Auf dem Foto sieht man Calhoun und ca. 200 Mäuse, wenn man auch die verdeckte Seite mit einrechnet.

    Außer Platz war alles andere im „Mäuseparadies“ vorhanden.

    • Genügend Ressourcen – für die Mäuse hieß das, genügend Nahrung und Wasser. Für den Nestbau stand immer ausreichend Baumaterial zur Verfügung.
    • Perfektes Wetter – für Mäuse herrschte die perfekte Temperatur von 21 – 32 Grad.
    • Keine Krankheiten – Tierärzte kümmerten sich um die Gesundheit der Bewohner. Etwa alle vier bis acht Wochen wurde das Paradies gereinigt.
    • Keine Fressfeinde.

    Alle sterblichkeitsfördernden Parameter wurden beseitigt. Man hatte den „perfekten“ Ort geschaffen auf einem begrenzten Raum = einem 6,6 Kubikmeter großen Würfel, ca. einen halben Meter hoch. Und es gab 256 Nistfächer in vier Etagen. Die Beobachtungen des Experiments wurden in 4 Phasen unterteilt.

    Phase A „Einzug“

    8 Hausmäuse (4 Männer und 4 Frauen, 48 Tage alt) wurden am 9. Juli 1968 in das 16-Zellen-Universum eingeführt. Die vier Mäusepaare erkundeten ihre neue Heimat mit den Unterkünften, Nestern, Leitern, Gängen, Futterstellen, Wasserstellen, Nistmaterialen und richteten sich ein.

    Phase B „Wachstum“

    Die ersten Jungtiere wurden geboren. Die Population wuchs nun exponentiell. Die Zahl der Mäuse verdoppelte sich alle 55 Tage. Alles lief prima. Die Mäuse entwickelten sich prächtig, waren gut drauf und gesund. Laut Calhoun bestand eine soziale Grundeinheit aus einem territorialen Männchen, drei konkurrierenden, aber untergeordneten Männchen und sechs sich effektiv fortpflanzenden Weibchen. Am Ende von Phase B waren alle Zellen mit solchen sozialen Grundeinheiten gefüllt.

    Phase C „Gebremstes Wachstum“

    Am Tag 315 waren es nun 620 Mäuse. Die Population verdoppelte sich jetzt nur noch alle 145 Tage. Calhoun erklärte den Geburtenrückgang wie folgt. Normalerweise wandert der Überschuss ab, der keine sozialen Nischen mehr findet. In seinem experimentellen Universum gab es jedoch keine Gelegenheit zur Auswanderung. Als die ungewöhnlich vielen Jungen das Erwachsenenalter erreichten, mussten sie bleiben, und sie kämpften um Rollen in dem gefüllten sozialen System. Männchen, die versagten, zogen sich physisch und psychisch zurück; sie wurden sehr inaktiv.

    Infolge der extremen Anforderungen, die an territoriale Männchen gestellt wurden, um heranwachsende Artgenossen abzuweisen, nahm ihre Fähigkeit ab, ihr Territorium weiterhin zu verteidigen. Die Verringerung der männlichen Territorien stresste die Weibchen. Sie reagierten vermehrt aggressiv, auch auf die eigenen Jungen, die angegriffen und verletzt wurden und mehrere Tage vor der normalen Entwöhnung ihr Zuhause verlassen mussten. Ebenso ging die Empfängnisrate zurück, und die Resorption (Auflösung) der Föten nahm zu.

    Das soziale Verhalten der Mäuse änderte sich drastisch. So bildeten sich verschiedene Gruppen von Außenseitern. Einige von ihnen verbrachten den größten Teil ihres Lebens als Einzelgänger. Die meisten der zurückgezogenen Männchen versammelten sich jedoch in großen Ansammlungen.

    Sie zeichneten sich durch massenhaft frische Wunden aus. Nur in wenigen Fällen wurden ihnen diese Wunden von territorialen Männchen zugefügt. Von Zeit zu Zeit brach jedes zurückgezogene Männchen in einen kurzen Gewaltausbruch aus, bei dem es eines der mit ihm verbundenen zurückgezogenen Männchen angriff. Das angegriffene Männchen flüchtete selten, sondern kauerte sich hin und ließ sich beißen.

    Weibliche Gegenstücke dieser zurückgezogenen Männchen neigten dazu, sich in höher gelegene Nistkästen zurückzuziehen, die von Weibchen mit Würfen weniger bevorzugt wurden.

    Auch das Sexualverhalten wies nun ein breites Spektrum auf. Dazu gehörte bei den Männchen, dass sie Weibchen um ein Vielfaches der normalen Dauer bestiegen, und dies oft ohne Penetration. Sie bestiegen auch andere erwachsene Männchen als auch nicht empfängliche Weibchen, und in extremen Fällen sogar unreife Individuen beider Geschlechter. Einige der Weibchen zeigten ein männliches Sexualverhalten. Sie bestiegen sowohl erwachsene Männchen als auch andere erwachsene Weibchen.

    Den Zusammenbruch des sozialen Verhaltens, der aus der Überfüllung resultierte, nannte Calhoun „Verhaltenssenke“.

    Obwohl die Sterblichkeitsrate der Nachkommen anstieg und die Geburtenrate stark zurückging, wuchs die Population bis zum Tag 560 noch auf 2200 Tiere an (siehe Abb.2).

    Abb.2: Entwicklung der Mäusepopulation in einem geschlossenen Raum. [Quelle]

    Phase D „Todesphase

    Die Anzahl der sich nicht fortpflanzenden Weibchen stieg weiter an. Die männlichen Gegenstücke dazu waren die sogenannten „Schönen“. Ihr Verhaltensrepertoire beschränkte sich im Wesentlichen auf Essen, Trinken, Schlafen und Körperpflege. Sie haben sich den Weibchen nie sexuell genähert und nie gekämpft, so dass sie keine Wunden oder Narben hatten. So blieb ihr Fell in einem ausgezeichneten Zustand, daher bezeichnete Calhoun sie als die „Beautiful Ones“.

    „In der Mitte von Phase D gab es praktisch keine territorialen Männchen, keine streitenden Männchen und keine sich fortpflanzenden Weibchen mehr, die in der Lage waren, sich um Junge zu kümmern. Die genetischen und erlernten Anlagen eines effektiven Erwachsenenverhaltens waren bei allen «weggewaschen» worden“, so Calhoun.

    Obwohl es genug Nahrung gab, kam es auch zu Kannibalismus. Die Population normalisierte sich nicht wieder, sondern starb vollständig aus. Am Tag 1780 starb das letzte überlebende Männchen.

    3. Kritische Auseinandersetzung mit dem Experiment

    Ich wollte mir einfach mal ein Bild vom Mäuseparadies machen und zwar genau an dem Tag, an dem die Stimmung im Paradies kippt und es für die Mäuse zur Hölle wird: also zu Beginn von Phase C am Tag 315 mit 620 erwachsenen Mäusen. Daher habe ich mir einfach mal ein Bild gemacht (siehe Abb.3).

    Abb.3: Maßstabsgerechte Abbildung des Universum 25 am Tag 315 mit 620 Mäusen

    Das Bild ist eine maßstabsgerechte Abbildung nach den vorliegenden Daten zum Experiment 25.

    Das Mäuse-Universum hat 101 Zoll im Quadrat.
    101 Zoll = 256,54 cm
    256,54 cm x 256,54 cm = 65.812,8 cm2 = ca. 6,6 m2

    Hausmäuse haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 7-11 cm und eine Schwanzlänge von 7-10 cm.

    In meiner Abbildung habe ich eine Körperlänge von 10 cm, eine Schwanzlänge von 5 cm und eine Körperbreite von 3 cm angenommen. Wenn man dann die 620 Mäuse gleichmäßig auf den zur Verfügung stehenden Raum verteilt, versteht man das Dilemma. Auch wenn wir uns einige der (im Bild am Boden dargestellten) Mäuse in Gängen, an Futterstellen oder in weiteren Nistplätzen vorstellen.

    Eine bildliche Darstellung des Käfigs mit 2200 Mäusen am Tag 560 habe ich mir gespart. Ich denke, dass kann sich jetzt jeder ungefähr selbst vorstellen.

    Dass es dann bei so einem starken Gedränge in einem fantasielosen monotonen Kasten ohne Möglichkeit zur Flucht zu Verhaltensänderungen kommt, hätte man sich eigentlich auch schon im Vorfeld denken können. Für diese Erkenntnis muss man nicht jahrzehntelang Mäusepopulationen quälen. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.

    Obwohl diese Art von Umgebung absichtlich so gestaltet wurde, dass sie die Entwicklung der Verhaltenssenke ermöglicht, zeigt uns gerade die Bestätigung ihrer erwarteten Entwicklung, wie man eine Umgebung nicht gestalten sollte. Sie weist auf die nachteiligen Folgen einer statischen Umgebung hin, insbesondere wenn die Anzahl und der Ort der Reaktionsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind.“
    Calhoun

    Das heißt also, dass man schon vor Beginn des Experiments wusste, wie es ausgehen wird. Daher hat man zum 25. Mal dasselbe Ergebnis provoziert. AHA. Das ist „SCIENCE“ meine Damen und Herren!!!

    In Bezug auf die Verhaltensänderungen der Mäuse sagt Calhoun auch noch folgendes: „Dr. Julius Axelrod hat das Enzym, das Noradrenalin in Adrenalin umwandelt, in dieser und anderen Mäusekategorien der Phase D untersucht. Im Gegensatz zu den Mäusen, die sich gewehrt haben, zurückgewiesen wurden und sich zurückgezogen haben, zeigen diese Schönen keine Anzeichen dafür, dass sie jemals gestresst waren. Wir können nur vermuten, dass die erhöhte Aggressivität erwachsener Weibchen während ihrer frühen Entwicklung in Verbindung mit dem häufigen Kontakt mit anderen Mäusen die Entfaltung dieses Verhaltens, dessen Ausprägung durch die genetische Vorlage gesteuert wird, blockiert hat. Diese sehr frühe Blockierung von sexuellem und aggressivem Verhalten schließt die Möglichkeit aus, die Ausprägung dieses Verhaltens durch Lernen zu entwickeln.

    Calhoun geht in seinen Ausführungen nicht darauf ein, was die Untersuchungen der Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin ergeben haben. Wenn ein Körper Stress wahrnimmt, steigt die Freisetzung dieser Hormone innerhalb weniger Minuten an. Die erhöhten Werte können jedoch relativ schnell wieder auf normale Baseline-Werte zurückgehen, sobald die Stresssituation vorbei ist, normalerweise innerhalb von Minuten bis Stunden. Bei chronischem Stress kann sich das Muster der Hormonausschüttung verändern. Es ist wichtig zu beachten, dass chronischer Stress oft nicht so leicht zu messen ist wie akuter Stress, da er sich über einen längeren Zeitraum erstreckt und verschiedene Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben kann.

    Adrenalin und Noradrenalin sind Hormone, die in Stress-Situationen ausgeschüttet werden. Nimmt das Gehirn eine Gefahr wahr, gibt es den Nebennieren das Kommando, diese Stresshormone auszuschütten. Sowohl Noradrenalin als auch Adrenalin verteilen sich dann innerhalb weniger Minuten im gesamten Körper und versetzen ihn damit in den „Fight or Flight“-Zustand. Das Lebewesen entscheidet, ob es kämpfen oder flüchten soll. Aus dem Mäuseparadies flüchten war nicht möglich und kämpfen für die Meisten aussichtslos.

    Wir können uns alle vorstellen, dass es in einem überfüllten Mäusegefängnis nach einer akuten Stresssituation nicht zu einer angemessenen Entspannung kommen kann. Somit wird aus akutem Stress ein chronischer Stress. Und chronischer Stress hinterlässt seine Spuren. Zeichen hierfür sind unter anderem: Lustlosigkeit, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Ängste, Müdigkeit und Erschöpfung, Motivationslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, sozialer Rückzug, psychische Erkrankungen wie Depression, usw. Und wenn Stresshormone das Gehirn blockieren, kommt es auch zum Libidoverlust. All diese hormonbedingten Auswirkungen dürften 1970 auch keine Neuigkeit gewesen sein.

    Bleibt noch die Frage, warum sich die Mäusepopulation in Phase D nicht wieder erholt hat, nachdem die Anzahl der Mäuse drastisch gesunken war.

    Diese Frage kann ich derzeit nicht beantworten, möchte aber hinzufügen, dass laut Calhoun nur das 16-Zellen-Universum, also das 25. Experiment dieser Reihe, fortgesetzt wurde, um festzustellen, ob spätere Perioden mit rascher Abnahme oder Zunahme auftreten können. Die 1-, 2-, 4- und 8-zelligen Universen wurden zum Zeitpunkt des leichten Rückgangs der Bevölkerungszahl beendet. Deren Ausgang bleibt somit eine Annahme.

    Nach Calhoun bestand die Sterbephase aus zwei Phasen: dem ersten Tod – dem „Tod des Geistes“ und dem zweiten Tod – „dem physischen Tod des Körpers“. Der „Tod des Geistes“ war gekennzeichnet durch den Verlust des Lebenssinns. Keine Rolle in der Gesellschaft zu haben, trug zur Entstehung der existenziellen Leere bei. Darauf folgte der Tod des Körpers.

    Warum kann man den Mäuse-Käfig nicht 1:1 auf den freien Menschen übertragen? Die Antwort ist ziemlich einfach. Weil UNS nicht unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen. Ich habe versucht, die Unterschiede zwischen Experiment und Realität in einer Tabelle zu verdeutlichen.

    Hunger und Kriege reduzieren die Population auf natürliche Weise. Wie sagt man so schön – da hat sich die Natur schon etwas dabei gedacht. Anmerkung: Menschen haben keine Fressfeinde. Jedoch ist der größte Feind des Menschen – der Mensch selbst.

    (*) Würde der Mensch mit der Wachstumsbegrenzung „Ressourcen“ den „Point of no Return“ erreichen? Die Studie von Calhoun gibt darauf keine Antwort.

    4. Weitere Hintergründe zum Experiment

    Interessant ist, WER solche Studien mitfinanzierte?

    Die erste Rattenstudie (1947-1949) von Calhoun wurde von der Johns Hopkins University mit einem Zuschuss der Rockefeller Foundation gefördert.

    Und auf der Jahrestagung 1968 der AAAS in Dallas hält Calhoun seine legendäre Rede „Der Raum und die Strategie des Lebens“, in der er über seine Experimente berichtet und seine Visionen präsentiert, auf die ich später noch eingehen werde.

    Die AAASAmerican Association for the Advancement of Science (die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft) ist die weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft und Herausgeber mehrerer Zeitschriften, darunter Science und Science Advances. Ihr Leitspruch lautet „die Wissenschaft fördern und der Gesellschaft dienen“ und ihr Auftrag ist der wissenschaftliche Fortschritt und weltweite Entwicklungen zugunsten der Menschheit.

    Werfen wir mal einen Blick auf die Liste der früheren und gegenwärtigen Geldgeber der AAAS, die weltweite Entwicklungen zugunsten der Menschheit finanzieren. Dort finden wir unter anderem:

    • AstraZeneca
    • Genentech
    • Johnson & Johnson Foundation
    • NATO
    • Norvartis
    • Open Society Institute (Gruppe von Stiftungen des George Soros)
    • Rockefeller Foundation

    Noch Fragen?

    5. Calhouns Visionen für die Menschheit

    Kommen wir nun zur legendären Rede von Calhoun „Der Raum und die Strategie des Lebens“.

    Ich habe mir seine 59-seitige Rede mindestens dreimal durchgelesen. Und ich kann sagen, ab jetzt wird es ziemlich grotesk, gruselig und trotzdem überaus spannend. Im Folgenden bin ich wirklich bemüht, seine Erklärungen und Schlussfolgerungen verständlich zu machen und auf die wesentlichsten Aussagen zu verdichten.

    Mit der Entdeckung des konzeptionellen Raums entsteht Homo sapiens.

    In längeren Ausführungen beschreibt Calhoun, dass Menschen ein Kontaktbedürfnis haben und die Erfüllung dieses Kontaktbedürfnisses nur innerhalb einer bestimmten Gruppengröße optimal befriedigt werden kann. Dafür definiert er für Menschen eine optimale Gruppengröße von 12 Erwachsenen. Immer dann, wenn sich die Anzahl der Gruppenmitglieder verdoppelt, kommt es vermehrt zu Frustrationen innerhalb der Gruppe, da die Anzahl der Kontakte das Optimum überschreiten. An diesem Punkt teilt sich die Gruppe. Die eine Hälfte bleibt im ursprünglichen Gebiet, während die andere Hälfte ein neues Gebiet besiedelt.

    Mit der Zeit füllen sich alle geeigneten bewohnbaren Gebiete, eine Abwanderung ist nicht mehr möglich. Trotzdem wachsen die Gruppen weiter. Calhoun postuliert, dass eine bestimmte Flächengröße pro Erwachsenen aber bestehen bleiben muss.

    In seiner Welt entdeckten irgendwann einige „Gruppen eine neue Art von Raum, in dem sie sich bewegen konnten.“ Diesen neuen Raum nennt er den „konzeptionellen Bereich. Damit sich eine Gruppe zahlenmäßig verdoppeln kann, während sie sich im selben physischen Raum aufhält, muss sie einen konzeptionellen Bereich erwerben, der ihrem physischen Bereich entspricht; so Calhoun.

    „Mit der ersten Aneignung eines konzeptionellen Raums, der dem bereits besetzten physischen Raum gleichwertig ist, entwickelte sich der Mensch zu einem echten Homo sapiens.“
    — Calhoun

    Seine „Grundhypothese: Die Zunahme des konzeptionellen Raums muss ungefähr mit der Zunahme der Gesamtbevölkerung Schritt halten.“

    Mit anderen Worten, je kleiner der physische Bereich – die reale Welt – wird, umso größer muss der konzeptionelle Bereich – die virtuelle Welt – werden. In der virtuellen Welt kann Homo sapiens dann alle Dinge ausleben, für die es in der realen Welt keinen Platz mehr gibt.

    Calhoun berechnet die optimale Weltbevölkerung

    Bei der Berechnung der optimalen Weltbevölkerung bezieht sich Calhoun auf eine Analyse von von Foerster. Von Foerster und seine Kollegen haben in den 1960er Jahren eine Auswertung der Anzahl der Menschen auf der Erde basierend auf den letzten 2.000 Jahren durchgeführt. Im Wesentlichen fanden sie heraus, dass jede aufeinanderfolgende Verdoppelung der Population nur die Hälfte der Zeit benötigte, die für die vorherige Verdoppelung erforderlich war (siehe Tabelle unten).

    Calhoun nimmt an, dass sich diese Eigenschaft der Populationszunahme weit zurück durch die menschliche Geschichte erstreckt. Daher definiert Calhoun für den Zeitpunkt (x) eine Gesamtbevölkerung von 1.830 Personen. In seiner Welt durchläuft diese Gesamtbevölkerung nun SIEBEN aufeinanderfolgende Verdopplungen, d.h. 1.830 > 3.660 > 7.320 > 14.640 > 29.280 > 58.560 > 117.120 > 234.240.

    Und er vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass diese Verdopplungen NUR durch einen wachsenden konzeptionellen (virtuellen) Raum möglich sind.

    Den Zusammenschluss von SIEBEN „Kulturbereichen“ nennt er „Nation“. Aus SIEBEN „Nationen“ entsteht ein „Imperium“. Aus SIEBEN „Imperien“ entsteht eine „Liga“. Und SIEBEN „Ligen“ gipfeln in einer „Weltunion“. Diesen Prozess hat er in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

    Von Foerster und Kollegen betonen in ihrer Analyse, dass der Prozess der Bevölkerungsverdopplung in immer kürzerer Zeit nicht mehr lange in der Zukunft fortgesetzt werden kann. Diese Zeit, zu der die Bevölkerungszahl unbegrenzt wird, nennen sie „Tag des Jüngsten Gerichts“ und berechnen das Jahr 2027 n. Chr.

    Auf dieser Grundlage legt Calhoun eine optimale obere Weltbevölkerung von NEUN Milliarden fest.

    Die Verlangsamung des derzeitigen Bevölkerungswachstums, damit die maximale Weltbevölkerung das Optimum von neun Milliarden nicht wesentlich übersteigt, erfordert die Fortsetzung der derzeitigen Bemühungen um eine Verringerung der Geburtenrate.
    — Calhoun

    Anmerkung: Laut UNRIC, dem Regionalen Informationszentrum der Vereinten Nationen, hat die Verlangsamung des Bevölkerungswachstums bereits eingesetzt. Es wird erwartet, dass 2037 die Weltbevölkerung neun Milliarden Menschen erreichen. (Eine Verdopplung also von 1988 nach 49 Jahren.)

    Der konzeptionelle Raum muss größer werden

    Calhoun meint: „Der Mensch ist unter den Tieren einzigartig darin, zu lernen, wie man die Beschränkungen umgeht, die durch die Begrenzung des physischen Raums für weiteres Bevölkerungswachstum entstehen. Er hat diese Flucht geschafft, indem er entdeckt hat, wie man konzeptionellen Raum schafft, … die eine effektivere Bewältigung der physischen und sozialen Umwelt ermöglichen.“

    Um den konzeptionellen Raum weiter auszudehnen, müssen mehr und mehr Individuen in ein gemeinsames Kommunikationsnetz eingebunden werden. Die gesellschaftspolitische Einheit fördert die Vergrößerung und Wirksamkeit solcher Netze. Dieser Zusammenschluss wird so lange fortgesetzt, bis die gesamte Weltbevölkerung in ein einziges Netz eingebunden ist. Dieser Punkt wird erreicht sein, wenn die Weltbevölkerung neun Milliarden erreicht. Aus diesem Grund werden neun Milliarden als optimale Weltbevölkerung festgelegt, bei der der einzelne Mensch als primärer Knotenpunkt und primäres Bindeglied des Kommunikationsnetzes dient.
    — Calhoun

    Diese Aussage aus dem Jahre 1968 ist schon bemerkenswert. Ab den 1970er Jahren begann die dritte Industrielle Revolution. Im Vordergrund der Industrie 3.0 stand die Automatisierung durch Elektrotechnik und Informationstechnik. Die allerersten Personal-Computer hielten Einzug in Büro und Haushalt. 1969 gelang es zum ersten Mal, einzelne Computer über eine Telefonleitung miteinander zu verbinden. Nach und nach wurden dann immer mehr Computer weltweit miteinander verbunden. Ab 1993 startet die öffentliche Einführung des Internets. Und fast ein halbes Jahrhundert nach Calhouns Aussage beginnt die vierte Industrielle Revolution – das Zeitalter der Digitalisierung und Vernetzung: der Ausbau des Metaverse und der Ausbau von 5G als Grundlage für das Internet der Dinge (IoT), in dem alles mit allem verbunden ist.

    Die Begrifflichkeit „konzeptioneller Raum, deren Erweiterung und Vernetzung“ korreliert mit den heutigen sozialen Medien. Und es geht noch weiter. Die menschliche Schnittstelle „als primärer Knotenpunkt des Kommunikationsnetzes“ bekommt eine digitale Identität. Man erklärt uns, die Verschmelzung der physischen, digitalen und virtuellen Welt sei alternativlos.

    Calhouns Prophezeiungen sind ein halbes Jahrhundert alt. Ist er ein Genie oder hat er hellseherische Kräfte? Erinnern wir uns, WER seine Studien finanzierte und VOR WEM er seine Rede hielt. Und wie viele der aufgeführten Sponsoren des AAAS heute Partner des WEF sind.

    Der konzeptionelle Kopf hat Grenzen

    Wir erinnern uns an seine These: Je kleiner die reale Welt wird, umso größer muss die virtuelle Welt werden. Für Calhoun bedeutet das, Vergrößerungen des virtuellen Raumes „können somit als Vergrößerungen des Kopfes dargestellt werden, während der Rest des Körpers in seiner Größe konstant bleibt.“ Für diese These hat Calhoun sogar eine Zeichnung angefertigt.

    Darf ich vorstellen: «Der konzeptionelle Homunkulus».

    Nein, das ist kein Witz. Er meint das wirklich ernst. Wörtlich: „Ich habe versucht, diesen ganzen Prozess der fortschreitenden Transformationen als «konzeptionellen Homunkulus» zusammenzufassen. Der Körper des Menschen ist sein früheres biologisches Selbst geblieben, aber das Ausmaß, in dem er seinen Kortex effektiv genutzt hat, hat sich kontinuierlich erhöht.

    Für Calhoun „liegt es auf der Hand, dass irgendwann die maximale Auslastung der kortikalen Masse erreicht sein wird. Da das Bevölkerungswachstum … von der kontinuierlichen Erweiterung des konzeptionellen Raums abhängt, folgt daraus, dass, wenn die maximale Auslastung der kortikalen Masse erreicht ist, jede weitere Zunahme der Individuen zu einem Rückgang der effektiven Verwirklichung der Potenziale führen wird, da die zusätzlichen Individuen den Erwerb relevanter Informationen behindern werden. Durch einen merkwürdigen Zufall sieht es so aus, als ob die maximale Auslastung des Kortex tatsächlich zum Zeitpunkt des Erreichens der optimalen Bevölkerungsobergrenze eintreten wird.

    Na das ist wirklich ein merkwürdiger Zufall. Ab dem Erreichen seiner berechneten optimalen Weltbevölkerung von 9 Milliarden ist laut Calhoun keine effektive Zunahme des virtuellen Raumes mehr möglich. Wahrscheinlich platzt dann die Homunkulus-Birne.

    Übersetzt heißt das, der konzeptionelle Raum ist mit abstraktem Denkvermögen und Vorstellungskraft und der daraus resultierten Erfahrung sowie Wissenszuwachs gleichzusetzen. Mit wachsender Population steigt die Intensität des Informationsaustausches und die Informationsmenge zwischen den Individuen. Diese Steigerung entspricht der Vergrößerung des konzeptionellen Raums bei Calhoun. Nach seinen Berechnungen sind ab Erreichen der optimalen Weltbevölkerung alle 9 Milliarden miteinander vernetzt. Laut Calhoun kommt man hier an die Grenze, bei der der Mensch mit seinem biologischen Kortex in der Lage sein wird, diese Informationsflut zu bewerkstelligen.

    Es ist angebracht, diesen Zeitpunkt (Optimum von 9 Milliarden) als „Morgengrauen“ zu bezeichnen, denn er eröffnet die Möglichkeit, in einen neuen Bereich der Evolution einzutreten.
    — Calhoun

    Calhouns Visionen werden konkret

    Aus seiner These – ab 9 Milliarden Menschen gibt es nicht mehr genügend virtuellen Raum für alle – schlussfolgert Calhoun sehr schlaulich: „Daraus folgt, dass der Homo sapiens als Spezies aufhören muss“. Natürlich hat er auch eine Idee, wie die Spezies überleben kann. Es folgen Calhoun-Zitate seiner Rede, die ich aus seinen langen unwissenschaftlichen Erläuterungen gefiltert habe.

    Ein Grund für die elektronische Revolution ist, dass wir uns einer Grenze des Kortex bei der Verarbeitung von Informationen genähert haben.

    Das bedeutet, dass wir in Kürze elektronische Prothesen brauchen werden, die ähnlich funktionieren wie unser Kortex. Wir werden mit ihnen verbunden, um eine weitere Vergrößerung unseres konzeptionellen Raums über die vom Kortex auferlegten Grenzen hinaus zu ermöglichen.

    Eine solche Kopplung mit Denkprothesen stellt den Charakter des evolutionären Fortschritts nach dem Morgengrauen dar.

    Die Aufrechterhaltung dieser Verknüpfungen ist der Preis, den wir zahlen werden, wenn wir … die weitere Steigerung der menschlichen Möglichkeiten als den gewünschten Verlauf der Evolution wählen.

    Zu Beginn dieser Evolution „wird es nicht mehr angemessen sein, den Menschen als Homo sapiens zu bezeichnen. Ihm muss vielmehr ein spezifischer Name gegeben werden, der die sich entwickelnde Verbindung mit den Denkprothesen widerspiegelt.

    Calhoun schlug auch gleich einen Namen vor: „Homo leo“, in Anerkennung an Leo Szilard.

    Setzt man den Begriff „Kortex“ mit menschlicher (natürlicher) Intelligenz gleich, so ist die „elektronische Denk-Prothese“ mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz zu interpretieren. Damit prophezeit er bereits vor einem halben Jahrhundert nicht nur die dritte und vierte Industrielle Revolution, sondern auch die Einführung der künstlichen Intelligenz sowie Implantate als „menschliche Schnittstelle“ zwischen Mensch und KI (Transhumanismus). Für Calhoun ist das der nächste logische Schritt in der menschlichen Evolution.

    6. Zeitskala und Parallelen zur Gegenwart

    Es sieht so aus, als ob Calhouns Schlussfolgerungen die Zukunft der Menschheit in den nachfolgenden 50 Jahren auf einem Reißbrett skizziert haben. Versuchen wir seine Aussagen in einem größeren Kontext zu betrachten.

    Im folgenden eine Zusammenfassung der Ereignisse, die mit Calhouns Rede im Zusammenhang stehen.

    1968

    Rede von Calhoun „Der Raum und die Strategie des Lebens“ vor dem AAAS.

    1971

    Gründung des WEF – eine Lobby-Organisation, die mit Initiativen wie «Global Redesign» und «Great Reset» das Treffen von globalen Entscheidungen nicht zwischenstaatlich, sondern in «Koalitionen» mit multinationalen Konzernen und zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert.

    Viele der Geldgeber von AAAS sind Partner des WEF.

    1972

    Der Club of Rome – eine 1968 gegründete Denkfabrik zu Fragen einer „lebensfördernden Zukunft“ – untersucht mittels einer Computersimulation die Auswirkungen von Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoff-Reserven und Zerstörung von Lebensraum.

    „Wenn die Menschheit unverändert weiterleben würde wie bisher, so die Studie, wäre mit einem starken Anstieg der Weltbevölkerung zu rechnen. Die Rohstoffvorräte würden in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen, oder ihre Förderung könnte so kostspielig werden, dass sich der Abbau nicht mehr lohne. Die lange stark wachsende Industrie würde dann einbrechen, Umweltverschmutzung den Zusammenbruch weiter beschleunigen. Bis spätestens 2100 wäre eine Katastrophe für die Weltgesellschaft unvermeidbar.

    Eine solche Entwicklung könne auch nicht durch technischen Fortschritt aufgehalten werden, ergab der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Technischer Fortschritt könnte zwar die Zeit bis zu einem Zusammenbruch verlängern; er würde die Grenzen des Wachstums aber nur ein Stück verschieben und nicht aufhalten. Technische Innovation, folgerte der erste Bericht an den Club of Rome, müsse zwingend mit sozialen und politischen Maßnahmen verbunden werden, um weltweit zu einem ökologischen wie sozialen Gleichgewicht zu kommen.“ [Quelle]

    1977

    Der französische Philosoph Michel Foucault definiert die Begriffe „Bio-Macht, Biopolitik und Gouvernementalität“ als Macht- und Regierungstechniken zur Lenkung der gesamten Bevölkerung.

    Ziel der Bio-Macht bei Foucault ist die Regulierung der Bevölkerung insbesondere durch die Regulierung ihrer Fortpflanzung, der Geburten- und Sterblichkeitsrate, des Gesundheitsniveaus, der Wohnverhältnisse, u.a.

    Im biopolitischen Sinne wird die Bevölkerung in erster Linie als „Produktionsmaschine zur Erzeugung von Reichtum, Gütern und weiteren Individuen“ betrachtet. Die Bio-Macht sorgt für Rahmenbedingungen, die der Produktionsmaschine nützlich sind. Dabei wird das Individuum nach seiner Nützlichkeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Zustände bewertet. Zu diesem Zweck wird der Einzelne immer an einer Norm gemessen. Er wird an ihr ausgerichtet und muss vor ihr bestehen.“


    Wir schreiben das Jahr 2023. Die Weltbevölkerung hat die 8 Milliarden überschritten. Laut UNRIC, dem Regionalen Informationszentrum der Vereinten Nationen, wächst die Weltbevölkerung bis 2037 auf 9 Milliarden.

    Somit erreichen uns laut Calhoun die ersten Lichtstrahlen des MORGENGRAUENS. Diese treffen uns in Form der Aussagen des WEF-Vorsitzenden Klaus Schwab und des WEF-Redners Yuval Noah Harari. Nach unserem jetzigen Wissen über den von Calhoun definierten „konzeptionellen Raum“ können wir jetzt viel besser deren Worte verstehen.

    Wir Menschen beherrschen die Welt, da wir in einer doppelten Realität leben. Wir leben in einer objektiven Realität. Über Jahrhunderte haben wir auf die objektive Realität eine zweite Schicht – eine erdachte Realität – draufgelegt, eine Realität aus erdachten Einheiten wie Staaten, Götter, Geld und Unternehmen. Erstaunlich ist, dass die erdachte Realität im Verlauf der Geschichte immer mächtiger wurde, sodass heute die mächtigsten Kräfte dieser Welt diese erdachten Einheiten sind. Heute hängt das Überleben der objektiven Realität wie Flüssen, Bäumen und Tieren von den Entscheidungen und Wünschen erdachter Einheiten wie den Vereinigten Staaten, Google, der Weltbank ab – Einheiten, die nur in unserer Vorstellung existieren.
    Harari

    In seinem weltweit promoteten Bestseller „Homo Deus“ von 2015 findet Harari klare Worte über die Zukunft der Menschheit. Auf die Frage „Sind wir Menschen kurz vor dem Aussterben?“, antwortet er:

    Ja, aber es ist kein Ende wie in einem Hollywood-Film, in dem Roboter verrückt werden und alle Menschen töten. Es ist wahrscheinlicher, dass wir neue Technologien nutzen werden, vor allem Biotechnologie mit künstlicher Intelligenz, um uns zu verändern und in Wesen zu verbessern, die sich von uns viel mehr unterscheiden als wir uns von den Neandertalern oder Schimpansen. Ich denke also nicht, dass in 200 Jahren Menschen wie wir die Erde bevölkern werden. Unsere Nachfahren werden eine Form von Cyber-Wesen sein, die das zukünftige Leben dominieren.
    Harari

    Sapiens handelt von unserer Vergangenheit, wie wir uns von unbedeutenden Affen zu den Herrschern des Planeten Erde entwickelt haben. Homo Deus handelt von der Zukunft, wie wir im 21. Jahrhundert versuchen werden, uns in Götter zu verwandeln, wie wir versuchen werden, göttliche Fähigkeiten zu erwerben, wie die Fähigkeit, Alter und Tod zu überwinden und die Fähigkeit, Tiere und Pflanzen und sogar Menschen nach unseren Wünschen zu erschaffen. Vom Homo sapiens – dem weisen Menschen – werden wir versuchen, uns zum Homo Deus – dem göttlichen Menschen – zu entwickeln.
    Harari

    Und Klaus Schwab konkretisiert in einem Interview am 10.01.2016 mit Pardonnez-moi die praktische Umsetzung der menschlichen Transformation.

    Es bleiben Fragen offen

    Heute, sieben Jahre später, werden wir regelrecht mit Nachrichten über die Alternativlosigkeit der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und der globalen Vernetzung bombardiert.

    Die Worte von Schwab und Harari sind also gar nicht so neu. Die Frage ist, war Calhoun ein Genie? Wo nimmt er diese Weitsicht her, in einer Zeit, in der nur wenige Menschen Telefone mit Wählscheiben besaßen? Aus dem Mäuseexperiment lassen sich diese Rückschlüsse nicht ziehen.

    Und wenn die Philanthropen dieser Welt so sehr am Wohl der Menschheit interessiert waren und sind, warum haben sie dann die Menschheit nicht bereits 1970 über die drohende Gefahr des „Jüngsten Gerichts“ informiert?

    Und warum wurde keine öffentliche Debatte über die Zukunft der Menschheit geführt?

    Und warum ist die Zukunft zum Denkprothesen-Menschen alternativlos?


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

    Experiment „Universe 25“ and the path to a technocratic future

    In the 60s and 70s of the last century, the course was set for the current socio-political and technocratic development. The experiment „Universe 25” plays an interesting role in this. Do you know this experiment? And do you know how it is connected to the development of AI and transhumanism? In this article we consider the conclusions of this experiment and the shadow they cast on developments today.

    The „Universe 25” experiment is a simulation of global overpopulation. This puts it in line with other contemporary simulations such as Event 201 and SPARS for a global pandemic and Food Chain Reaction for a global food shortage. The aim of such events is to prepare the population for certain events.

    The „Universum 25” experiment has already been reported extensively in the press, for example here. Nevertheless, I will summarize the essential details of the experiment in the first two chapters. These are the basis for a better understanding of the conclusions from this laboratory experiment.

    1. Introduction
    2. The „Universe 25” experiment
    3. Critical examination of the experiment
    4. Further background to the experiment
    5. Calhoun’s visions for humanity
    6. Time scale and parallels to the present

    1. Introduction

    Concern about human overpopulation is an age-old topic.

    The church writer Tertullian lived in the 2nd century AD in the city of Carthage when the world population was 190 million. He said, „… everywhere there are dwellings, everywhere populations, everywhere states, everywhere life. We are a burden to the earth, barely are the elements sufficient for us, needs are becoming scarcer and complaints are everywhere, as nature no longer wants to sustain us. Epidemics, famine, wars, the destruction of cities, must be regarded as a remedy for mankind’s overgrowth.” [DE ANIMA, Cap.30]

    In 1804 the population reached one billion, and in the 19th century the clergyman and economist Thomas Robert Malthus expressed fears that the power of the population was indefinitely greater than the power of the earth. He postulated that the production of food only increases linearly while the number of people grows exponentially. „A man who is born into a world already possessed, if he cannot get subsistence from his parents on whom he has a just demand, and if the society do not want his labour, has no claim of right to the smallest portion of food, and, in fact, has no business to be where he is. At nature’s mighty feast there is no vacant cover for him. She tells him to be gone, and will quickly execute her own orders…“

    Population growth accelerated in the 20th century, doubling to 2 billion in 1927 and 3 billion in 1959. And the 20th century promised that this growth would accelerate even further. Currently the world population has reached 8 billion.

    Ecologists call „carrying capacity” the maximum number of organisms of a species (population size) that a habitat can support. The logical conclusion of the growth criticism is: „Infinite growth is not possible on a finite planet.”

    The question remains, how many people can the Earth support?

    In order to clarify the question of what influence the available space has on a growing population, John Hopkins University started a rodent ecology experiment in 1947. John B. Calhoun participated in this experiment as a research assistant.

    In 1954, Calhoun was hired by the National Institute of Mental Health (NIMH), which showed great interest in this research. The NIMH is subordinate to the National Institutes of Health (NIH). The NIH, in turn, is part of the U.S. Department of Health and Human Services and is the most important agency for biomedical research in the United State.

    As an employee of the NIMH Psychological Laboratory, Calhoun repeated the experiment in specially constructed „rodent universes”. With his last experiment in this series, the experiment „Universe 25”, Calhoun became famous. His research aimed to predict the future of human society.

    2. The „Universe 25“ Experiment

    What would happen if you created a «mouse paradise» for mice, where they had everything they needed except space?

    The mouse universe of this experiment was a limited physical space that consisted of 16 cells of the same structure (see Fig. 1) – a 16-cell universe. According to Calhoun, each cell offered the opportunity to express many of the behaviors that are characteristic of the animal species.

    Fig.1: Calhoun in his 16-cell universe [Source]

    Note: In the photo you can see Calhoun and about 200 mice, if you also include the hidden side.

    Apart from space, everything else in the „mouse paradise” was available.

    • Enough resources – for the mice this meant enough food and water. There was always enough building material available for nest building.
    • Perfect weather – for mice there was the perfect temperature of 21 – 32 degrees.
    • No diseases – veterinarians took care of the health of the inhabitants. About every four to eight weeks the paradise was cleaned.
    • No predators.

    All parameters contributing to mortality were eliminated. The „perfect” place had been created in a limited space = a 6.6 cubic meter cube, about half a meter high. And there were 256 nesting compartments on four floors. The observations of the experiment were divided into 4 phases.

    Phase A „Moving in”

    8 house mice (4 males and 4 females, 48 days old) were introduced into the 16-cell universe on July 9, 1968. The four pairs of mice explored their new home with the accommodations, nests, ladders, corridors, feeding stations, water stations, nesting materials and settled in.

    Phase B „Growth”

    The first young animals were born. The population now grew exponentially. The number of mice doubled every 55 days. Everything went fine. The mice developed splendidly, were in good spirits and healthy. According to Calhoun, a basic social unit consisted of a territorial male, three competitive but subordinate males, and six effectively reproducing females. At the end of phase B, all cells were filled with such basic social units.

    Phase C „Restrained growth“

    On day 315 there were now 620 mice. The population now only doubled every 145 days. Calhoun explained the decline in birth rates as follows. Normally the surplus that can no longer find social niches migrates. However, in his experimental universe there was no opportunity for emigration. As the unusually large number of boys reached adulthood, they were forced to stay, and they struggled for roles in the crowded social system. Males who failed withdrew physically and psychologically; they became very inactive.

    As a result of the extreme demands placed on territorial males to repel adolescent mates, their ability to continue to defend their territory decreased. Reducing male territories stressed females. They reacted increasingly aggressively, including to their own young, who were attacked and injured and had to leave their home several days before normal weaning. Likewise, the conception rate decreased and the resorption (dissolution) of the fetuses increased.

    The mice’s social behavior changed drastically. This is how various groups of outsiders formed. Some of them spent most of their lives as loners. However, most of the reclusive males gathered in large clusters. They were characterized by masses of fresh wounds. Only in a few cases were these wounds inflicted on them by territorial males. From time to time, each retreating male would erupt in a brief burst of violence, attacking one of the reclusive males associated with him. The attacked male rarely fled, but instead cowered and allowed himself to be bitten.

    Female counterparts of these withdrawn males tended to retreat to higher nesting boxes, which were less preferred by females with litters.

    Sexual behavior now also showed a wide range. This included males mounting females for many times the normal duration, and often without penetration. They also mounted other adult males as well as nonreceptive females, and in extreme cases even immature individuals of both sexes. Some of the females exhibited male sexual behavior. They mounted adult males as well as other adult females.

    Calhoun called the breakdown in social behavior that resulted from overcrowding a behavioral sink.

    Although the offspring mortality rate increased and the birth rate decreased sharply, the population still grew to 2200 animals by day 560 (see Fig.2).

    Fig.2: Mouse population development in an enclosed space [Source]

    Phase D „Death Phase”

    The number of non-reproducing females continued to increase. The male counterparts to these were the so-called „beauties“. Their behavioral repertoire was essentially limited to eating, drinking, sleeping, and grooming. They never approached females sexually and never fought, so they had no wounds or scars. Thus, their fur remained in excellent condition, hence Calhoun referred to them as the „Beautiful Ones“.

    By midpoint of Phase D there were, for all practical purposes, no territorial males, no contesting males and no reproducing females capable of caring for young; the genetic and learned templates for guiding effective adult behavior had been «washed out»”, Calhoun said. [PDF file, page 342]

    Although there was enough food, cannibalism also occurred. The population did not return to normal, but died out completely. On the day 1780 the last surviving male died.

    3. Critical examination of the experiment

    I just wanted to get a picture of the mouse paradise on the day when the mood in paradise changes and it becomes hell for the mice: at the beginning of phase C on day 315 with 620 adult mice. So I just made a picture (see Fig.3).

    Fig.3: Scale mapping of the universe 25 on day 315 with 620 mice

    The picture is a scale representation based on the available data for Experiment 25.

    The Mouse Universe is 101 inches square.
    101 inch = 256,54 cm
    256,54 cm x 256,54 cm = 65.812,8 cm2 = ca. 6,6 m²

    House mice have a head-torso length of 7-11 cm and a tail length of 7-10 cm. In my illustration, I assumed a body length of 10 cm, a tail length of 5 cm and a body width of 3 cm. If we then distribute the 620 mice evenly over the available space, we understand the dilemma. Even if we imagine some of the mice (shown on the ground in the picture) in corridors, at feeding places or in further nesting places.

    I spared myself a pictorial representation of the cage with 2200 mice on day 560. I think everyone can imagine it roughly for themselves.

    The fact that behavioral changes occur in such a crowded, unimaginative, monotonous box without the possibility of escape should have been obvious in advance. For this insight, one does not have to torture mouse populations for decades. Common sense already tells you that.

    Although this kind of environment was designed by intent to permit the development of the behavioral sink, the very confirmation of its anticipated development tells us how not to design an environment. It points to the detrimental consequences of a static environment, particularly ones where any of the kinds of response situations are highly restricted in number and place.” Calhoun [PDF file, page 335]

    This means that you already knew how it would turn out before the experiment began. Therefore, the same result was provoked for the 25th time. AHA. That is „SCIENCE” ladies and gentlemen!!!

    With regard to the behavioral changes of the mice, Calhoun also says the following:

    Dr. Julius Axelrod has assayed the enzyme which transforms noradrenalin into adrenalin in this and other categories of mice of Phase D. Unlike the mice who have contested, been rejected, and withdrawn, these «Beautiful Ones» show no evidence of ever being stressed. We can only suspect that some combination of the heightened aggressiveness 6f adult females during their early development, in conjunction with their experiencing a high rate of contact with other mice, blocked the unfolding of that behavior whose expression is guided by the genetic template. This very early blocking of sexual and aggressive behaviors precludes the possibility of learning elaborating their expression.” [PDF file, page 342]

    Calhoun does not address in his remarks what the studies of the stress hormones norepinephrine and epinephrine have revealed. When a body perceives stress, the release of these hormones increases within a few minutes. However, the elevated levels can return to normal baseline levels relatively quickly once the stressful situation is over, usually within minutes to hours. With chronic stress, the pattern of hormone release may change. It is important to note that chronic stress is often not as easy to measure as acute stress, as it occurs over a longer period of time and can have different effects on the body and psyche.

    Adrenaline and noradrenaline are hormones that are released in stressful situations. If the brain perceives a danger, it gives the adrenal glands the command to release these stress hormones. Both norepinephrine and epinephrine are then distributed throughout the body within a few minutes, putting it in a „Fight or Flight“-state. The living creature decides whether it should fight or flee. Escape from the mouse paradise was not possible and for most of them the fight was hopeless.

    We can all imagine that in an overcrowded mouse prison, adequate relaxation cannot occur after an acute stress situation. Thus, acute stress becomes chronic stress. And chronic stress leaves its mark. Signs of this include: Listlessness, irritability, mood swings, anxiety, fatigue and exhaustion, lack of motivation, difficulty concentrating, social withdrawal, mental illnesses like depression, etc. And when stress hormones block the brain, loss of libido also occurs. All these hormone-related effects should not have been news in 1970 either.

    The question remains as to why the mouse population did not recover in Phase D after the number of mice had dropped dramatically.

    I cannot answer this question at this time, but would like to add that according to Calhoun, only the 16-cell universe, the 25th experiment in this series, was continued to determine if later periods of rapid decline or increase could occur. The 1-, 2-, 4-, and 8-cell universes were terminated at the time of the slight decline in population size. Their outcome thus remains an assumption. [PDF file, page 340]

    According to Calhoun, the dying phase consisted of two stages: the first death – the „death of the spirit“ and the second death – „the physical death of the body”. The „death of the spirit” was characterized by the loss of the sense of life. Having no role in society contributed to the creation of existential emptiness. This was followed by the death of the body.

    Why can’t the mouse cage be transferred 1:1 to free humans? The answer is quite simple. Because WE do not have unlimited resources at our disposal. I have tried to illustrate the differences between experiment and reality in a table.

    Hunger and wars reduce the population naturally. As they say – nature has already thought of something. Note: Humans have no predators. However, the greatest enemy of humans is humans themselves.

    (*) Would humans reach the „point of no return” with the „resources” growth constraint? Calhoun’s study does not answer this question.

    4. Further background to the experiment

    What is interesting is WHO co-financed such studies?

    Calhoun’s first rat study (1947-1949) was supported by Johns Hopkins University with a grant from the Rockefeller Foundation.

    And at the 1968 annual meeting of the AAAS in Dallas, Calhoun gave his legendary speech „Space and the Strategy of Life”, in which he reported on his experiments and presented his visions, which I will discuss later.

    AAAS (the American Association for the Advancement of Science) is the world’s largest scientific society and publisher of several journals, including Science and Science Advances. Its mission statement is „to advance science and serve society” and its mission is scientific progress and worldwide developments for the benefit of humanity.

    Let’s take a look at the list of past and present AAAS fundurs who fund worldwide developments for the benefit of humanity. There we find, among others:

    • AstraZeneca
    • Genentech
    • Johnson & Johnson Foundation
    • NATO
    • Norvartis
    • Open Society Institute (Gruppe von Stiftungen des George Soros)
    • Rockefeller Foundation

    Still questions?

    5. Calhoun’s visions for humanity

    Let us now turn to Calhoun’s legendary speech „Space and the Strategy of Life”.

    I’ve read through his 59-page speech at least three times. And I can say, from now on it becomes quite grotesque, creepy and nevertheless exceedingly exciting. In the following, I really try to make his explanations and conclusions understandable and to condense them to the most essential statements.

    With the discovery of conceptual space, Homo sapiens emerges.

    In longer explanations, Calhoun describes that people have a need for contact and that the fulfillment of this need for contact can only be optimally satisfied within a certain group size. For this purpose, he defines an optimal group size of 12 adults for humans. Whenever the number of group members doubles, there is increased frustration within the group because the number of contacts exceeds the optimum. At this point, the group splits. One half stays in the original area while the other half colonizes a new area.

    Over time, all suitable habitable areas fill up, and migration is no longer possible. Nevertheless, groups continue to grow. However, Calhoun postulates that a certain amount of land per adult must be maintained.

    At some point in his world, some „groups discovered a new kind of space in which to operate”. He calls this new space the „conceptual space”. For a group to double in number while staying in the same physical space, it must acquire a conceptual space that corresponds to its physical space; according to Calhoun.

    With the first acquisition of a conceptual space equivalent to that of the physical space already occupied, man emerged as truly Homo sapiens.” [page 359]

    His „basic hypothesis: increases in conceptual area must keep approximately abreast with increases in total population”. [page 359]

    In other words, the smaller the physical space – the real world – becomes, the larger the conceptual space – the virtual world – must become. In the virtual world, Homo sapiens can then live out all the things for which there is no longer any place in the real world.

    Calhoun calculates the optimal world population

    In calculating the optimal world population, Calhoun refers to an analysis by von Foerster. In the 1960s, von Foerster and his colleagues conducted an evaluation of the number of people on Earth based on the last 2,000 years. Essentially, they found that each successive doubling of the population took only half the time required for the previous doubling (see table below).

    Calhoun assumes that this property of population increase extends far back through human history. Therefore Calhoun defines for the time (x) a total population of 1.830 persons. In his world, this total population now undergoes SEVEN successive doublings, i.e., 1.830 > 3.660 > 7.320 > 14.640 > 29.280 > 58.560 > 117.120 > 234.240.

    And he doesn’t forget to mention that these doublings are ONLY possible through a growing conceptual (virtual) space.

    The union of SEVEN „Cultural Areas“ he calls „Nation“. From SEVEN „Nations“ an „Empire“ arises. From SEVEN „Empires“ a „League“ arises. And SEVEN „Leagues“ culminate in a „World Union“. He has summarized this process in the following table.

    Von Foerster and colleagues emphasize in their analysis that the process of population doubling in ever shorter time can no longer be continued for long in the future. They call this time, when the population number becomes unlimited, the ‘Day of Judgment’ and calculate the year 2027 AD.

    On this basis, Calhoun establishes an optimal upper world population of NINE billion.

    Slowing down the present rate of population increase so that the ultimate maximum world population will not greatly exceed the optimum of nine billion requires continuing attention to the present efforts to reduce birth rates.” Calhoun [page 375]

    Note: According to UNRIC, the United Nations Regional Information Center, the slowdown in population growth has already begun. The world population is expected to reach nine billion people in 2037. (A doubling from 1988 after 49 years.)

    The conceptual space must become larger

    Calhoun says: „Man stands unique among animals in learning how to bypass the strictures placed by limitation of physical space on further population growth. He has made this escape by discovering how to create conceptual space … which permit more effective coping with the physical and social environment.” [page 365]

    To continue enlarging conceptual space requires involving more and individuals in a common communication network. Socio-political union enhances the enlargement and effectiveness of such networks. Such union will continue until the entire world population becomes incorporated into a single network. This point will arrive when the world population reaches nine billion. For this reason, nine billion is set as the optimum world population in which individual human beings serve as the primary nodes and the primary links in the communication network.” Calhoun [page 365-366]

    This statement from 1968 is really remarkable. The third industrial revolution began in the 1970s. The focus of Industry 3.0 was on automation through electrical engineering and information technology. The very first personal computers made their way into offices and homes. In 1969, it was possible for the first time to connect individual computers via a telephone line. Gradually, more and more computers were connected worldwide. In 1993, the public rollout of the Internet began. And almost half a century after Calhoun’s statement, the fourth industrial revolution begins – the age of digitization and networking: the expansion of the Metaverse and the roll-out of 5G as the basis for the Internet of Things (IoT), in which everything is connected to everything else.

    The notion of „conceptual space, its expansion and networking” correlates with today’s social media. And it goes even further. The human interface „as the primary node of the communication network” is given a digital identity. We are told that the merging of the physical, digital and virtual worlds is without alternative.

    Calhoun’s prophecies are half a century old. Is he a genius or does he have psychic powers? Let’s remember WHO financed his studies and BEFORE WHOM he gave his speech. And how many of the listed funders of the AAAS are today partners of the WEF.

    The conceptual mind has limits

    We recall his thesis: the smaller the real world becomes, the larger the virtual world must become. For Calhoun, this means enlargements of virtual space „can thus be represented as enlargements of the head, while the rest of the body remains constant in size”. Calhoun even made a drawing for this thesis.

    May I introduce «The Conceptual Homunculus».

    No, this is not a joke. He’s really serious about this. Verbatim: „I have tried to summarize this whole process of progressive transformations as a «conceptual homunculus». The body of man has remained his earlier biological self, but the degree to which he has effectively utilized his cortex has continually increased.

    Calhoun: „Obviously, there will arrive a time at which maximal utilization of cortical mass will be attained. Since population growth, which permits realization of individual potentialities, depends upon continual expansion of conceptual space, it follows that, when maximal utilization of cortical mass is reached, any further increase in numbers will lead to a decline in effective realization of potentialities, since the extra individuals will impede acquisition of relevant information. By some strange coincidence, it looks as though maximum use of the cortex will actually arise at the time of reaching the optimum upper level of population.” [page 367]

    Well, this is really a strange coincidence. According to Calhoun, no effective increase of the virtual space is possible any more after reaching his calculated optimal world population of 9 billion. Probably then the homunculus head bursts.

    Translated, this means that the conceptual space is equivalent to abstract thinking and imagination, as well as the resulting experience and knowledge growth. With a growing population, the intensity of information exchange and the amount of information between individuals increases. This increase corresponds to the enlargement of the conceptual space in Calhoun’s theory. According to his calculations, once the optimal world population is reached, all 9 billion people will be interconnected. Calhoun claims that this is the limit at which humans will be able to cope with this flood of information using their biological cortex.

    It is appropriate to designate this time as «dawnsday», for it introduces the opportunity of entering a new domain of evolution.” Calhoun [page 378]

    Calhoun’s visions become concrete

    From his thesis – from 9 billion people, there is no longer enough virtual space for everyone – Calhoun concludes: „It follows that Homo sapiens must cease to exist as a species” [page 371]. Of course, he also has an idea of how the species can survive. Following are Calhoun quotes from his speech, which I have filtered from his long unscientific explanations.

    A reason for the electronic revolution is that we have approached a limit of the cortex to process information necessary for its codification into concepts.” [page 379]

    This means that we will shortly need electronic prostheses which will function much as does our cortex. We become linked to these to permit further enlargement of our conceptual target diameters beyond the limitations imposed by the cortex.” [page 379]

    Such coupling with thinking prostheses represents the character of the evolutionary progression after dawnsday.” [page 379]

    Maintaining these linkages is the price we will pay if we elect … of further enhancing human potentialities as the desired course of evolution.” [page 379]

    At its inception it will no longer be appropriate to designate man as Homo sapiens. He, rather, must be given a specific name reflecting the developing linkage with thinking prostheses.” [page 380]

    Calhoun also immediately suggested a name: „Homo leo”, in tribute to Leo Szilard. [page 380]

    If one equates the term „cortex” with human (natural) intelligence, the „electronic thinking prosthesis” is to be interpreted with the development of artificial intelligence. Thus, already half a century ago, he predicts not only the third and fourth industrial revolutions, but also the introduction of artificial intelligence as well as implants as a „human interface” between humans and AI (transhumanism). For Calhoun, this is the next logical step in human evolution.

    6. Time scale and parallels to the present

    It seems that Calhoun’s conclusions have sketched the future of humanity on a drawing board for the subsequent 50 years. Let’s try to look at his statements in a larger context.

    The following is a summary of events related to Calhoun’s speech.

    1968

    Speech by Calhoun „Space and the Strategy of Life” to AAAS.

    1971

    Founding of the WEF – a lobbying organization that, with initiatives such as «Global Redesign» and «Great Reset», calls for global decisions to be made not intergovernmentally but in «coalitions» with multinational corporations and civil society organizations.

    Many of the AAAS funders are partners of the WEF.

    1972

    The Club of Rome – a think tank founded in 1968 on questions of a „life-enhancing future” – uses a computer simulation to examine the effects of industrialization, population growth, malnutrition, exploitation of raw material reserves and destruction of living space.

    „According to the study, if humanity were to continue living as it has to date, a sharp increase in the world’s population would have to be expected. Raw material reserves would run out in a few decades, or their extraction could become so expensive that it would no longer be worthwhile. Industry, which had been growing strongly for a long time, would then collapse, and environmental pollution would further accelerate the collapse. By 2100 at the latest, a catastrophe for world society would be unavoidable.

    Such a development could not be stopped by technical progress either, the report „The Limits to Growth“ found. Technical progress could indeed extend the time to a collapse; however, it would only shift the limits to growth a bit and not stop them. The first report to the Club of Rome concluded that technical innovation must be combined with social and political measures in order to achieve a global ecological and social balance.” [Source]

    1977

    French philosopher Michel Foucault defines the terms „biopower and governmentality” as techniques of power and government to direct the entire population.

    The goal of bio-power in Foucault is to regulate the population, especially by regulating its reproduction, birth and mortality rates, health levels, housing conditions, among others.

    In the biopolitical sense, the population is seen primarily as a „production machine for the generation of wealth, goods and further individuals”. Biopower provides framework conditions that are useful to the production machine. In this process, the individual is evaluated according to his or her usefulness against the background of social conditions. To this end, the individual is always measured against a norm. He is aligned with it and must exist before it. [Source]


    The year is 2023, and the world’s population has exceeded 8 billion. According to UNRIC, the United Nations Regional Information Centre, the world’s population will grow to 9 billion by 2037.

    Thus, according to Calhoun, the first rays of light of dawnsday reach us. These come to us in the form of the statements by WEF Chairman Klaus Schwab and WEF speaker Yuval Noah Harari. With our current knowledge of the „conceptual space” defined by Calhoun, we can now understand their words much better.

    We humans control the world because we live in a dual reality. … We humans, we also live in an objective reality. … But over the centuries, we have constructed on top of this objective reality a second layer of fictional reality, a reality of made of fictional entities, like nations, like gods, like money, like corporations. And what is amazing is that as history unfolded, this fictional reality became more and more powerful so that today, the most powerful forces in the world are these fictional entities. Today, the very survival of rivers and trees and lions and elephants depends on the decisions and wishes of fictional entities, like the United States, like Google, like the World Bank – entities that exist only in our own imagination.Harari

    In his 2015 bestseller „Homo Deus”, which was promoted worldwide, Harari has clear words about the future of humanity. To the question „Are we humans on the verge of extinction?” he answers:

    Yes, but it’s not an ending like in a Hollywood movie in which robots go crazy and kill all the people. It’s more likely that we will use new technologies, especially biotechnology and artificial intelligence, to upgrade ourselves into something which are much more different from us than we are from Neanderthals or chimpanzees. So I don’t think that in 200 years people like us will populate the earth. Our descendants will be a form of cyber being that will dominate future life.Harari

    Sapiens, what about our past, how we transform ourselves from insignificant apes into the rulers of planet Earth. Homo deus is about the future how we will try in the 21st century to transform ourselves into gods, how we will try to acquire divine abilities like the ability to overcome old age and death and the ability to engineer and create animals and plants and even humans according to our wishes, from Homo sapiens wise men we will try to upgrade ourselves into Homo deus the divine.Harari

    And Klaus Schwab concretizes the practical implementation of human transformation in an interview on 10.01.2016 with Pardonnez-moi.

    Dairus Rochebin: Today we are talking about chips that can be implanted. When will that be?

    Klaus Schwab: Probably them in the next ten years. First we will implant them in our clothes. And then we can imagine implanting them in our brains or under our skin. And in the end, there could be direct communication between our brains and the digital world. We see a kind of merging of the physical, digital and biological worlds.

    Dairus Rochebin: If we want to call someone, we don’t need a phone, it happens automatically? Technology is extending the body.

    Klaus Schwab: Yes, you’re on the go and you say I want to be connected to this or that. And initially you’ll have personalized bots. Mark Zuckerberg said he would have his robot by the end of the year, a personalized butler that he could provide.

    Dairus Rochebin: Like in „Downtown Abbey”, will we have our own personalized robot butler? Our own slave?

    Klaus Schwab: Yes, but with a difference. It’s a servant that learns with artificial intelligence, so it’s not just your assistant for manual labor, it can become an intellectual partner.

    Questions remain open

    Today, seven years later, we are literally bombarded with news about the inevitability to digitization, artificial intelligence and global networking.

    The words of Schwab and Harari are not so new. The question is, was Calhoun a genius? Where did he get this foresight, at a time when few people had telephones with dials? These conclusions cannot be drawn from the mouse experiment.

    And if the philanthropists of this world were and are so interested in the welfare of mankind, why did they not inform mankind about the imminent danger of the „Last Judgment” already in 1970?

    And why was there no public debate about the future of humanity?

    And why is the future of the „thinking prostheses”-human beings without alternative?


    Sources (as of 01.09.2023)

  • Die digitale Konditionierung

    Die digitale Konditionierung

    Kleine Anpassungen deines Lifestyles können auf lange Sicht große Auswirkungen haben. Es fängt harmlos an, wie ein neuer Trend. Laut Wikipedia „prägte der US-amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt den Begriff Megatrend. Dieser beschreibt lang anhaltende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen, die zahlreiche Lebensbereiche (u.a. Arbeitswelt, Konsum- und Freizeitverhalten, Gesundheit, Bildung, kulturelle Identität und politische Teilhabe) massiv beeinflussen. Megatrends verändern das Leben aller Menschen weltweit, wirken in verschiedenen Regionen und Gruppen aber unterschiedlich, zeitlich versetzt und keineswegs immer stetig voranschreitend. Sie stehen miteinander in Wechselwirkung.“

    Vor Sieben Jahren eröffnete Amazon in Seattle eine neue Art von Geschäft mit der weltweit fortschrittlichsten Einkaufstechnologie. Keine Warteschlangen, kein Auschecken – einfach zugreifen und loslegen!

    Wer will nicht mit den neuesten Technologie-Trends Schritt halten. Das ist so EASY, SCHNELL und BEQUEM! Wann du willst, was du willst – mehr Freiheit geht ja gar nicht.

    Wer will schon altmodisch sein. Hip ist, mit der Zeit zu gehen.

    Mittlerweile ist der Trend auch bei uns angekommen. „Volle Läden, lange Schlangen an den Kassen – einkaufen kann nicht nur viel Geld sondern auch ganz schön Nerven kosten. München geht jetzt mit einem vollautomatischen Supermarkt neue Wege. Hier kann die Kundschaft sich selbst bedienen – und selbst bezahlen. Ein Pilotprojekt, das Schule machen könnte.“

    Weitere Beispiele findet man hier:

    Doch der digitale Supermarkt hat auch seine Schattenseiten. Hier ein Ausschnitt aus einer Doku „Digitalisierung im Supermarkt“ von Lebensmittel Friedhof.

    Quelle: https://t.me/LebensmittelFriedhof/2084

    Willkommen in der Zukunft:

    • Zutritt nur noch per App
    • Totale Überwachung
    • Identitätsprüfung an der Türe
    • Bargeldlos
    • keine Arbeitskräfte mehr
    • Tag und Nacht geöffnet

    Der Preis für die grenzenlose Bequemlichkeit ist die 100 prozentige Transparenz deines Einkaufsverhaltens. Du kannst dich fragen: „Na und? Hat doch eh schon jeder meine Daten. Ich habe auch nichts zu verstecken.“ … und der Klassiker: „Was haben sie denn davon?“

    Was denkst du, könnte passieren, wenn man deinen Einkauf an dein CO2-Budget koppelt?

    Und was könnte passieren, wenn man Informationen aus deiner digitalen Brieftasche – eID – als Voraussetzung für den Zugang zum Laden verwendet?

    Mehr Infos dazu in dem Artikel „Die Europäische Digitale ID“.

    Alles hat seinen Preis – auch Bequemlichkeit!


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

  • Europäische Digitale ID

    Europäische Digitale ID

    You’ll Never Walk Alone

    „Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken.“
    Peter Ferdinand Drucker – US-amerikanischer Ökonom

    Wenn Du nach den wichtigsten Nachrichtenthemen der letzten Monate gefragt wirst, was fällt Dir spontan ein? Ist es die Klimakrise, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise, die steigende Inflation, die Bankenkrise, das Verbrenner-Aus, das Verbot von Gas- und Ölheizungen oder die täglichen Highlights der Shootingstars der Bundesregierung oder aber auch die eine oder andere Weisheit aus der lokalpolitischen Ecke? Diese Liste kann man täglich neu definieren.

    In diesem multimedialen „Panoptikum“ erscheint der Beitrag der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen vom September 2020 zu dem Thema „Europäische Digitale Identität“ eher langweilig, nichtssagend und zum Vergessen prädestiniert.

    Noch einmal zum Nachlesen:  Aus diesem Grund wird die Kommission demnächst eine sichere europäische digitale Identität vorschlagen. Eine, der WIR vertrauen, und die Bürgerinnen und Bürger überall in Europa nutzen können, um alles zu tun, vom Steuern zahlen bis hin zum Fahrrad mieten. Eine Technologie, bei der WIR selbst kontrollieren können, welche Daten wie verwendet werden.“

    Das klingt alles harmlos und positiv. Aber wer mit WIR gemeint ist, wird leider nicht erklärt. Das versucht Bundesfinanzminister Cristian Lindner, der dieses „Schlüsselprojekt mit Macht vorantreiben“ will (bzw. muss), zwei Jahre später etwas genauer zu erklären.

    Pressekonferenz nach der Kabinettsklausur in Meseberg am 31.08.2022
    Quelle: ZDFheute Nachrichten
    (https://www.youtube.com/watch?v=OtCvcSWibE0)

    Wenn sich das Bundesfinanzministerium für dieses Thema begeistern lässt, dann wäre es ratsam, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken, bevor das Thema uns mehr Aufmerksamkeit schenkt. 

    Nach dem Motto „Traue keinem Politiker“ ist es naheliegend, nach weiteren Details zum Thema „Digitale Identität“ bei denjenigen zu suchen, die für die konkrete technologische Umsetzung verantwortlich sind. Diese Suche führt uns direkt zu dem französischen High-Tech Konzern THALES, der bei vielen staatlichen Digitalprojekten auf Regierungsebene weltweit eine Schlüsselrolle spielt.

    Die THALES Group mit Sitz in Paris ist ein börsennotierter Rüstungskonzern mit Fokus auf folgenden Geschäftsbereichen: Rüstungsindustrie, Luft- & Raumfahrttechnik und Digitale Identität & Sicherheit.

    Der Bereich Digitale Identität & Sicherheit umfasst Kernkompetenzen in den Technologiesegmenten Biometrie, Datensicherheit und Verschlüsselung.

    Aus der Sicht des Benutzers ist der technologische Dreh- und Angelpunkt der europäischen digitalen Identität und der eID-Karte, auch digitale Brieftasche oder EU ID genannt, das Smartphone. Mit dieser digitalen Geldbörse/Brieftasche können Bürger der Europäischen Union und Angehörige des Europäischen Wirtschaftsraums verschiedene persönliche (biometrische) Daten und Dokumente mit einer App digital speichern und in allen EU-Mitgliedstaaten nutzen.

    Die europäische digitale Brieftasche basiert auf der „Digital ID Wallet“ – einer Systemlösung von THALES. Die praktische Funktionsweise ist in diesem Werbevideo von THALES kurz und knapp zusammengefasst.

    Was will uns diese Werbung eigentlich sagen und subtil übermitteln?

    Wir lernen die junge attraktive Frau mit dem Namen Lucy kennen. Warum Lucy und nicht Angela, Ursula, Annalena, Nancy, Lisa, Steffi, Bettina, Svenja oder Klara?

    Den Namen Lucy kann man mit dem gleichnamigen Action- und Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2014 assoziieren. In dieser fiktiven Story steigert die 25-jahrige Studentin Lucy durch eine hohe Dosis einer Drogensubstanz die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns rapide und kann immer mehr Anteile ihrer „Gehirnkapazität“ nutzen. Nachdem Sie Ihre Gehirnleistung auf 100 % gesteigert hat, verschmilzt der Körper von Lucy mit sämtlichen Geräten eines wissenschaftlichen Labors zu einem neuartigen Supercomputer. Dabei macht Lucy eine Zeitreise bis zu den Ursprüngen des Universums.  Sie trifft dabei ihre Namensvetterin Lucy, die vor ca. 3,2 Millionen Jahre gelebt hat und in der menschlichen Evolutionstheorie häufig als das fehlende Bindeglied zwischen Affe und Mensch bezeichnet wird. Nach dieser biblischen Begegnung zerfällt der Supercomputer und die Stimme von Lucy verkündet „I AM EVERYWHERE (Ich bin überall). Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Macht etwas daraus!“

    Soll uns die THALES-Lucy auf den nächsten Meilenstein unserer evolutionären Entwicklung einstimmen?

    Sie ist auch noch Psychologiestudentin. Die Psychologie, auch Seelenkunde genannt, ist eine empirische Wissenschaft, deren Ziel es ist, menschliches Erleben und Verhalten zu beschreiben und zu erklären. Psychologen befassen sich mit dem Erleben, Verhalten und Bewusstsein von Menschen.

    Will man dem Zuschauer suggerieren, dass man dieser evolutionären“ Technologie vertrauen kann?

    Im weiteren Verlauf stellt sich die Digitale ID-Brieftasche selbst als praktische Möglichkeit für den Identitätsnachweis und den Identitätsschutz vor. Mit Ihrer Hilfe kann jetzt die Regierung besser mit uns kommunizieren. Und als erstes wird man an seinen nächsten Termin für die Pflichtimpfung erinnert.

    Für den Zuschauer erscheint das Digitale ID Wallet „wie ein «guter Hirte», deren Aufgabe es ist, «über die man wacht, Gutes zu tun»“. Das ist ein klassischer Fall von moderner Biopolitik und Gouvernementalität. Eine detaillierte Erläuterung dieser Macht- und Regierungstechniken zur Überwachung und Lenkung des Verhaltens von Subjekten und Kollektiven finden man in dem Beitrag „Die Corona-Pandemie – Möge die Bio-Macht mit Dir sein“.

    Im biopolitischen Sinne wird die Bevölkerung in erster Linie als „Produktionsmaschine zur Erzeugung von Reichtum, Gütern und weiteren Individuen“ betrachtet. Die Biopolitik sorgt für Rahmenbedingungen, die der Produktionsmaschine nützlich sind. Dabei wird das Individuum nach seiner Nützlichkeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Zustände bewertet. Zu diesem Zweck wird der Einzelne immer an einer Norm gemessen.

    Dafür braucht die Obrigkeit sehr viele Informationen, um alles über z.B. „Ressourcen, Einwohnerzahl, Reichtum, Wohnverhältnisse, Kaufverhalten, Mobilität, Ausbildungsstand, Qualifikationen, Konsumverhalten, Krankheitshäufigkeit, und Gesundheit der Einwohner eines Staates zu erforschen“. Als Ergebnis der Auswertung dieser Daten definiert die Biopolitik verschiedene Regulierungsmechanismen (Normen). Die Biopolitik beschäftigt sich mit der Lebensführung, reguliert und kontrolliert diese durch die Festlegung von Idealen und Normen. Die Aufgabe der Bürger ist es, diesen Normen bestmöglich zu entsprechen, Abnormales zu korrigieren und im Idealfall gänzlich zu vermeiden.

    Mit anderen Worten teilt uns das Digitale ID-Wallet mit, dass es ein effizientes und für die Obrigkeit ein kostengünstiges Werkzeug ist, uns zeitnah über Regulierungsmechanismen (Normen) zu informieren und uns an deren Einhaltung zu erinnern. (Hier am Beispiel einer Pflichtimpfung.) Das setzt natürlich voraus, dass die Obrigkeit auch genaustens über unsere elektronischen Patientenakten Bescheid weiß.

    Diese soll übrigens ab Ende 2024 für alle Bürger verbindlich werden. „Wer nicht ausdrücklich widerspricht, ist automatisch dabei.“

    Und wie die Biopolitik mit denjenigen umgeht, die den festgelegten Normen nicht entsprechen, wurde bereits in „Die Corona-Pandemie – Möge die Bio-Macht mit Dir sein“ beschrieben.

    In dem Werbefilm wird die digitale Brieftasche weiter als Autorisierung zur Teilnahme am Staatsexamen benutzt. Sie „erleichtert“ die Kommunikation mit dem Finanzamt und anderen staatlichen Behörden, und ermöglicht den Zugang zu Finanz- oder Mobilitätsdienstleistungen. Nicht zu vergessen der Link zwischen dem Digital ID-Wallet und der elektronischen Patientenakte beim Arztbesuch. Sogar für den Zugang in eine Kneipe sollte der „gute Hirte“ zur Seite stehen.

    Ja, ich bin Lucys bester Begleiter. Ich beschütze Ihre Identität und amtliche Legitimation, wo immer sie ist. Ich garantiere den sicheren Zugang zu öffentlichen und privaten Dienstleistungen. Ich erlaube den richtigen Zugang zu den richtigen Daten an die richtige Person. Auch Regierungen vertrauen mir bei der Unterstützung der digitalen Transformation deren Länder.“ – fasst die Digitale Brieftasche am Ende zusammen.

    Grob gesagt, ist man durch die Verwendung des Digital ID-Wallets und dem damit verbundenen Zugriff auf seine biometrischen Merkmale fälschungssicher transparent! Und wenn man den Normen, die vom „guten Hirten“ festgelegt werden, nicht entspricht, könnte man – wenn es Hart-auf-Hart kommt – am Ende ganz nackt dastehen.

    Bei dem einem oder anderen Kritiker der Corona-Politik der Regierung in den letzten drei Jahren werden dabei Erinnerungen wach.

    Dass es sich nicht um reine Firmenwerbung, sondern um knallharte EU-Doktrin handelt, wird in dem offiziellen Dokument von THALES „Welcoming The Wallet“ verdeutlicht. Auf Seite 7 liest man folgendes:

    Die ursprüngliche Liste der Sektoren, die die Brieftasche nutzen sollen, lautet wie folgt:

    1. Verkehr
    2. Energieversorgung
    3. Bankwesen und Finanzdienstleistungen
    4. Soziale Sicherheit
    5. Gesundheit
    6. Trinkwasserversorgung
    7. Postdienste
    8. Digitale Infrastruktur
    9. Bildung
    10. Telekommunikation

    Sehr große Online-Plattformen (definiert als Plattformen mit mehr als 45 Millionen durchschnittlichen monatlichen Nutzern in der EU), die sozialen Medien und andere globale Anbieter werden ebenfalls verpflichtet sein, die Brieftasche zu akzeptieren.

    „Eine Überprüfung durch die EU-Kommission wird innerhalb von 18 Monaten nach der Umsetzung erwartet. Sollte diese Überprüfung ergeben, dass die Akzeptanz und Annahme nur schleppend verlaufen ist, könnten neue Anstrengungen oder eine strengere Durchsetzung unternommen werden, um die Akzeptanz zu erhöhen.“

    Der Countdown läuft:

    xxxxx
    Quelle: THALES „Welcoming The Wallet“, Seite 9

    In Kombination mit der Europäischen Digitalen Identität verwandelt sich das Smartphone in ein spezifisches, technisches Instrument, um Regierungstechniken zur Überwachung und Lenkung sowohl von Kollektiven als auch von einzelnen Individuen umzusetzen. Diese Umsetzung hat zwei Dimensionen:

    a) politische Dimension

    Definierte Sicherheits- und Vorkehrungsregeln wirken dabei als Kontrollmechanismus der Bevölkerung, um Gefahren zu erkennen und so weitreichend wie möglich auf die Handlungsweisen der Bevölkerung und freien (kollektiven) Subjekte zu wirken (z.B. Neben Pandemien wird der Klimawandel zunehmend als Gefahrensituation definiert).

    b) unternehmerisch-wirtschaftliche Dimension

    Da das Smartphone zu einem alltäglichen Begleiter wurde, werden anhand dieses spezifischen Instruments unzählige Daten generiert, die von Unternehmen verwendet werden, um unter anderem das Kaufverhalten oder Lebensgewohnheiten zu prognostizieren und umfassende Maßnahmen zu setzen, damit auf die Art und Weise, wie die Bevölkerung, wie auch (kollektive) Subjekte leben, eingewirkt werden kann.

    Die politische Dimension der Überwachung und Kontrolle ist „sichtbar“. Meistens erfolgt sie auf die „harte Go-NoGo“ Weise. Bei fehlender Kompatibilität mit den vorgegebenen Normen folgen unmittelbar Konsequenzen (von Exklusion bis hin zu weitreichenden Disziplinarmaßnahmen).

    Die unternehmerisch-wirtschaftliche Dimension wirkt eher subtil, „unsichtbar“ und diskret. Dadurch werden die Ideale und Normen propagiert. Im Vordergrund steht die „Förderung“ derjenigen, die der Norm entsprechen.

    THALES hat auch für diese Dimension das passende Werbevideo mit dem Titel „Vertrauenswürdige digitale Leben“ kreiert.

    Die Werbestory suggeriert grenzenlosen Spaß und Bequemlichkeit, wenn man sein Leben digitalisiert. Der Schlüssel zu diesem Paradies ist die digitale Erfassung der biometrischen Daten und deren permanente Verbindung mit dem eigenen Bewegungs- und Verhaltensprofil.

    Nach der Logik von Michel Foucault, dem Erfinder der Begriffe „Biopolitik“ und „Gouvernementalität“ ist das Ziel, neben dem Erhalt/Aufbau eines globalen Gleichgewichtszustandes, die Sicherheit des Ganzen und dessen Schutz vor inneren Gefahren. Da die Bevölkerung vielfältig ist, geht es zum einen darum, die Gefahren zu erkennen und zum anderen auch darum, eine Form der Regierung zu finden, die so weitreichend ist, dass sie bis in die verborgensten Winkel der Bevölkerung Wirksamkeit zeigt. Die Bevölkerung zu führen heißt, ihrer globalen Befunde zu führen; die Bevölkerung zu führen heißt, sie gleichermaßen in der Tiefe, in der Feinheit und im Detail zu führen.“

    Die Einführung der Europäischen Digitalen Identität stellt die logische Fortsetzung der modernen Biopolitik und Gouvernementalität mit neusten technologischen Mitteln dar. Man schafft dabei die Basis, um weitere immer ausgereiftere künstliche intelligente Systeme zu entwickeln oder zu optimieren, die unser Verhalten auf logisch-mathematische Prozesse reduzieren, um diese auf Grundlage der gewonnenen Daten immer effizienter zu gestalten. Zu diesem Thema empfehle ich dem interessierten Leser den Artikel „6G – Die „kambrische“ Explosion der Künstlichen Intelligenz“.

    Die Einführung der Europäischen Digitalen Identität soll vorerst freiwillig sein, d.h. nur auf Wunsch jedes einzelnen Bürgers. Damit sollen erstmal die meisten Skeptiker und Kritiker beruhigt werden. Nach dem Motto – wenn mich etwas nicht betrifft, interessiert es mich nicht.

    Man muss jedoch dabei bedenken, dass sich die moderne Gesellschaft nicht mehr ihren Bürgern anpasst, sondern die Bürger orientieren sich an ihrer Gesellschaft. Die Geschehnisse der letzten drei Jahre haben deutlich gezeigt, wie das in der Praxis funktioniert.

    Noch einmal zur Erinnerung – sollten die Akzeptanz und Annahme der digitalen Identität nur schleppend verlaufen, könnten neue Anstrengungen oder eine strengere Durchsetzung unternommen werden, um die Akzeptanz zu erhöhen.

    Während man noch zaghaft versucht, mit der Aufarbeitung der Corona-(Bio)Politik aus den letzten Jahren anzufangen, werden im öffentlichen Raum schon die nächsten Narrative skizziert:  Ein festes CO2-Budget pro Kopf – wie ginge das? oder Die Klima-Buße – Warum die Deutschen wollen, dass Klimaschutz wehtut. Aus den Skizzen werden demnächst Normen, an denen jeder Einzelne mit Hilfe von seinen biometrischen Merkmalen fälschungssicher permanent gemessen sein wird.

    Inwieweit dann Pamela, Soraya, Carl und Antoine aus dem letzten Werbefilm von THALES noch fröhlich über den Bildschirm springen dürfen, bleibt abzuwarten. Auch „nützliche Idioten“ können „nutzlos“ werden, wenn sich die Norm ändert, an der sie gemessen werden. Aber ich bin mir sicher, dass die Marketingabteilung von THALES auch für solche Fälle das passende Werbevideo haben wird.

    Die digitale Brieftasche soll uns in guten und in schlechten Zeiten begleiten, bis das der Tod uns scheidet. Und möge der Weg dorthin mit purer Leidenschaft gepflastert sein – so wie in diesem Song von Police:


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

  • Die Corona-Pandemie – Möge die Bio-Macht mit Dir sein

    Die Corona-Pandemie – Möge die Bio-Macht mit Dir sein

    Sind Ihnen die Begriffe „Bio-Macht“ bzw. „Biopolitik“ bekannt? Und was haben diese Begriffe mit der Corona-Pandemie zu tun? Beim Versuch die Geschehnisse der letzten drei Jahre zu erklären, entdeckt man erstaunliche Zusammenhänge.

    Erinnern Sie sich noch an die historischen Aussagen der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel?

    „Die überwältigende Mehrheit der Menschen hat verstanden, dass es jetzt auf jeden und jede ankommt. Dass jeder und jede seinen Teil dazu beitragen kann, aber auch muss, das Virus aufzuhalten.“

    „Bitte ziehen Sie alle mit. Tun sie jetzt das, was richtig ist für unser Land. Zeigen Sie Vernunft und Herz.“ „Ich bin überzeugt: Dieser Gemeinsinn, dieses „Wir treten füreinander ein“ wird uns alle gemeinsam durch diese schwere Zeit tragen.“ [Pressekonferenz]

    „Die Pandemie wird nicht verschwinden, bis wir wirklich einen Impfstoff haben.“ [WELT]

    „Niemand ist für sich allein geschützt… Ich sage allen, die noch unsicher sind, ob sie sich impfen lassen wollen: Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jemanden, dem Sie nahestehen, der Ihnen wichtig ist, den Sie lieben. Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir sein …“

    Ist Ihnen das klare Statement von Bundeskanzler Olaf Scholz im Gedächtnis geblieben?

    „Wir werden alles tun, was notwendig ist, es gibt da für die Bundesregierung keine roten Linien. Die Bundesregierung wird nicht einen einzigen Augenblick ruhen, und wir werden jeden nur möglichen Hebel bewegen, bis wir alle unser früheres Leben und alle unsere Freiheiten zurückbekommen haben.“ [yahoo!]

    Mit welchen Assoziationen verbinden Sie Schlagzeilen wie:

    „Impfen ist und bleibt der einzige Ausweg aus der Pandemie.”
    Tim Szent-Ivanyi, Redakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND)

    „… dass die wichtigste und wirkungsvollste Maßnahme die Impfung ist und bleibt”
    Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband

    „Es ist ganz einfach: Alle sechs Monate impfen”
    Prof. Dr.Christoph Wenisch, Wiener Infektiologe

    „Impf-Nebenwirkungen: Es gibt keine Alternative zur Impfung”
    Peter Toussaint, Redakteur, NRZ

    „Corona-Impfung ist eine Christen-Pflicht“
    Manfred Lütz, Arzt und Theologe

    „Der einfachste Weg ist, sich impfen zu lassen. Auch der gesündeste. Ich möchte schon alleine deshalb keine Impfpassfälscher als Mitarbeiter haben, weil ich nicht so gerne Spinner beschäftige. Wer weiß, an welchen Blödsinn die sonst noch alles glauben.”
    Jürgen Kaube, Herausgeber FAZ, Journalist

    „Impfgegner sind Staatsfeinde”
    Udo Knapp, Politologe und Redakteur taz

    „Coronaleugnerinnen und Coronaleugner müssten konsequent dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet werden”
    Georg Maier (SPD), Thüringens Innenminister

    „Kassenärzte fordern Ausschluss Ungeimpfter von Ärzten und Psychotherapie”
    Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg

    „Der Zutritt in den Laden [Lebensmittelausgabe für Bedürftige] ist nur für nachweislich geimpfte oder genesene Personen (2G) erlaubt”
    Tante Emma Rodgau e.V., Lebensmittelausgabe für Bedürftige

    Teilen Sie die Ansichten der AUF1-Autoren in dem Beitrag:
    Keine Pandemie-Amnestie“?

    Stellen Sie sich auch die Frage, wie konnte das passieren? Könnte es sein, dass die Antwort die ganze Zeit vor unserer Nase lag?

    Die Suche nach der Antwort führt uns zu dem französischen Philosophen Michel Foucault (1926-1984). Von 1970 bis zu seinem Tod war Foucault der Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Denksysteme an der Prestigeuniversität Collège de France in Paris. In seinen Werken widmete er sich neben philosophischen auch historischen, psychologischen und später vermehrt politischen Fragen. Dabei fokussierte er sich auf Konzepte und Verfahren der Machtanalyse. Seine Arbeiten verstand er dabei als „Werkzeugkisten“.
    [Wikipedia: Michel Foucault]

    Zu diesen Werkzeugen gehört unter anderem das Konzept der modernen Gouvernementalität. Darunter versteht Foucault ein ganzes Bündel von Erscheinungsformen neuzeitlicher Regierungstechniken, die es gestatten, das Verhalten von Subjekten und Kollektiven als machtgesteuerte und machtdurchzogene Objekte zu überwachen und zu lenken. Er betrachtet die Gouvernementalität als Basis für das Überleben des Staates.
    [Wikipedia: Gouvernementalität]

    Weiterhin definiert Foucault den Begriff Bio-Macht, zunehmend auch Biopolitik genannt. Mit Bio-Macht bezeichnet er Machttechniken, die „nicht auf den Einzelnen, sondern auf die gesamte Bevölkerung abzielen“. Unter Bevölkerung versteht er „eine Gruppe, die nicht einfach nur aus vielen Menschen besteht, sondern aus Menschen, die von biologischen Prozessen und Gesetzen durchdrungen, beherrscht und gelenkt sind. Die Bevölkerung verbindet er mit verschiedenen Parametern wie „einer Geburtenrate, einer Alterskurve, einem Gesundheitszustand“, usw.
    [Wikipedia: Bio-Macht]

    “Das Ziel der Bio-Macht bei Foucault ist die Regulierung dieser so definierten Bevölkerung insbesondere durch die Regulierung ihrer Fortpflanzung, der Geburten- und Sterblichkeitsrate, des Gesundheitsniveaus, der Wohnverhältnisse, u.a.“
    [Wikipedia: Bio-Macht]

    Im biopolitischen Sinne wird die Bevölkerung in erster Linie als “Produktionsmaschine zur Erzeugung von Reichtum, Gütern und weiteren Individuen“ betrachtet. Die Bio-Macht sorgt für Rahmenbedingungen, die der Produktionsmaschine nützlich sind. Dabei wird das Individuum nach seiner Nützlichkeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Zustände bewertet. Zu diesem Zweck wird der Einzelne immer an einer Norm gemessen. Er wird an ihr ausgerichtet und muss vor ihr bestehen.
    [Wikipedia: Bio-Macht]

    Dafür braucht die Obrigkeit sehr viele Informationen, um alles über z.B. “Ressourcen, Einwohnerzahl, Reichtum, Wohnverhältnisse, Krankheitshäufigkeit und Gesundheit der Einwohner eines Staates zu erforschen“. Als Ergebnis der Auswertung von diesen Daten definiert die Bio-Macht verschiedene Regulierungsmechanismen (Normen), die sich z.B. “auf die Hygieneregeln, Kinderpflege, Alterssicherung, Krankenversicherung und die Schulpflicht konzentrieren“.
    [Was ist Bio-Macht für Michel Foucault und Giorgio Agamben?, Kapitel 3. Techniken und Anwendungsgebiete der Biopolitik]

    Die Bio-Macht begegnet uns täglich. “Ein bekanntes Phänomen moderner Gesellschaften ist das wachsende Dickicht an Regulierungsvorschriften im beruflichen und privaten Alltagsleben.“ Der Trend zu mehr Regulierung erscheint ungebrochen. Aus biopolitischer Perspektive sind “Form und Ausmaß der Regulierungsaktivitäten nur die unausweichliche und notwendige Konsequenz einer sich immer weiter ausdifferenzierenden, immer reicheren und immer komplexeren Wirtschaft und Gesellschaft“.
    [Regulierungsdickicht – ein Problem?]

    Da die Bio-Macht „die Bevölkerung als statistische Masse“ wahrnimmt, kontrolliert und regiert, wird die Krankheit im biopolitischen Sinne „nicht mehr als ein Problem eines einzelnen Körpers betrachtet, sondern auf die Problematik des kollektiven Gesamtkörpers gerechnet“.
    [Foucault II: Der Virus und die Biopolitik/-macht]

    Dabei gilt es, Informationen und Statistiken zu erheben und zu zentralisieren, Relationen und Gefahrenabschätzungen zu definieren und daraus biopolitische Regelungen abzuleiten, so z.B. Hygienemaßnahmen, Quarantänemaßnahmen, Vorsorgeuntersuchungen, Medikation usw. So betrachtet, stilisiert sich “der Umgang mit dem Coronavirus als ein Lehrbuchbeispiel von Biopolitik“.
    [Über die (Un)Möglichkeiten einer demokratischen Biopolitik]

    Aus der Sicht des Individuums erscheint diese Regierungstechnologie „wie ein «guter Hirte», deren Aufgabe es ist, «über die man wacht, Gutes zu tun». Der Zweck dieser Form der Macht liegt darin, «die Individuen dazu zu zwingen, ihre Arbeitsleistung, ihre Kräfte, ihre Fähigkeiten zu steigern, kurz, alles das zu erhöhen, was für ihre Verwendung im Produktionsapparat der Gesellschaft notwendig»“ ist.
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 217]

    Auf der Basis dieser Regulierungsmechanismen (Normen) wird eine „Unterscheidung von «normal» und «anomal»“ vorgenommen. Man definiert „Korrekturinstrumente“, die zur „Transformation des Individuums“ und seines Verhaltens als integraler Bestandteil der Bevölkerung beitragen. (Anmerkung: von griechisch „anómalos“: „uneben, unregelmäßig“, sinnverwandte Wörter: abnorm, gesetzwidrig, regelwidrig, ungewöhnlich, unnormal, untypisch)
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 217]

    Als Ergebnis erhält man „eine Hierarchie von Individuen mit mehr oder weniger großen Fähigkeiten. Der eine entspricht einer bestimmten Norm, der andere weicht davon ab. Den einen kann man bessern, den anderen nicht. Den einen kann man mit einem bestimmten Mittel bessern, beim anderen muss man andere Mittel einsetzen. Diese Einordnung der Individuen nach dem Grad ihrer Normalität ist eines der großen Machtinstrumente der heutigen Gesellschaft.“
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 218]

    Bei der Normierung im biopolitischen Sinne verwendet man „zwei komplementäre Formen von Gerechtigkeitsmechanismen:
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 223]

    • die soziale Sorge basierend auf vereinbarten Gleichheits- und Solidaritätsdoktrinen
    • die „naturgesetzlich“ entstehende Gerechtigkeit durch „natürliche“ Mechanismen wie Konkurrenz und Wettbewerb.“

    Während einer Extremsituation, wie bei einer Pandemie, rücken „zwei wesentliche biopolitische Regierungstechniken“ in den Vordergrund:

    • „biopolitische Sorge gemäß einer Solidaritätsdoktrin“
    • „Staatsrassismus“

    Beide Regierungstechniken begründen Ihre Legitimation „in der Reaktion auf biologische Bedrohungen“ für das Leben des Einzelnen und der Bevölkerung.

    Im ersten Fall fokussiert man auf das Narrativ, „dass die (hygienische oder biopsychosoziale) Sorge um den Anderen auch die eigene Sicherheit erhöht, das eigene Leben steigert, wie auch jenes der Gattung (Menschheit)“.

    Im zweiten Fall fokussiert man sich auf die Beseitigung der biologischen Gefahr und dadurch die Gattung selbst oder die Rasse direkt zu stärken. „Denn, so die implizite Logik, «je mehr anomale Individuen vernichtet werden, desto weniger Degenerierte gibt es in Bezug auf die Gattung, desto besser werde ich – nicht als Individuum, sondern als Gattung – leben, stark sein, kraftvoll sein und gedeihen»“.
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 228]

    Unter diesen Bedingungen wird die Moral gewissermaßen verrechtlicht und in der Folge verstaatlicht. Das Recht verliert seine rationale Fundierung – es wird wertbegründet.
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 231]

    Man urteilt im Namen einer „Solidarität“. In seinem Werk Geburt schreibt Foucault: „Mit einer Hand muss die Freiheit hergestellt werden, aber dieselbe Handlung impliziert, dass man mit der Anderen Einschränkungen, Kontrollen, Zwänge, auf Drohungen gestützte Verpflichtungen usw. einführt“.
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 232]

    Es ist bemerkenswert, dass die oben beschriebenen Wesensmerkmale der Bio-Macht bzw. Biopolitik bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von Michel Foucault detailliert definiert und beschrieben wurden und als Vorlesungsmaterial am Lehrstuhl für Geschichte der Denksysteme an der Prestigeuniversität Collège de France in Paris dienten.

    Mit diesem Hintergrund erscheinen die am Anfang des Artikels exemplarisch ausgewählten Regierungstatements und Schlagzeilen aus der Presse in einem anderen Licht. Es handelt sich nicht um zufällige und voneinander unabhängige Ereignisse von inkompetenten und/oder korrupten Individuen. Hier geht es um ein Szenario, dass nach einem Lehrbuch abläuft.

    Biopolitik ist in der Regel „eine dauernd aktive unterschwellige Politik, die gar nicht zu viel ins Rampenlicht gerückt werden will. Biopolitik ist selten eine ganz große laute Politik, sondern vielmehr oftmals im kleinen Maße tätig, leise, nahezu unbemerkt“.
    [Über die (Un)Möglichkeiten einer demokratischen Biopolitik]

    Die Biopolitik im 20. und 21. Jahrhundert agiert zwischen zwei gegensätzlichen Polen – auf der einen Seite stehen die dominierenden Machttechniken des Vorsorgestaates, auf der anderen Seite sind die passiven Machttechniken des Liberalismus. „Markt und Plan, unsichtbare oder sichtbare Hand, zentrale Steuerung oder Selbstorganisation – zwischen diesen Polen lassen sich die Versuche der Bio-Macht verorten, das menschliche Leben ökonomisch zu regieren.“
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 232]

    „Gefährliche Epidemien oder Pandemien besitzen folglich das Potential“, die biopolitische Transformation der Gesellschaft und „die von Foucault beschriebene Gouvernementalisierung des modernen Staates zu intensivieren, indem Maßnahmen gesetzt werden, die über infektionsepidemiologisch indizierte Schutzmaßnahmen mit dem Ziel der Eindämmung der epidemischen Krankheitsverbreitung klar hinausgehen“.
    [Die Covid-19-Pandemie aus biopolitischer Perspektive nach Foucault, S. 233]

    In seinen Arbeiten war es Foucault wichtig zu betonen, dass „die Machttransformationen, die sich z.B. in Extremsituationen“ wie Seuchen oder Pandemien „entwickeln und verfestigten, nicht als Ausnahmefälle“ zu betrachten sind, „sondern als die Geburten und In-Kraft-Setzungen neuer allgemeingültiger und auch nach der Seuche weiter geltender Verhältnisse“. Es geht um das Entstehen und Verfestigen der neuen Machtparadigma und dessen Normalisierung.
    [Foucault: In der Seuche die Disziplinarmacht]

    Es ist die Bio-Macht, die in der Vor-Corona-Zeit weitestgehend diskret und mit „unsichtbarer“ Hand die liberale westliche Gesellschaft lenkt. Die Regulierungsmechanismen (Normen) sind zu dieser Zeit vorwiegend auf Selbstorganisation gerichtet. Der größte Teil der Bevölkerung ist im biopolitischen Sinne „normal“ und „förderungswürdig“. Man fühlt sich wohl in der „Wohlfühlgesellschaft“ und genießt die freiheitlich demokratische Grundordnung.

    Es ist dieselbe Bio-Macht, die die weltweite Pandemie ausruft und in diesem Zusammenhang dominierende Machttechniken mehr oder weniger über Nacht zum Einsatz bringt. Die Regulierungsmechanismen (Normen) werden um 180 Grad gedreht und der Vorsorgestaat enttarnt sich. So wird aus der Demokratie über Nacht eine „Demokratur“. Die Mehrheit der Bevölkerung adaptiert zu den neuen Regulierungsnormen (The New Normal) und gilt nach wie vor als „normal“ und „förderungswürdig“. Jedoch eine nicht zu vernachlässigende Minderheit hat aus unterschiedlichen Gründen zunehmend Probleme, die neuen Normen zu befolgen und wird im biopolitischen Sinne „anomal“. Diese Gruppe der Bevölkerung „genießt die Vorzüge“ der gesellschaftlichen Exklusion. In dieser Gruppe wacht man langsam auf.

    Mit dieser biopolitischen Denklogik lässt sich die Tatsache erklären, wie aus Politikern, die seit Jahrzehnten eingeschworene Demokratieverfechter waren, plötzlich fanatische Propagandisten von freiheitsraubenden Maßnahmen „ohne rote Linien“ werden. Damit lässt sich die tiefe Zäsur in der Gesellschaft erklären, die bis in die einzelnen Familien und bis in Freundes- und Bekanntenkreise reicht.

    Dieselbe Bio-Macht lässt nun die Corona-Pandemie ausklingen und erweckt den Anschein, dass man wieder zur Normalität zurückkehrt. Aber welche Normalität? Handelt es sich um die besagte „360 Grad Drehung“ und wir kehren zurück in die Vor-Corona-Ära? Wohl kaum!

    Manch einer fragt sich – Aber warum denn nicht? Wir fangen doch gerade an, den Umgang mit der Corona-Pandemie aufzuarbeiten, so wie in dem anfangs gezeigten AUF1-Beitrag. Man wird die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen. Wir werden dafür sorgen, dass sich das NIE WIEDER wiederholt. Es kann zwar ein bisschen dauern, aber es wird die Zeit kommen, wo sich die „Normalen“ und „Anomalen“ aus der Pandemiezeit wieder die Hand reichen und nach vorn schauen. Ende gut – Alles gut.

    Durch die „temporäre“ Verschiebung der Regulierungsnormen in Bezug auf die Pandemie wird zumindest ein Großteil der „Anomalen“ wieder als „Normal“ klassifiziert. Im biopolitischen Sinne wechselt diese Gruppe vom „Exklusions-Modus“ zum „Inklusions-Modus“. Man empfindet, dass man die geraubten Freiheiten bzw. Rechte wiedererlangt. Man hat das Gefühl, der Widerstand hat sich gelohnt und man kann seinen Platz in der Gesellschaft würdevoll zurückbekommen.

    Diese Empfindung ist nicht fiktiv – sie spiegelt die Realität wider. Ich glaube, dass die meisten Leser mir zustimmen werden, wenn ich sage, dass wir seit Anfang 2023 diese Stufe im Umgang mit der Corona-Pandemie erreicht haben. 

    Wie bereits beschrieben, betrachtet Foucault die Machttransformationen, die sich in Extremsituationen entwickeln und verfestigten, nicht als Ausnahmefälle, sondern als Basis für das Entstehen und Verfestigen der neuen Machtparadigma – der neuen Normalität.

    Unter diesem Gesichtspunkt erscheint das berühmte Werk „COVID-19: The Great Reset“ vom geschäftsführenden Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF) Klaus Schwab als ein integraler Bestandteil der modernen Biopolitik und spiegelt in vollem Umfang die Bio-Macht-Denkansätze von Foucault wider.

    Auf der Homepage von dem WEF ist folgendes zu lesen:

    Die Covid-19-Krise und die dadurch verursachten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen verändern den traditionellen Kontext der Entscheidungsfindung grundlegend. Die Ungereimtheiten, Unzulänglichkeiten und Widersprüche mehrerer Systeme – von Gesundheit und Finanzen bis hin zu Energie und Bildung – sind in einem globalen Kontext der Sorge um Leben, Lebensgrundlagen und den Planeten mehr denn je offengelegt. Führungskräfte befinden sich an einem historischen Scheideweg und bewältigen kurzfristigen Druck gegen mittel- und langfristige Unsicherheiten.

    Da wir in eine einzigartige Gelegenheit eintreten, den Aufschwung zu gestalten, wird diese Initiative Einblicke bieten, um all diejenigen zu informieren, die den zukünftigen Zustand der globalen Beziehungen, die Richtung der Volkswirtschaften, die Prioritäten der Gesellschaften, die Art der Geschäftsmodelle und das Management eines globalen Gemeinguts bestimmen.

    Die Great Reset-Initiative basiert auf der Vision und dem umfassenden Fachwissen der in den Gemeinschaften des Forums engagierten Führungskräfte und hat eine Reihe von Dimensionen, um einen neuen Gesellschaftsvertrag aufzubauen, der die Würde jedes Menschen ehrt.

    und weiter:

    Die COVID-19-Sperren mögen allmählich gelockert werden, aber die Besorgnis über die sozialen und wirtschaftlichen Aussichten der Welt nimmt nur zu. Es gibt guten Grund zur Sorge: Ein scharfer Wirtschaftsabschwung hat bereits begonnen, und wir könnten vor der schlimmsten Depression seit den 1930er Jahren stehen. Aber obwohl dieses Ergebnis wahrscheinlich ist, ist es nicht unvermeidlich.

    Um ein besseres Ergebnis zu erzielen, muss die Welt gemeinsam und schnell handeln, um alle Aspekte unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften neu zu gestalten, von der Bildung bis hin zu Sozialverträgen und Arbeitsbedingungen. Jedes Land, von den Vereinigten Staaten bis China, muss sich beteiligen, und jede Branche, von Öl und Gas bis hin zu Technologie, muss transformiert werden. Kurz gesagt, wir brauchen einen „Great Reset“ des Kapitalismus.

    Somit ist es auch nicht überraschend, auf der Homepage des WEF im Kapitel, dass der 4. Industriellen Revolution gewidmet ist, das folgende Zitat zu finden:

    „Macht ist überall: Nicht, dass sie alles verschlingt,
    sondern dass sie von überall herkommt.“

    Michel Foucault, Geschichte der Sexualität

    Die sichtbare und unsichtbare Hand der Bio-Macht ist allgegenwärtig. Und auch, wenn Sie sich nicht für die Bio-Macht interessieren, interessiert sie sich für Sie.

    Egal ob man momentan biopolitisch gesehen „normal“ oder „anomal“ ist, die Bio-Macht ist bereits dabei, uns alle mit den nächsten Extremsituationen zu konfrontieren. Und ihre Auswahl ist reichlich groß. Ein Vorgeschmack auf die unmittelbare Zukunft erhält man in den Artikeln:

    Die Bio-Macht funktioniert wie ein Uhrwerk.

    • TIC – du entsprichst der Regulierungsnorm, du bist „normal“ und wirst gefördert.
    • TAC – du entsprichst nicht der Regulierungsnorm, du bist „anomal“ und wirst „exkludiert“.

    Beachten Sie, die Regulierungsnormen bleiben volatil.

    Diese Volatilität wird uns wohl bis 2030 und darüber hinaus begleiten und unseren Alltag bestimmen.

    Der Bio-Macht sei Dank.


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

  • 6G – Die „kambrische“ Explosion der Künstlichen Intelligenz

    6G – Die „kambrische“ Explosion der Künstlichen Intelligenz

    Im Dezember 2022 hat der US-Konzern Qualcomm seine Entwicklungs- und Anwendungsvisionen für die nächste Mobilfunkgeneration 6G der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Papier trägt den Titel Vision, Markttreiber und Forschungsrichtungen auf dem Weg zu 6G. Wie Qualcomm mit 5G jetzt die Weichen für 6G im Jahr 2030 und darüber hinaus stellt. [1]

    Warum ist es auch für einen Laien lohnenswert, sich den Inhalt dieses Dokuments mal genauer anzuschauen?

    Nun, Qualcomm gehört weltweit zu den Top 5 Halbleiterherstellern und zu den führenden Anbietern von Produkten für die Mobilfunkkommunikation [2],[3]. In diesem Schlüsseltechnologiesegment verfügt das Unternehmen über strategisches Know-how und ist maßgeblich an der Definition der aktuellen und zukünftigen Kommunikationsstandards beteiligt [4],[5]. Branchenkenner wissen schon seit langem, wenn Qualcomm etwas mitteilt, sollte man genauer hinhören.

    Gleichzeitig ist Qualcomm auch ein strategischer Partner des WEF (World Economic Forum). In dem Zeitraum 2018 – 2023 haben führende Unternehmensvertreter fünf Vorträge bei den jährlichen WEF-Meetings in Davos gehalten. Beim letzten WEF-Meeting im Januar 2023 waren es sogar zwei Sessions mit dem Fokus auf die digitale Transformation der Gesellschaft [6],[7].

    Die Mission des WEF lautet wiederum: Das Weltwirtschaftsforum ist die Internationale Organisation für öffentlich-private Zusammenarbeit. Das Forum engagiert die führenden politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Führungskräfte der Gesellschaft, um globale, regionale und industrielle Agenden zu gestalten. Man kann also annehmen, dass zumindest einige der 6G-Visionen von Qualcomm maßgeblich die globalen gesellschaftlich-politischen Visionen des WEF beeinflussen werden.

    Betrachten wir den Pfad zu 6G zunächst aus historischer Sicht (siehe Abb.1).

    Abb.1: Die Entwicklung des Mobilfunks: Mobile has made a leap every ~10 years [8]

    Es hat in den 80er Jahren mit der drahtlosen Sprachkommunikation angefangen (1G). In den 90er Jahren wurde die Sprachübertragung digitalisiert (2G). Und seit Anfang des neuen Jahrtausends hat man zunehmend angefangen, auch Daten mobil zu übertragen. Das Zeitalter des mobilen Internets hat begonnen (3G). Mit dem mobilen Internet wurde auch die drahtlose Kommunikation zwischen Maschinen über große Strecken ermöglicht. In den nachfolgenden zehn Jahren wurde diese Tendenz weiter verstärkt und die schnelle Übertragung von großen Datenmengen bis 1 GB/s technologisch ermöglicht (4G).  Der Anteil der Kommunikation zwischen Maschinen stieg in diesem Zeitraum permanent.

    Seit Ende der letzten Dekade hat man angefangen, die 5G Technologie weltweit einzuführen. Eine schnelle Übersicht was 5G ist, kann man auf der Seite von Qualcomm unter dem Link Everything you need to know about 5G finden. Hier ein kurzer Auszug: „5G ist das Mobilfunknetz der 5. Generation. … 5G ermöglicht eine neue Art von Netzwerk, das darauf ausgelegt ist, praktisch alle und alles miteinander zu verbinden, einschließlich Maschinen, Objekte und Geräte.“

    Mit der Einführung der 5G Technologie wurde die Ära Internet-der-Dinge (IoT) eingeleitet.

    Laut aktuellen Statistiken gab es bereits im Jahr 2021 mehr als 10 Milliarden aktive IoT-Geräte. Schätzungen zufolge wird die Zahl der aktiven IoT-Geräte im Jahr 2030 mehr als 25,4 Milliarden betragen [9].

    Die rasante Entwicklung und Ausbreitung der mobilen Kommunikation insbesondere in den letzten 20 Jahren hat das Mobilfunknetz in ein sehr komplexes Konstrukt verwandelt. Die Instandhaltung, Überprüfung und Optimierung einer solch vielschichtigen Struktur erfordert jede Menge menschliches und technisches Know-how.

    Bereits seit der Einführung der 4G-Technologie wurde dieses Aufgabenspektrum so umfangreich, dass man angefangen hat, Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) einzusetzen, um die komplexen Zusammenhänge im Mobilfunknetz noch besser zu verstehen [10].

    Eine Übersicht zum Thema „Was ist Künstliche Intelligenz?“ findet man hier.

    Die sogenannten „Artificial Intelligence (AI)“-Abteilungen der Mobilfunkbetreiber fokussieren sich bereits seit einigen Jahren auf folgende essentielle Aufgaben wie:

    • Überwachung des Netzbetriebes,
    • Optimierung von Netzwartungsarbeiten,
    • Datenanalyse und Vorschläge für optimales Management des Mobilfunknetzes,
    • Standortoptimierung,
    • Dynamische Netzwerk-Selbstoptimierung bei laufendem Betrieb.

    Das ist ein bemerkenswerter Schritt. Künstliche Intelligenz wird bei der Bewältigung von essentiellen Aufgaben für die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung von kritischer Infrastruktur weltweit eingesetzt. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage, ein Konstrukt, dass er ursprünglich selbst erschaffen hat, allein weiter in Stand zu halten und weiter zu optimieren.

    Und das ist nicht alles.

    Künstliche Intelligenz und Machine Learning (ML) brauchen viel Rechenpower und große Datenmengen. Aus diesem Grund betrachtet man große Rechenzentren als den traditionellen Einsatzort für die Künstliche Intelligenz. Man spricht in diesem Fall von einer sogenannten Cloud-zentrierten KI [11].

    Wie bereits erwähnt, ist mit der Einführung von 5G die Anzahl der vernetzten IoT-Geräte explosionsartig gestiegen. In vielen Anwendungsfällen ist es notwendig, Daten schnell vor Ort an einer Maschine oder in einem Fahrzeug auszuwerten. Man benötigt entsprechende Rechenleistung am Ort des Datenaufkommens. In diesem Fall spricht man von Edge Computing (engl. edge bedeutet Rand).

    Mit anderen Worten: Rechenleistung, Anwendungen, Daten und damit zusammenhängende Dienste verlagert man von zentralen Rechenzentren hin zur Anwendung. Dabei gehen IoT und Edge Computing eine besondere Symbiose ein. Ein typisches IoT-Gerät sendet, empfängt und analysiert Daten in einer kontinuierlichen Feedback-Schleife. Analysiert werden die Daten entweder von Menschen oder mit Methoden des maschinellen Lernens. Die sogenannten Edge-Module sind die Daten generierenden Geräte, die Daten erfassen und auswerten. [12]

    Die fortschrittlichen Fähigkeiten von 5G ermöglichen einen konstanten und gut koordinierten Datenfluss, um leistungsfähige und zuverlässige KI-Modelle aufzubauen. Parallel dazu werden noch schnellere und leistungsfähigere Prozessoren für den flexiblen Einsatz in Edge-Modulen entwickelt [13].

    Abb.2 veranschaulicht, wie man bei der 5G Infrastruktur von einer Cloud-zentrierten KI zu einer verteilten KI übergeht mittels 5G-Netzwerkelementen und teilweise über die Peripheriegeräte im Feld. Man kann sagen, mit 5G beginnt die Verschmelzung zwischen Netzwerk, Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen.

    Abb.2: KI und 5G als Basis für mobile IoT-Geräte, die für neue und verbesserte mobile Erfahrungen unerlässlich sind [8]

    Und das ist keine technologische Vision – das ist Stand der Technik heute.

    „Die leistungsstarke Kombination von 5G und Intelligenz wird Branchen verändern“ schreibt Qualcomm in dem Beitrag „Der Wireless Edge ist der Schlüssel zur Ausschöpfung des vollen Potenzials von 5G. Qualcomm Technologies hat bereits mit der Transformation begonnen“ [14]. Dieses Dokument ist von August 2018 und bietet dem interessierten Leser weitere interessante Details zum Stand der Technik.

    Soweit so gut. Nun, wie wird es weitergehen. Laut Qualcomm natürlich mit 6G.

    Mehr mobile Verbindungen bringen ein höheres Maß an Intelligenz mit sich, aber sie bedeuten auch einen größeren Bedarf an Skalierung. Damit der Mobilfunk die bestehenden und künftigen Anforderungen der Gesellschaft erfüllen kann, muss die Intelligenz effizient über das gesamte System verteilt werden, von den zentralen Clouds bis zu den Edge-Clouds und zu intelligenten Geräten wie Mobiltelefonen, Computern, Fahrzeugen, Robotern, Wearables und Maschinen [1].

    Die mobile Plattform der Zukunft umfasst grundlegende Technologien wie fortschrittliche drahtlose Konnektivität, effizientes verteiltes Computing, allgegenwärtige KI und hochauflösende Sensorik.

    Laut Qualcomm wird 6G mehr als nur eine neue Funktechnologie sein. Sie ist als intelligente drahtlose Kommunikationsstruktur gedacht (siehe Abb.3).

    Abb.3: Die Integration der KI auf allen Ebenen der 6G Kommunikationsstruktur [1]

    Als drahtlose Kommunikationsstruktur wird 6G die Menschen und Dinge miteinander verbinden und den weiteren Ausbau des vernetzten intelligenten Randes unterstützen. Über verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten hinaus, wird 6G auch das synergetische Potenzial von KI, integrierter Sensorik und neuen umweltfreundlichen Technologien voll ausschöpfen.

    Qualcomm spricht von insgesamt sechs sogenannten Forschungsvektoren, die die Evolution von 5G zu 6G ebnen sollen. Zwei davon sollten für das breite Publikum interessant sein:

    • Technologien für die Verschmelzung von physischen, digitalen und virtuellen Welten,
    • KI-native (basierende) durchgängige Kommunikation, d.h. KI ist von Anfang an integriert.

    In dem visionären Dokument sieht Qualcomm drei wesentliche Markttreiber für eine neue Mobilfunkplattform nach 5G.

    Markttreiber 1: Gestaltung von 6G zur effektiveren Umsetzung der Ziele von Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Nachhaltigkeit.

    An dieser Stelle orientiert sich Qualcomm strikt an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen. Wie der Beitrag von 6G für die Umsetzung dieser Ziele konkret aussehen soll, bleibt dem Leser vorenthalten. Man belässt es bei allgemeinen Formulierungen und betont, dass ein Ziel von 6G darin bestehen sollte, die Konnektivität (also die Verbindungsfähigkeit) zugänglicher zu machen, unabhängig vom Einkommensniveau oder der geografischen Lage. Weiterhin sollte die vernetze Intelligenz einen weiteren bedeutenden Impuls zum weltweiten Wirtschaftswachstum geben. Und natürlich als oberste Priorität soll 6G einen geringeren CO2-Fußabdruck produzieren. Was denn sonst … Damit wird explizit betont, dass 6G und die AGENDA 2030 in einem direkten Zusammenhang stehen.

    Markttreiber 2: Die Verwendung der neusten Entwicklungen in den folgenden Bereichen:

    • Funk- und Hochfrequenztechnologien
    • Netzwerkarchitekturen zu optimaler Skalierung des Einsatzes für verschiedenste Anwendungen
    • Computertechnologien
    • Maschinelles Lernen
    • Materialforschung
    • Energiemanagement
    • Multimedia und Display-Technologien
    • Wahrnehmung und menschliche Schnittstelle

    6G soll auf einer Symbiose von modernsten Hochtechnologien basieren, die mittlerweile bis zu der sogenannten „Wahrnehmung und menschlichen Schnittstelle“ reicht. Mit anderen Worten, der Mensch wird zu einem der vielen „intelligenten“ Objekten des vernetzten intelligenten Randes. Dieser „kleine aber feine“ Schritt ist ziemlich passend in der Abb.3 visualisiert.

    Marktreiber 3: Ermöglichung verbesserter Erfahrungen und neue Kategorien von Anwendungsfällen.

    Qualcomm zeigt einige dieser neuen Kategorien von Anwendungsfällen in der Abb.4.

    Abb.4: 6G wird neue und verbesserte Nutzererfahrungen über den vernetzten intelligenten Rand bringen [1]

    6G wird die Basis für feste und mobile Breitbandverbindungen mit mehr Kapazität, höherem Durchsatz und geringeren Latenzzeiten liefern. Es wird höchst zuverlässig flächendeckenden Zugang und flächendeckende Versorgung mit einer noch höheren Anzahl von Verbindungen bieten. Man spricht von einer Ultraweiträumigen Konnektivität bis hin zur Mikrokonnektivität. Soll heißen, 6G als intelligente KI basierende Kommunikationsstruktur wird überall vorhanden sein.

    Laut Qualcomm wird 6G erweiterte Dienste und neue Anwendungsfälle unterstützen. Vorgesehene Anwendungsfälle beinhalten Hologramm-Telepräsenz, kollaborative Roboter, menschliche Augmentation (technologische Verbesserung des menschlichen Körpers) und digitale Zwillinge, tieferes Eintauchen in die digitalen und virtuellen Welten sowie fortschrittliche Sensorik.

    Nur mal zum Nachdenken: Was ist ein digitaler Zwilling?

    Laut IBM-Definition ist ein digitaler Zwilling ein virtuelles Modell, das ein physisches Objekt präzise widerspiegeln soll. Das untersuchte Objekt – zum Beispiel eine Windkraftanlage – ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, die sich auf wichtige Funktionsbereiche beziehen. Diese Sensoren liefern Daten über verschiedene Leistungsaspekte des physischen Objekts wie Energieabgabe, Temperatur, Wetterbedingungen und vieles mehr. Diese Daten werden anschließend an ein Verarbeitungssystem weitergeleitet und auf die digitale Kopie übertragen.

    Sobald das virtuelle Modell mit diesen Daten gefüttert worden ist, kann es eingesetzt werden, um Simulationen durchzuführen, Leistungsprobleme zu untersuchen und Optimierungsmöglichkeiten zur Gewinnung wichtiger Erkenntnisse zu generieren. Diese können daraufhin wiederum für das ursprüngliche physische Objekt verwendet werden [15].

    Nur das hier Qualcomm von menschlichen digitalen Zwillingen und menschlicher Augmentation spricht!!! Und was man mit tieferem Eintauchen in die digitalen und virtuellen Welten sowie mit fortschrittlicher Sensorik meint, wird in Abb.5 deutlich.

    Abb.5: Die Verschmelzung unserer Welten [1]

    In den Visionen von Qualcomm wird die komplexe physische Welt im 6G Zeitalter digitalisiert. Der daraus resultierende digitale Zwilling wird sich kontinuierlich weiterentwickeln – durch Standortbestimmung, Sensorik und 3D-Karten, die von einer Vielzahl an Geräten, Kameras und Sensoren erstellt werden. Dem digitalen Zwilling soll somit möglich sein, das Verhalten physischer Systeme zu überwachen, zu entwerfen, zu simulieren, zu analysieren, zu optimieren und vorherzusagen. 6G soll die Möglichkeit für gemeinsame, immersive Erfahrungen wie holografische Konferenzen und virtuelle Zusammenarbeit schaffen (siehe Abb.6).

    Abb.6: Digitale Zwillinge und räumliche Datenverarbeitung werden die Zukunft der grenzenlosen erweiterten Realität vorantreiben [1]

    Im Zeitalter von 6G bekommt die philosophische Frage von Richard David Precht „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ eine ganz andere Bedeutung. Und es stellt sich noch eine weitere Frage: „Wer oder was bestimmt, wer oder was ich bin?“

    Laut Qualcomm wird KI von Anfang an, ein zentraler Bestandteil des 6G-Systemdesigns sein. KI wird über das Gesamtsystem verteilt sein und autonom in der Cloud, dem Netz und den Geräten über alle Protokolle und Schichten operieren. 6G wird von Daten und Maschinellem Lernen (ML) betrieben (siehe Abb.7).

    Abb. 7: Weiterentwicklung des drahtlosen MLs bei 6G [1]

    Während zum gegenwärtigen Zeitpunkt das maschinelle Lernen auf der 5G-Netzwerkseite und auf den einzelnen Rand-Geräten unabhängig voneinander läuft, wird bei 6G ein permanenter Austausch über ML-Prozesse auf allen Ebenen stattfinden. Das heißt, dass einzelne Rand-Objekt lernt nicht mehr für sich allein im Rahmen seiner konkreten Umgebung und Aufgabe, sondern tauscht seine Lernerfahrung im Netz und erhält Zugang zu der bereits im Netz vorhandenen „kollektiven“ Erfahrung.

    Und wenn man die in diesem Artikel mehrmals verwendeten Schlagwörter „Wahrnehmung und menschliche Schnittstelle“, „menschliche Augmentation und digitale Zwillinge“, „tieferes Eintauchen in die digitalen und virtuellen Welten“ sowie „fortschrittliche Sensorik“ noch einmal in Betracht zieht, ist es nicht schwer zu verstehen, dass dieses Rand-Objekt auch ein Mensch sein kann. Erinnern wir uns, wie IBM den Begriff „digitaler Zwilling“ definiert – „…Die in der virtuellen Welt gewonnen wichtigen Erkenntnisse können daraufhin wiederum für das ursprüngliche physische Objekt verwendet werden“.

    Wie weit sind wir von der 6G-Realität entfernt? Ist es vielleicht nur eine technologische Utopie? Auch zu dieser Frage liefert Qualcomm eine ziemlich konkrete Antwort. Diese ist in Abb.8 dargestellt.

    Abb.8: Zeitplan für die Standardisierung von 6G [1]

    Der kommerzielle Start von 6G ist für 2030 (ca. zehn Jahre nach der Einführung von 5G) geplant.

    Zusammenfassend sagt Qualcomm: „Die Welt steht zwar noch ganz am Anfang der Reise zu 6G, aber nach allem, was man hört wird 6G mehr sein als nur eine neue Funktechnologie. Es wird eine neue, intelligente Struktur sein, die nicht nur Menschen und Dinge miteinander verbindet, sondern auch die Skalierung der Intelligenz über Netze und Geräte hinweg an dem vernetzten intelligenten Rand ermöglicht. Zusammen mit neuen KI-, Datenverarbeitungs-, Sensor- und Umwelttechnologien wird 6G seine Reichweite auf jeden Winkel der Erde zu Lande, zu Wasser, in der Luft und darüber hinaus ausdehnen.“ [1]

    Abb.9: Wichtige Anwendungsfälle treiben die extremen 6G-Systemanforderungen voran [1]

    WER diese intelligente Struktur kontrolliert, DER kontrolliert die Welt.

    Nicht zufällig betreibt das Weltwirtschaftsforum weltweit 19 Zentren für die vierte industrielle Revolution. Das Thema 5G/6G ist als Basis der digitalen Transformation der Welt beim WEF sehr hoch angesiedelt, neben der Künstliche Intelligenz als einen der Top 5 Technologietrends für 2023 und darüber hinaus.

    Der Gründer und geschäftsführende Vorsitzende des WEF, Klaus Schwab, sagt über sich: „Ich sehe mich fast als Künstler“. „Auf seine sperrige und moralische Art will der Mann die Welt verbessern.“ [16]

    Wir sind die einzige wirklich globale Plattform, die verschiedene Entscheidungsträger einbezieht“, sagte er gegenüber dem Handelsblatt. Und weiter sagte er über sich: „Ich bin einer der asozialsten Menschen, die ich kenne[16]. „Er hat einen Gott- Komplex“, schreibt die WELT über ihn [17].

    Wie man beim WEF den Einfluss der 4. Industriellen Revolution auf die menschliche Spezies sieht, kann man in der Rede von Yuval Harari „Will the Future Be Human?“ aus dem Jahr 2018 deutlich erkennen.

    Sehen wir uns weiterhin an, wie selbstverständlich Klaus Schwab über das Thema Implantate als „menschliche Schnittstelle“ vor laufender Kamera und Publikum spricht:

    Pekka Lundmark, CEO des finnischen Telekommunikationsunternehmens Nokia, hat im Jahr 2022 auf dem Weltwirtschaftsforum Davos prognostiziert, dass der kommende Mobilfunkstandard 6G bis 2030 marktreif sein wird. Bis dahin werde jedoch das Smartphone nicht mehr das vorherrschende Mobilfunkgerät sein. „Das Smartphone, wie wir es heute kennen, wird nicht mehr die häufigste Schnittstelle sein“, sagte er. Stattdessen würden künftige Geräte „direkt in unseren Körper eingebaut“ sein. [18]

    „Zwar werde das Smartphone weiterhin eine Schlüsselrolle einnehmen, das Tippen auf dem Touchscreen werde zunehmend durch Sprach- und Gestensteuerung ersetzt. Auch würde das Gesundheitswesen völlig revolutioniert werden, da neue Sensoren permanente Überwachung von Körperwerten erlauben. Gehirnsensoren könnten außerdem sogar genutzt werden, um Maschinen zu betätigen.“ [18]

    Die Ideen des Transhumanismus lassen grüßen.

    So eine Konstellation lässt bei der weltweiten Implementierung und den Einsatz der 6G Technologie nichts Gutes vermuten. Aber wir möchten hier nicht noch eine „Verschwörungstheorie“ ins Leben rufen.

    In diesem Zusammenhang fällt mir spontan der Begriff Kambrische Explosion ein. Als Kambrische Explosion wird die enorme Umformung der Tierwelt zu Beginn des Kambriums vor etwa 542 Millionen Jahren bezeichnet. In einem geologisch kurzen Zeitraum von bis zu 50 Millionen Jahren entstanden viele neue Arten und es entwickelten sich die grundlegenden Baupläne vieler mehrzelliger Tierstämme, die seitdem die Erde bevölkern [19]. Allerdings weiß man heute, dass auch vor der Kambrischen Explosion Tiere lebten, zum Beispiel Schwämme oder rätselhafte Organismen ohne Maul oder Magen.

    Der Vergleich mag etwas provokativ erscheinen, aber stellt nicht die Einführung von 6G eine Basis für die explosionsartige Ausbreitung der Künstlichen Intelligenz dar?

    Kann 6G vielleicht der Katalysator sein, der zur sogenannten „Singularität“ führt, dem Zeitpunkt, ab dem Maschinen intelligenter sein werden als der Mensch?

    Kann es sein, dass die menschliche Spezies, so wie wir sie heute kennen, bald das Schicksal mit den einfachen Organismen aus dem Präkambrium teilt?

    Epilog

    Nun, man sollte das alles vielleicht nicht so negativ sehen. Während du in der 6G-Ära in deiner Smart-Home-Zelle in der dir zugewiesenen 15-Minuten Zone herumlungerst, könnte einer deiner digitalen Zwillinge über den Atlantik fliegen und topgestylt an Business-Netzwerk-Treffen teilnehmen. Gleichzeitig könnte eine weitere digitale Kopie von dir den Himalaya besteigen, natürlich nur unter der Voraussetzung einer positiven Sozialkreditpunkte-Bilanz. Und das alles ohne wertvolles CO2 zu verplempern. Sind das nicht „Gräät Opportunities“?


    Quellen (Stand vom 05.02.2023)

    [1] Qualcomm, „Vision, market drivers, and research directions on the path to 6G“, ©2022 Qualcomm Technologies, https://www.qualcomm.com/content/dam/qcomm-martech/dm-assets/documents/Qualcomm-Whitepaper-Vision-market-drivers-and-research-directions-on-the-path-to-6G.pdf

    [2] WIKIPEDIA, „Qualcomm“, 19.01.2023, https://de.wikipedia.org/wiki/Qualcomm

    [3] Technik+Einkauf, „Das sind die größten Halbleiterhersteller weltweit“, Dörte Neitzel, 16.11.2022, https://www.technik-einkauf.de/rohstoffe/kritische-rohstoffe/das-sind-die-groessten-halbleiterhersteller-weltweit-282.html

    [4] Qualcomm, „We invent to break the mold, time and again“, ©2022 Qualcomm Technologies, https://www.qualcomm.com/company/about/invention-leadership

    [5] Qualcomm, „Qualcomm licensing drives our intelligently connected world forward.“, ©2022 Qualcomm Technologies, https://www.qualcomm.com/licensing

    [6] WEF, Davos 2023, „Why 5G fixed wireless access is integral to bridging the digital divide“, Qualcomm, 12.01.2023, https://www.weforum.org/agenda/2023/01/davos23-5g-fixed-wireless-access-bridging-digital-divide/

    [7] WEF, Davos 2023, „Why we need to prioritize digital transformation – even in a downturn“, Qualcomm, 16.01.2023, https://www.weforum.org/agenda/2023/01/davos23-digital-transformation-investment-priority-downturn/

    [8] Qualcomm, „As 5G launches globally, what comes next?“, ©2022 Qualcomm Technologies, 23.09.2019, https://www.qualcomm.com/news/onq/2019/09/5g-launches-globally-what-comes-next

    [9] DataProt, „Internet of Things statistics for 2022 – Taking Things Apart“, Bojan Jovanovic, 20.01.2023, https://dataprot.net/statistics/iot-statistics/#:~:text=In%202021%2C%20there%20were%20more,surpass%2025.4%20billion%20in%202030

    [10] BIGDATA INSIDER, „Künstliche Intelligenz optimiert das Mobilfunknetz“, Thorsten Kühlmeyer, 13.02.2018, https://www.bigdata-insider.de/kuenstliche-intelligenz-optimiert-das-mobilfunknetz-a-684639/

    [11] netrics, „AI Cloud: Künstliche Intelligenz in der Cloud – Schritt in die Zukunft“, Pascal Schmid, 04.07.2019, https://www.netrics.ch/blog/ai-cloud

    [12] BIGDATA INSIDER, „Mobiles Edge Computing – dort rechnen und auswerten, wo Daten anfallen“, Hendrik Härter, 09.02.2022, https://www.bigdata-insider.de/mobiles-edge-computing-dort-rechnen-und-auswerten-wo-daten-anfallen-a-1093861/?cflt=rel

    [13] BIGDATA INSIDER, „Edge Computing erlaubt starke KI-Modelle am Netzwerkrand“, Philip Fassing, 21.09.2021, https://www.bigdata-insider.de/edge-computing-erlaubt-starke-ki-modelle-am-netzwerkrand-a-1055983/?cflt=rel

    [14] Qualcomm, „Der Wireless Edge ist der Schlüssel, um das volle Potenzial von 5G auszuschöpfen?“, ©2022 Qualcomm Technologies, 29.08.2018, https://www.qualcomm.com/news/onq/2018/08/wireless-edge-key-realizing-full-potential-5g

    [15] IBM, „Was ist ein digitaler Zwilling?“, Stand vom 05.02.2023, https://www.ibm.com/de-de/topics/what-is-a-digital-twin

    [16] Handelsblatt, „Ich sehe mich fast als Künstler“, Joachim Dorfs, 02.12.2005, https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/klaus-schwab-ich-sehe-mich-fast-als-kuenstler-seite-5/2583826-5.html

    [17] WELT, „Er hat einen Gott-Komplex“, Ryan Heath, 18.01.2023, https://www.welt.de/wirtschaft/plus243259687/WEF-in-Davos-Wer-wird-Nachfolger-von-Klaus-Schwab.html

    [18] futurezone, „Nokia-Chef prognostiziert Ende der Smartphone-Ära“, 28.05.2022, https://futurezone.at/produkte/nokia-chef-ende-der-smartphone-aera-6g-internet-der-dinge/402023583

    [19] BIONITY.COM, „Kambrische Explosion“, © 1997-2023 LUMITOS AG, Stand vom 05.02.2023, https://www.bionity.com/de/lexikon/Kambrische_Explosion.html

  • Ohio, East Palestine – nothing to see here

    Ohio, East Palestine – nothing to see here

    Nothing to see here, move along folks! Wo es scheinbar nichts zu sehen gibt, verbergen sich die größten Geheimnisse.

    Am 03.02.2023 gegen 21 Uhr ereignete sich wohl eine der schlimmsten Chemie-Katastrophen in der Geschichte der USA. Ein Zug der großen Eisenbahngesellschaft „Norfolk Southern“ der USA entgleiste in der Kleinstadt East Palestine in Ohio.

    Aus dem vorläufigen Bericht der Sicherheitsbehörden geht hervor, dass der Grund für das Zugunglück ein überhitztes Radlager war. Am Gleisrand entlang der Strecke befinden sich Detektoren, die Temperaturmessungen vornehmen. Zwei der drei Detektoren registrierten die steigenden Temperaturen des überhitzten Radlagers, aber nur der dritte Detektor bei East Palestine registrierte eine Temperatur, die hoch genug war, um eine Warnung an das Zugpersonal auszulösen.

    Durch den ausgelösten Alarm bremste der Lokführer den Zug mit insgesamt 150 Waggons ab, um das Radlager zu untersuchen. Nachdem er auf eine überhitzte Achse aufmerksam wurde, leitete er eine zusätzliche Bremsung ein. Während des Bremsvorganges sei zudem noch eine automatische Notbremsung aktiviert worden. Bei dieser Abbremsung versagte das Radlager, Wagen 23 entgleiste und der Zug kam zum Stillstand.

    38 Waggons schoben sich dabei aus dem Gleisbett. Beim Aufprall der tonnenschweren, sich ineinander verkeilenden Waggons und durch die überhitzte Achse brach ein riesiges Feuer aus, dass weitere 12 Waggons beschädigte.

    Abb.1: Die entgleisten und ausgebrannten Waggons am 6. Februar 2023 (Quelle)

    Ein Fünftel der Waggons war mit verschiedenen Chemikalien beladen, unter anderem mit Vinylchlorid, einem giftigen und brennbaren Gas.

    Die Einsatzkräfte konnten das Feuer nicht unter Kontrolle bringen und es breitete sich weiter aus. Einige Tage später am 06.02.2023 entschied man sich für eine Freisetzung der giftigen Materialien und deren kontrollierte Verbrennung, da keine Zeit mehr blieb, um die giftigen Chemikalien schnell zu bergen und eine bevorstehende Explosion zu vermeiden. Dabei entstand ein riesiger giftiger Wolkenpilz über der gesamten Region.

    Abb.2: Dies ist ein Bild von East Palestine in Ohio beim Verbrennen von Vinylchlorid. (Quelle)

    Vinylchlorid war jedoch nicht die einzige Chemikalie, die ausgetreten war. Die EPA (Environmental Protection Agency, eine U.S. Umweltschutzbehörde) teilte der „Norfolk Southern Railway Company“ am 10.02.2023 in einer E-Mail mit, dass neben Vinylchlorid auch Butylacrylat, Ethylhexylacrylat und Ethylenglykolmonobutylether in die Luft, Oberflächenerde und Oberflächengewässer freigesetzt wurden und weiterhin werden. Auch diese Chemikalien, genauso wie Vinylchlorid, sind für Umwelt und Mensch nicht unbedenklich.

    Vinylchlorid in der Luft führt zur Bildung von verschiedenen anderen Chemikalien wie Salzsäure, Formaldehyd und Kohlendioxid. Bei der Verbrennung von Vinylchlorid entsteht Chlorwasserstoff, Kohlendioxid und Wasser. Bei einer unvollständigen Verbrennung kann sich aber auch Phosgen bilden, ein hochgiftiges Gas.

    Neil Donahue, Chemieprofessor an der Carnegie Mellon University, äußerte sich besorgt über die mögliche Entstehung von Dioxinen bei der Verbrennung von Vinylchlorid.

    „Vinylchlorid ist schlecht, Dioxine sind schlimmer als Karzinogene und das kommt von der Verbrennung“, sagte Donahue.

    Wie sich Dioxin auf den menschlichen Körper auswirkt, ist abhängig vom Alter, vom Gewicht, von der Art des Dioxins und der Menge. Kinder sind aufgrund ihres geringen Körpergewichts stärker gefährdet. Wenn Dioxine in die Umwelt freigesetzt werden, verursachen sie aufgrund ihrer Persistenz auch noch viele Jahre später große Schäden.

    Menschen in East Palestine und benachbarten Städten berichteten über Atemwegsprobleme, Hautreaktionen und mehr, während Tiere tot aufgefunden wurden. [Quelle]

    Eine aktuelle Zusammenfassung der möglichen Gesundheitsgefahren durch die Chemikalien bei der Zugentgleisung in Ohio findet man in diesem Artikel vom 21.02.2023.

    Dort heißt es unter anderem: „Seitdem wurden viele Fragen über toxische Expositionen von Menschen und Wildtieren aufgeworfen – nicht nur in East Palestine mit seinen 4.700 Einwohnern, sondern entlang des Ohio River und weiter nördlich. The New Republic berichtete, dass die Bewohner nach der Zugentgleisung brennende und juckende Augen, Halsschmerzen, Hautausschlag und Migräne erlitten. Rund 3.500 Fische sind Berichten zufolge in lokalen Wasserstraßen gestorben, und West Virginias Gouverneur Jim Justice gab bekannt, dass Chemikalien im Ohio River im nördlichen Panhandle des Staates gefunden wurden.“

    Durch die Verbrennung „erstreckte sich der schwarze Rauchpilz horizontal und erweiterte den Bereich der Giftwolke. Bis Freitag (17.02.2023) reichten Ost-Ohio und West-Pennsylvania eine Klage wegen angeblicher Fahrlässigkeit des Zugbetreibers Norfolk Southern Railways ein.“

    Die Kontamination betrifft nicht nur landwirtschaftliches Gebiet. Diese Chemikalien sickern in den Ohio-Fluss, der 10 Prozent des Trinkwassers der Vereinigten Staaten liefert, was 30 Millionen Bürger betrifft.

    Quelle: Something Strange is Happening in AMERICA

    Offensichtlich handelt es sich nicht nur um eine lokale Kontamination von East Palestine (was schon schlimm genug ist), sondern um ein deutlich größeres Gebiet im Bundestaat Ohio und darüber hinaus.

    „Seeing is believing“ – Sehen ist Glauben. Der folgende Augenzeugenbericht vom 06.02.2023 wirft Fragen auf und geht unter die Haut.

    Quelle: „Controlled Release“ East Palestine Ohio 2-6-23 4:44 pm

    Unfälle, die mit einer Umweltverschmutzung einhergehen, können immer passieren. Doch bei diesem Vorfall gibt es einige Merkwürdigkeiten.

    1) Die kontrollierte Freisetzung der Gefahrenstoffe

    Der größte Teil der Kontamination erfolgte durch die sogenannte „Freisetzung der giftigen Materialien und deren kontrollierte Verbrennung“. Der Zugbetreiber „Norfolk Southern“ behauptet, dass dieser Vorgang alternativlos war, um eine Explosion mit noch größeren Schäden zu verhindern.

    Dabei war im Vorfeld bekannt, dass es dabei zu einer erheblichen Kontaminierung der Umgebung kommen wird. Der Gouverneur von Ohio, Mike Dewine, spricht sogar von einer Todeszone.

    Zwei Wochen nach der Entgleisung stellen einige Politiker und Anwohner die kontrollierte Verbrennung in Frage, einschließlich ob es aus Sicherheitsgründen geschah oder um Norfolk Southern zu erlauben, die Gleise schnell zu räumen und den Bahnbetrieb wieder aufzunehmen.

    Der Gouverneur von Pennsylvania „Shapiro beschuldigte Norfolk, die Katastrophe von Anfang an falsch gehandhabt zu haben, und verwies auf das Versäumnis des Unternehmens, das Pennsylvania Department of Environmental Protection und die Pennsylvania Emergency Management Agency sofort zu benachrichtigen. Die Maßnahmen von Norfolk, sagte er, behinderten die Reaktion lokaler und staatlicher Behörden und setzten Anwohner und Ersthelfer einem ernsthaften Risiko aus. Shapiro sagte auch, das Unternehmen sei nicht bereit gewesen, nach Alternativen zu suchen, um die fünf mit Vinylchlorid gefüllten Autos absichtlich freizugeben und zu verbrennen.

    «Obwohl ich weiß, dass die Reaktion auf Zugentgleisungen eine Reihe komplexer Herausforderungen mit sich bringt, führte die Nichteinhaltung anerkannter Standards in Bezug auf die Praxis des Vorfallmanagements und die Priorisierung eines beschleunigten und willkürlichen Zeitplans für die Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke zu unnötigen Risiken und führte zu Verwirrung in der Prozess», sagte Shapiro.“

    2) Hauptaktionäre von „Norfolk Southern“

    Zu den Hauptaktionären der Eisenbahngesellschaft „Norfolk Southern“ gehören Vanguard Inc., Blackrock Inc., JP Morgan Chase & Company und State Street Corporation – allesamt Partner des World Economic Forum (WEF).

    Bemerkenswert ist es, dass trotz des milliardenschweren finanziellen Hintergrundes des Unternehmens folgende „großzügige“ Entschädigungen gezahlt wurden: 25.000 US-Dollar an die Gemeinde und 1.000 US-Dollar „Unannehmlichkeitenschecks“ pro Bewohner in der Evakuierungszone.

    3) Reaktionen der lokalen Behörden und der US-Regierung

    Wenige Tage nach der kontrollierten Verbrennung der Chemikalien behaupten die Behörden, dass Luftqualitäts- und kommunale Wassertests in East Palestine keine gefährlichen Mengen an Chemikalien zeigen. Den evakuierten Menschen wurde gesagt, sie dürfen wieder nach Hause. Aber Einige haben seit dem giftigen Unfall Nasenbluten, brennende Kehlen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen gemeldet.

    Peter Paul Montgomery, der Verkehrsminister der Vereinigten Staaten, taucht erst 3 Wochen nach dem Unfall am Unglücksort auf. Und brauchte 11 Tage, bis er sich auf öffentlichen Druck hin überhaupt zum Unglück äußerte.

    Die Biden-Regierung lehnt einen Antrag auf Katastrophenhilfe ab, mit der Begründung, „dass die Federal Emergency Management Agency (FEMA), die Agentur, die normalerweise von Hurrikanen und anderen Naturkatastrophen betroffene Gemeinden Hilfe leistet, nicht am besten gerüstet ist, um die aktuellen Bedürfnisse des Staates zu decken.“  Unter dem Motto „die Priorität der Regierung sei die «Gesundheit und Sicherheit der Gemeinschaft»“ spricht man stattdessen über „robuste, behördenübergreifende Anstrengung“ zur Lösung des Problems ohne genauer zu erläutern, was man darunter verstehen soll.

    4) Verhaftung eines Reporters

    Trotz der unglaublichen Größe des Unfalls und des noch nicht abzusehenden Schadens für Mensch und Umwelt wurde die Nachricht nicht sofort vom Mainstream aufgegriffen und blieb bis vor kurzem von der Öffentlichkeit unbemerkt. Der Reporter Evan Lambert, der vor Ort Fragen stellte und versuchte, darüber zu berichten, wurde festgenommen.

    5) CDC überarbeitet toxikologisches Profil von Vinylchlorid

    Interessant auch, dass wenige Tage vor der Zugentgleisung das CDC (Center for Disease Control and Prevention) ihre Seite über Vinylchlorid überarbeitet hatte. Natürlich werden gelegentlich toxikologische Profile aktualisiert, die letzte Änderung für Vinylchlorid war 2006, also vor 17 Jahren. Das CDC entfernte auf der Seite über Vinylchlorid einen Abschnitt darüber, wie sich die Chemikalie auf Kinder auswirkt.

    6) Ein Blick auf die Landkarte

    Laut Wikipedia ist Ohio ein Teil des sogenannten Corn Belts in den USA. Mit fast 75.000 Betrieben und 140.000 Quadratkilometer Land gehört die Landwirtschaft zu den größten Wirtschaftszweigen von Ohio. Damit spielt der Agrarsektor eine große Rolle. Die landwirtschaftliche Produktion umfasst Sojabohnen, Milchprodukte, Mais, Tomaten, Schlachtvieh (Schweine, Rinder), Geflügel und Eier. Am Eriesee wird kommerzieller Fischfang betrieben.

    East Palestine liegt auch ganz nah an der Grenze zum Bundesstaat Pennsylvania. Auch dort gehört die Landwirtschaft zu den wichtigen Wirtschaftszweigen mit über 53.000 Farmen.

    Durch die umstrittene „kontrollierte Verbrennung“ riskiert man eine langwierige Kontamination bedeutender landwirtschaftlicher Gebiete.

    Einige Fragen der Bewohner von East Palestine lauten schon jetzt: „Mähe ich das Gras? Kann ich nächsten Sommer Tomaten pflanzen? Was kann ich tun?“ Und Beamte bringen Gedanken wie „Norfolk Southern sollte in Betracht ziehen, Häuser von besorgten Bewohnern zu kaufen“ ins Spiel.

    In welchem Umfang sich diese Tendenz „im Namen der Gesundheit und Sicherheit der Gemeinschaft“ (siehe Punkt 2) auf die zahlreichen Farmen in der Region ausweitet, bleibt abzuwarten.

    Unter dem Slogan „Ernähre die Welt, ohne den Planeten zu schaden“ hat das WEF die Initiative Food Innovation Hubs gestartet. Laut dieser Initiative sind 40% des Ackerlandes der Welt degradiert. Sie haben das Ziel, die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert und konsumiert werden, grundlegend zu ändern.

    Die Strategie, die man damit verfolgt:

    • Netto-Null-Treibhausgasemissionen
    • Der Verlust der Natur umzukehren
    • Die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt bis 2050

    Welchen Einfluss hat das Zugunglück in East Palestine auf die bevorstehende Transformation der Landwirtschaft?

    7) Amish People

    In den Bundesstaaten Ohio und Pennsylvania befinden sich die meisten Amish Siedlungen. Amische führen ein stark in der Landwirtschaft verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie bestimmte moderne Techniken ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Prüfung der Auswirkungen übernehmen. Die Amischen legen großen Wert auf eine Familie mit klar vorgegebenen Geschlechterrollen, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt.

    Sie sind autark und schwer in die „Neue Normalität“ zu integrieren.

    Abb.3: Staaten geordnet nach der Amisch-Bevölkerung (Quelle)
    8) Die Netflix Prophezeiung – „White Noise“

    „Doch interessant ist, dass der Streamingdienst Netflix erst im letzten Jahr einen Film „Weißes Rauschen” (im englischen Original „White Noise”) gedreht hat, in dem ein solches Zugunglück auch in der dortigen Gegend geschah. Und das Beste daran: Auch Einwohner von East Palestine wurden dafür gecastet und laut einem vor zwei Monaten veröffentlichten Trailer zum Film wurde genau an der aktuellen Unfallstelle gedreht.“

    Genauso interessant ist dabei ein Blick in die Hauptaktionärsliste von Netflix. Dort findet man wieder die uns schon bekannten Namen: Vanguard Inc., Blackrock Inc. und State Street Corporation.

    Was ist Liebe zum Detail?

    Es bedeutet, die Details kritisch zu durchdenken, Ablenkungen zu minimieren und zu lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

    In diesem Zusammenhang ist die Zusammenfassung von Eva Herrmann sehr zu empfehlen.


    Quellen (Stand vom 01.09.2023)

  • Epidemiologie 4.0

    Epidemiologie 4.0

    Beim Durchstöbern der Nachrichtenschlagzeilen aus den letzten Tagen erfasst mich ein emotionaler Zustand, den ich spontan am ehesten als Déjà-vu bezeichnen würde.

    Ein Déjà-vu ist ein Gefühl, bei dem man den Eindruck hat, eine bestimmte Situation oder einen Moment bereits erlebt zu haben, obwohl man weiß, dass das unmöglich ist. Der Begriff, der aus dem Französischen stammt und wörtlich „schon gesehen“ bedeutet, beschreibt ein spontanes, oft nur wenige Sekunden andauerndes Phänomen. In solchen Momenten entsteht ein merkwürdiges Gefühl der Vertrautheit, als ob die gegenwärtige Situation oder Umgebung bereits bekannt wäre, obwohl sie tatsächlich neu ist.

    Wie es dazu kam? Alles begann mit dem Schlagwort: „WHO schlägt Alarm“.

    WHO schlägt Alarm wegen „miserabler“ Corona-Impfraten
    Testergebnisse deuten auf steigende Corona-Infektionszahlen hin. Die UN-Gesundheitsorganisation WHO ist besorgt – und fordert Schutzmaßnahmen für Risikogruppen. Eine Trendwende sei nötig“, betitelt das Handelsblatt seinen Artikel vom 07.08.2024.

    Die WHO schlägt Alarm: Neue Mpox-Ausbrüche in Afrika bedrohen die Gesundheit weltweit. Ein wichtiges Werkzeug zur Eindämmung aber fehlt“, liest man bei Stern eine Woche später. 

    Die „Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“ wird mit der „sehr besorgniserregendenAusbreitung des Mpox-Virus begründet. Besonders beunruhigt die Weltgesundheitsorganisation eine neue Variante, die nach Einschätzung von Experten vor Ort ansteckender sein und schwerere Infektionen verursachen könnte. Detaillierte Studien stehen jedoch noch aus. In diesem Jahr wurden bereits über 14.000 Verdachtsfälle und mehr als 500 Todesfälle aus mehreren afrikanischen Ländern gemeldet – das sind mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Experten befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist, da nicht ausreichend getestet wird und viele Infizierte keine medizinische Hilfe aufsuchen. Es gibt zwar zwei Impfstoffe, aber bei weitem nicht genug Dosen, insbesondere in Afrika. Der Impfstoff gegen das Pockenvirus bietet auch Schutz vor einer Infektion mit dem Mpox-Virus.

    Angeregt durch diesen Alarmismus fördert mein Erinnerungsvermögen eine Pressemitteilung von BioNTech und CEPI aus dem August 2023 zutage:

    BioNTech und CEPI geben Partnerschaft zur Entwicklung eines mRNA-Mpox-Impfstoffs und zur Unterstützung von CEPIs 100-Tage-Ziel bekannt.

    „Die Partnerschaft zwischen BioNTech und CEPI könnte dazu beitragen, die Reaktion auf künftige, durch Viren der Orthopoxvirus-Familie verursachte Ausbrüche auf verschiedene Weise zu beschleunigen. Beispielsweise könnte die Entwicklung eines mRNA-basierten Mpox-Impfstoffkandidaten, falls dieser erfolgreich genehmigt bzw. zugelassen wird, dazu beitragen, einen größeren Vorrat an Impfstoffen für den Einsatz bei künftigen Mpox-Ausbrüchen bereitzustellen. Darüber hinaus könnten die erhobenen Daten zur raschen Entwicklung von mRNA-basierten Impfstoffen gegen zukünftige durch Orthopoxviren verursachte Krankheiten beitragen.“

    „Wir glauben, dass unser wissenschaftlicher Ansatz und unsere mRNA-Technologie das Potenzial haben, einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung von CEPIs 100-Tage-Ziel zu leisten.“

    … sagte Prof. Dr. Ugur Sahin, CEO und Mitbegründer von BioNTech in diesem Beitrag.

    Das erinnert mich daran, dass CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations – Koalition für Innovationen in der Epidemievorbeugung) eine weltweite Allianz ist. Diese öffentlich-private Partnerschaft zwischen Regierungen, der WHO, der EU-Kommission, Forschungseinrichtungen, der Impfstoffindustrie und privaten Geldgebern, darunter die Bill & Melinda Gates Foundation, hat sich zum Ziel gesetzt, ein Forschungsnetzwerk aufzubauen. Dieses Netzwerk soll die Erforschung und Entwicklung neuer Impfstoffe fördern, um auf mögliche zukünftige Ausbrüche neuer viraler Infektionen besser und schneller reagieren zu können.

    Unser Gedächtnis funktioniert oft assoziativ, was bedeutet, dass bestimmte Schlüsselwörter Erinnerungen an ähnliche oder verwandte Ereignisse, Informationen oder Erfahrungen auslösen können. Diese Verknüpfungen kommen oft plötzlich und unerwartet und führen zu interessanten Einsichten oder Verbindungen, die wir nicht bewusst gesucht haben. Es ist, als ob unser Gehirn einen reichen Fundus an Wissen durchstöbert und dabei Dinge zutage fördert, die wir längst vergessen haben oder nicht direkt mit dem aktuellen Thema in Verbindung gebracht hätten. Solche spontanen Erinnerungen können uns helfen, neue Zusammenhänge zu entdecken oder bekannte Informationen aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

    Und so kommt es, wie es kommen muss. Ich lande im Januar 2023 als Bill Gates in einem Interview in der Sendung 7.30 auf ABC TV folgendes sagte:

    Quelle: ABC News

    „Wir werden natürliche Epidemien haben und leider
    werden wir
    in Zukunft möglicherweise
    einige unnatürliche Epidemien
    haben.“

    Ich weiß nicht, wie es dir mit dieser Aussage geht, lieber Leser? Nun, ich kenne diesen Begriff nicht. Darum bin ich auf die Suche gegangen und habe unter anderem auch das allwissende Wikipedia befragt. Dort gibt es jede Menge Definitionen zu verschiedenen Arten von Epidemien, aber eine Erklärung für eine „unnatürliche Epidemie“ konnte ich auch dort nicht finden.

    Was ist eine „unnatürliche Epidemie“?
    Was muss man sich darunter vorstellen?
    Entsteht sie unnatürlich – also künstlich?
    Ich habe keine Ahnung, was Bill Gates uns damit sagen will? Wird die Evolution neu geschrieben: Es gibt natürliche und unnatürliche Epidemien?

    Dann fiel mir ein, dass ich auch Chat GPT um Rat fragen könnte.


    Ich frage also Chat GPT:
    Kannst du etwas mit dem Begriff unnatürliche Epidemie anfangen?

    Hier die Antwort von Chat GPT:

    Der Begriff „unnatürliche Epidemie“ könnte auf eine Situation hinweisen, in der eine Epidemie oder ein Ausbruch von Krankheiten auf Umstände zurückzuführen ist, die nicht auf natürliche Weise entstanden sind. Hier sind einige mögliche Bedeutungen oder Interpretationen:

    1. Biologische Manipulation: Eine „unnatürliche Epidemie“ könnte darauf hinweisen, dass die Epidemie durch menschliche Einflüsse verursacht wurde, wie zum Beispiel durch die Freisetzung genetisch veränderter Organismen oder Krankheitserreger.
    2. Biochemische Unfälle: Es könnte sich auf einen Ausbruch von Krankheiten beziehen, der durch einen Unfall in einem Labor oder einer Einrichtung verursacht wurde, die mit gefährlichen biologischen oder chemischen Stoffen arbeitet.
    3. Bioterrorismus: Der Begriff könnte auf einen absichtlich verursachten Ausbruch von Krankheiten durch terroristische Aktivitäten oder biologische Angriffe hinweisen.
    4. Umweltverschmutzung: Eine „unnatürliche Epidemie“ könnte sich auf eine Situation beziehen, in der Umweltverschmutzung oder der unsachgemäße Umgang mit Abfallstoffen zu einem massiven Anstieg von Krankheiten geführt hat.
    5. Falsche Handhabung von Medikamenten oder Impfstoffen: Es könnte darauf hinweisen, dass eine Epidemie aufgrund von fehlerhaften oder unsachgemäßen medizinischen Praktiken auftritt.

    Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff „unnatürliche Epidemie“ nicht unbedingt ein etablierter medizinischer oder wissenschaftlicher Begriff ist, sondern eher eine Beschreibung für Situationen, in denen die normale Ausbreitung von Krankheiten durch menschliche Eingriffe beeinflusst wurde.


    Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.
    Alan Curtis Kay – amerikanischer Informatiker


    Quellen (Stand vom 15.08.2024)

    Epidemiology 4.0

    Browsing through the news headlines from the last few days, I am gripped by an emotional state that I would spontaneously describe as déjà vu.

    A déjà vu is a sensation where one feels as though they have already experienced a particular situation or moment, even though they know this is impossible. The term, which comes from French and literally means „already seen”, describes a spontaneous phenomenon that often lasts only a few seconds. In these moments, a strange sense of familiarity emerges, as if the present situation or environment were already known, despite being entirely new.

    How did it all begin? It started with the phrase: „WHO sounds the alarm”.

    WHO sounds the alarm over ‘miserable’ corona vaccination rates
    Test results indicate rising coronavirus infection rates. The UN health organisation WHO is concerned – and is calling for protective measures for risk groups. A trend reversal is necessary”, headlines Handelsblatt in its article from August 7, 2024.

    The WHO sounds the alarm: New Mpox outbreaks in Africa threaten global health. However, a crucial tool for containment is missing”, reads Stern a week later.

    The „public health emergency of international concern” is justified by the „very worryingspread of the Mpox virus. The World Health Organisation is particularly concerned about a new variant which, according to local experts, could be more contagious and cause more severe infections. However, detailed studies are still pending. This year, over 14,000 suspected cases and more than 500 deaths have already been reported from several African countries – more than in the whole of last year. Experts fear that this is just the tip of the iceberg, as there is insufficient testing and many infected people are not seeking medical help. Although there are two vaccines available, there are nowhere near enough doses, especially in Africa. The vaccine against the smallpox virus also offers protection against infection with the Mpox virus.

    Inspired by this alarmism, my memory brings to light a press release from BioNTech and CEPI from August 2023:

    BioNTech and CEPI Announce Partnership to Advance mRNA Mpox Vaccine Development and Support CEPI’s 100 Days Mission

    The partnership between BioNTech and CEPI could help accelerate responses to future outbreaks caused by viruses of the Orthopoxvirus viral family in several ways. For example, advancing the development of an mRNA-based mpox vaccine candidate, if successfully approved and authorized, could help provide larger supplies of vaccines for use against future mpox outbreaks. In addition, the data generated could contribute to the rapid development of mRNA-based vaccines against future outbreaks caused by Orthopoxviruses, can be read there.

    We believe our scientific approach as well as our mRNA technology have the potential to significantly contribute to deliver on CEPI’s 100 Days Mission”, said Prof Dr Ugur Sahin, CEO and co-founder of BioNTech in this article.

    This reminds me that CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) is a global alliance. This public-private partnership between governments, the WHO, the EU Commission, research organisations, the vaccine industry and private donors, including the Bill & Melinda Gates Foundation, has set itself the goal of establishing a research network. This network is intended to promote the research and development of new vaccines in order to be able to respond better and faster to possible future outbreaks of new viral infections.

    Our memory often functions associatively, meaning that certain keywords can trigger memories of similar or related events, information, or experiences. These connections often arise suddenly and unexpectedly, leading to interesting insights or links that we did not consciously seek. It’s as if our brain is sifting through a vast reservoir of knowledge, bringing to light things we may have long forgotten or not directly associated with the current topic. Such spontaneous memories can help us discover new connections or view familiar information from a fresh perspective.

    And so the inevitable happened. I ended up in January 2023 when Bill Gates said the following in an interview on the 7.30 programme on ABC TV:

    Quelle: ABC News

    We will have natural epidemics and unfortunately we may have some unnatural epidemics in the future.

    I don’t know how you feel about that statement, dear reader? Well, I don’t know this term. That’s why I went looking for it and consulted the all-knowing Wikipedia, among other things. There are lots of definitions of different types of epidemics there, but I couldn’t find an explanation of an ‚unnatural epidemic‘ there either.

    What is an ‚unnatural epidemic‘?
    What does it mean?
    Does it arise unnaturally – i.e. artificially?
    I have no idea what Bill Gates is trying to tell us?
    Is evolution being rewritten? There are natural and unnatural epidemics?

    Then I remembered that I could also ask Chat GPT for advice.


    So I ask Chat GPT:
    Can you do anything with the term ‚unnatural epidemic‘?

    Here is the answer from Chat GPT:

    The term ‚unnatural epidemic‚ could refer to a situation in which an epidemic or outbreak of disease is due to circumstances that did not occur naturally. Here are some possible meanings or interpretations:

    1. Biological manipulation: an ‚unnatural epidemic‘ could indicate that the epidemic was caused by human influences, such as the release of genetically modified organisms or pathogens.
    2. Biochemical accidents: It could refer to an outbreak of disease caused by an accident in a laboratory or facility working with hazardous biological or chemical substances.
    3. Bioterrorism: the term could refer to a deliberate outbreak of disease caused by terrorist activities or biological attacks.
    4. Environmental pollution: an ‚unnatural epidemic‘ could refer to a situation in which environmental pollution or the improper handling of waste materials has led to a massive increase in diseases.
    5. Mishandling of medications or vaccines: It could indicate that an epidemic is occurring due to faulty or improper medical practices.

    It is important to note that the term ‚unnatural epidemic‚ is not necessarily an established medical or scientific term, but rather a description of situations where the normal spread of disease has been affected by human intervention.Formularbeginn


    The best way to predict the future is to invent it.
    Alan Curtis Kay – US computer scientist


    Sources (as of 15.08.2024)

  • Das Spike-Protein im Fokus

    Das Spike-Protein im Fokus

    In diesem Artikel nehmen wir das Spike-Protein mal genauer unter die Lupe und betrachten deren Besonderheiten und Auffälligkeiten, die es wirklich wert sind, mal ausführlicher zu diskutieren.

    Aufbau des SARS-CoV-2 – Spike-Proteins
    Warum SARS-CoV-2 so erfolgreich ist
    Die Furin-Spaltstelle – FCS
    Die Rezeptorbindungsdomäne – RBD
    Schlusswörter

    Coronaviren gibt es schon lange [1]. Sie infizieren Säugetiere, Nager, Vögel und auch den Menschen. Im Allgemeinen kommen wir gut miteinander aus, zumindest bei Vorhandensein eines intakten Immunsystems. Sonst wären wir vermutlich schon längst ausgestorben.

    Und dann kam SARS-CoV-2. Dieses Virus aus der Familie der Coronaviren ist ansteckender und tödlicher als seine Vorgänger. Seine Geschichte beginnt auf einem Tiermarkt in Wuhan. Doch wo kommt das Virus auf einmal her und was macht es auf dem Markt? Zu dieser Geschichte gehört auch das Institute of Virology (WIV) – ein Forschungsinstitut in Wuhan, das unter anderem auch an Coronaviren forscht. … Ist das Virus in einem Tier entstanden und hat es sich dann auf dem Markt mit einem Menschen angefreundet (Zoonose)? Oder hat jemand vom Labor zum Feierabend seine Hände nicht ausreichend desinfiziert? Oder noch viel schlimmer, hat man die Labortür absichtlich offen stehenlassen?

    Um es vorweg zu nehmen: Natur oder Labor – darüber wird bis heute heftig diskutiert. Zu Beginn der Geschichte war der Schuldige schnell gefunden – die Fledermaus war’s. Und tatsächlich existiert eine enge Verwandtschaft des SARS-CoV-2 zu Coronaviren in Fledermäusen und auch zu Coronaviren in Pangolinen, das sind Säugetiere mit Schuppen. Bei der weiteren Suche rund um den Ursprung von SARS-CoV-2 tauchen weitere Zwischenwirte auf, z.B. Frettchen, Katzen, Hirsche, Kamele und noch viele mehr. In der Natur-Geschichte sind die Fledermaus Coronaviren auf einen Zwischenwirt gesprungen und von dem dann auf den Menschen.

    Die Frage nach der Herkunft des Virus werde ich hier nicht beantworten können. Um ein bisschen mehr Licht ins Dunkel der Hypothesen und Theorien zur Herkunft von SARS-CoV-2 zu bringen, habe ich in diesem Artikel wesentliche Fakten zum Thema zusammengetragen und die schwierigen biologischen Informationen so gut es geht auseinander gedröselt. Nachdem du, lieber Leser, dich durch die Menge an Fakten hindurchgearbeitet hast, wirst du selbst in der Lage sein, für dich eine Antwort auf die Ursprungsfrage zu finden. Also, dann legen wir mal los. Wir beginnen mit dem Aufbau.

    Aufbau des SARS-CoV-2 – Spike-Proteins

    Bisher haben wir das Spike-Protein zum besseren Verständnis vereinfacht dargestellt (Abb.1a). Das Spike-Protein ist im Prinzip ein Schlüssel, mit dem das Virus versucht, das Schloss der Wirtszelle aufzuschließen. Wenn der Schlüssel passt, dann öffnet das Virus die Wirtszelle und schleust seine Erbinformation hinein.

    Das Spike-Protein bindet dabei besonders gern an die ACE2-Rezeptoren der Wirtszelle. Solche Zellen mit ACE2-Rezeptoren kommen praktisch überall im menschlichen Körper vor, man findet sie auf den Epithel- und Endothelzellen und hier vor allem in den Atemwegen, im Herz, den Nieren und im Darm. Warum haben menschliche Zellen ACE2-Rezeptoren (Angiotensin-I-Converting-Enzym-2)? Einfach formuliert, ACE2 spielt im menschlichen Organismus eine wichtige Rolle für das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem.

    Abb.1a: Spike-Protein (Schlüssel) bindet an ACE2-Rezeptor (Schloss), Schlüssel-Schloss-Prinzip
    Abb.1b: Detaillierter Aufbau des Spike-Proteins

    Bei genauerer Betrachtung (Abb.1b) ist das Spike ein trimeres Protein, d.h. es besteht im wesentlichen aus drei Hauptregionen: einem zytoplasmatischen Schwanz (IC), einer Transmembranregion (TM) und einer Ektodomäne (das ist der Abschnitt, der als Stachel herausragt und an Wirtszellen bindet). Für uns spielt im weiteren nur die Ektodomäne eine Rolle. Sie besteht wiederum aus zwei Hauptregionen, der s1-Region und der s2-Region.

    Im Fokus stehen die beiden Hauptmerkmale des Spike-Proteins von SARS-CoV-2:
    das Vorhandensein

    • einer Furin-Spaltstelle (FCS) und
    • einer Rezeptorbindungsdomäne (RBD),

    die den direkten SARS-CoV-2-Vorfahren fehlen.

    Warum SARS-CoV-2 so erfolgreich ist

    Oder anders formuliert, WIE schafft es SARS-CoV-2 so erfolgreich, Wirtszellen zu kapern?

    Die s1-Region ist für das Andocken an die Zielzelle zuständig (Abb.2). Sie bindet an den ACE2-Rezeptor der Wirtszelle. Die Spitze der s1-Region – also das RBD – passt dabei erstaunlich gut an den ACE2-Rezeptor.

    s2 enthält die Fusionsmaschinerie, die es dem Virus ermöglicht, mit der Wirtszelle zu verschmelzen. Die s2-Region wird allerdings von der s1-Region abgeschirmt.

    Abb.2: ACE2, Furin und TMPRSS2 sind am Eintritt von SARS-CoV-2 in die Wirtszelle beteiligt

    Um s2 freizulegen, müssen Enzyme zwei Schnitte daran ausführen. Der erste Schnitt wird durch das körpereigene Furin ausgeführt, das an der Oberfläche von Zellen sitzt (Abb.3b-3c). Furin-Spaltstellen (s1/s2 site) sind für das Enzym Furin (also für die Schere) ein Erkennungszeichen, an dieser Stelle das Protein zu schneiden und dadurch zu aktivieren.

    Abb.3a: schematischer Aufbau des Spike-Proteins
    Abb.3b: Ein Strukturmodell des SARS-CoV2-Spike-Proteins. s1/s2-site = FCS [2]
    Abb.3c: Furin (die körpereigene Schere) schneidet die Furin-Spaltstelle (FCS)

    In einer Studie [3] wurde festgestellt, dass die Zugänglichkeit des Furins zur Furin-Spaltstelle durch das Vorhandensein der RBD-Region verbessert wird. Durch die gute bzw. engere Bindung von RBD an ACE2 ragt die minimale Furin-Spaltstelle mehr heraus (Abb.3b) und ist so besser für die Furin-Schere erreichbar.

    Der zweite Schnitt wird durch das Enzym TMPRSS2 ausgeführt (Abb.2). Die genaue biologische Funktion von TMPRSS2 (Transmembranprotease Serin 2) ist derzeit weitgehend unbekannt (Stand 01.2021). Bäurle und sein Team [3] konnten rechnerisch zeigen, dass die gute Bindung zwischen RBD und ACE2 zu einer verstärkten Furin-Bindung führt, was die Bindung zum Enzym TMPRSS2 fördert.

    Nach der Spaltung der s1/s2-Region liegt s2 frei (Abb.2). Nun streckt sich s2 in Richtung Wirtszellmembran und bohrt sich in diese hinein. Dabei wird die Virushülle an die Zellhülle herangezogen und sie verschmelzen miteinander. Nach der Fusion wird das Viruserbgut in der Wirtszelle freigesetzt und die Virusproduktion kann beginnen.

    Die Furin-Spaltstelle – FCS

    Man macht sich überhaupt keine Vorstellungen darüber, wie viele Forschungsstudien zu SARS-CoV-2 existieren, bis man anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Die Menge ist schier unglaublich. Auch zur Furin-Spaltstelle gibt es etliche Forschungsstudien. Einige davon hat DrBeen analysiert. Ich beziehe mich hier in den Erklärungen vorzugsweise auf seine gut verständlichen Analysen [4],[5].

    „Anfang Februar 2020, noch bevor die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte [6], dass ein neuartiger Stamm eines Coronavirus den Globus überschwemmt, berichteten Forscher in Nature [7], darunter die Virologin Shi Zhengli, die das Zentrum für neu auftretende Infektionskrankheiten am Wuhan-Institut für Virologie in China leitet, dass das genetische Material, aus dem SARS-CoV-2 besteht, zu 96,2 % mit RaTG13, einer unveröffentlichten Fledermaus-Coronavirus-Sequenz, identisch ist. Shi Zhengli, die sich mit der Erforschung von SARS-ähnlichen Fledermaus-Coronaviren befasst, bezeichnete RaTG13 als „engsten Verwandten“ des neuen Virus und sagte, dass die beiden Viren vermutlich „eine andere Abstammung als andere SARS-CoVs“ haben.“ [4]

    Das Fledermaus-Coronavirus RaTG13 (RA für Rhinolophus affinis, TG für TongGuan, dem Probenentnahmeort) und das Human SARS-CoV-2 sind also zu 96,2 % identisch, aber in 3,8 % unterscheiden sie sich.

    Im Februar 2022 erschien in „Frontiers in Virology“ eine zentrale Studie [8] von neun Forschern führender US-Universitäten. Diese Studie beinhaltet neuen Zündstoff zur alten Frage: Natur oder Labor?

    Die Autoren der Studie verglichen die genetischen Sequenzen von SARS-CoV-2 und seinem engsten bekannten Vorfahren RaTG13. Sie stellten zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Viren fest und sie fanden eben auch ein ungewöhnliches Cluster von Mutationen, die in RaTG13 nicht vorkommen: eine 12 Nukleotid lange Furin-Spaltstelle (FCS), so eine kleine Schleife wie in Abb.3b dargestellt.

    Und nicht nur diese Forscher auch noch viele andere Forscher fanden die Furin-Spaltstelle (FCS) und diskutierten diesen Teil des Spike-Proteins von SARS-CoV-2, um hier nur einige zu nennen [15, 16, 17, 18, 19, 20]. Wie schon erwähnt, fehlt dieser FCS-Teil den direkten Vorfahren, also der Fledermaus oder den Zwischenwirten.

    „Die erste Entdeckung des FCS auf dem SARS-CoV-2-Spike-Protein wurde im April 2020 von einer Gruppe von Forschern aus Frankreich und Kanada in der Zeitschrift Antiviral Research [9] veröffentlicht. Die Furin-Spaltstelle auf dem Spike findet sich nur bei einem anderen Betacoronavirus – MERS. Die Forscher fanden auch heraus, dass dieses Merkmal dem Virus einen „Funktionsgewinn“ verschaffen könnte, „um sich effizient in der menschlichen Bevölkerung zu verbreiten“.“ [4]

    Nun sind Mutationen an sich nichts ungewöhnliches. Durch den Austausch, das Einfügen oder den Verlust einzelner oder mehrere Nukleotide verändern sich Gene. Aber so eine große spontane Mutation von 12 Nukleotiden, die alle auf einmal auftauchen?

    An dieser Stelle sei noch einmal das sehr verständliche Video von DrBeen [5] zum Thema empfohlen. Es ist wirklich sehenswert, wie sich DrBeen zur Erklärung Punktmutationen ins Gesicht klebt.

    Schauen wir uns zunächst mal diese FCS-Region genauer an (Abb.4), um die es hier geht. SARS-CoV-2 besteht aus ca. 30.000 Basen (Nukleotiden). Der genetische Code des Spike-Proteins liegt im Gen-Abschnitt 21.502 bis 25.269. Innerhalb dieses Gen-Abschnittes gibt es einen Bereich mit dem Namen Furin-Spaltstelle (FCS). Der Bereich der Furin-Spaltstelle ist 12 Nukleotide lang. [5]

    Je 3 aufeinanderfolgende Nukleotide werden als Codon oder Basentriplett bezeichnet. Ein Codon steht für eine Aminosäure (Codon = Code für eine Aminosäure). Eine Aminosäure ist ein Baustein eines Proteins. Die 12 Nukleotide ergeben die 4 Aminosäuren: PRRA (die spontane Mutation).

    Abb.4: Unterschiede des FCS-Merkmals des Spike-Proteins in Human-SARS-CoV-2 und verwandten Coronaviren (Teile der Informationen sind dem Artikel „The proximal origin of SARS-CoV-2“ [10] entnommen)

    So eine spezielle Veränderung in genau dieser einen Region des Genoms, an der sich so viele Nukleotide auf einen Schlag verändert haben, wird normalerweise bei Mutationen nicht gesehen. In seiner gesamten näheren Verwandtschaft ist SARS-CoV-2 das einzige Virus mit einer Furin-Spaltstelle.

    Da das sehr ungewöhnlich ist, haben sich die Forscher der Studie [8] von 2022 diese Region des Genoms nochmal genauer angesehen. Sie nahmen also den Abschnitt der „spontanen Mutation“, also diese Insertion von 12 Nukleotiden, und durchsuchten damit die BLAST-Datenbank. BLAST ist laut Wikipedia „der Überbegriff für eine Sammlung der weltweit am meisten genutzten Programme zur Analyse biologischer Sequenzdaten. BLAST wird dazu verwendet, experimentell ermittelte DNA- oder Protein-Sequenzen mit bereits in einer Datenbank vorhandenen Sequenzen zu vergleichen.“

    Und es „stellte sich heraus, dass ein 19-Nukleotid-Abschnitt des SARS-CoV-2-Genoms, der die 12-Nukleotid-FCS umfasst, eine „100%ige komplementäre Übereinstimmung mit einer codon-optimierten proprietären Sequenz“ von Moderna ist [4].“ Diese Sequenz wurde von Moderna Therapeutics, Inc. im März 2017 patentiert [11]. (Eine Erläuterung, was unter einer „codon-optimierten proprietären Sequenz“ zu verstehen ist, folgt weiter unten im Text.)

    Das ist schon verrückt, nicht wahr? Und es gibt noch mehr verrückte Zufälle. Aber eins nach dem anderen.

    Das Patent bezieht sich auf Zusammensetzungen und Verfahren zur Herstellung und Verwendung von onkologiebezogenen Proteinen und Peptiden. (Die Onkologie ist ein Bereich der Medizin, der sich mit allen gut- und bösartigen Tumorarten sowie Krebserkrankungen befasst.) Schaut man in das Moderna Patent, sieht man als Laie nur Buchstaben. Wo findet sich dort die Übereinstimmung? An dieser Stelle kann uns Igor Chudov [12] weiterhelfen. Er hat eine Twitter-Anfrage gestartet und folgende Antwort bekommen.

    Eine etwas kürzere Darstellung des Patents findet sich hier [13]. Und die komplementäre Übereinstimmung der spontanen Mutation in SARS-CoV-2 mit dem Patent betrifft die Position 2733 – 2751 (siehe Abb.5):

    Abb.5: Ausschnitt aus dem Moderna-Patent 9.587.003 Position 2733-2751

    Gut, jetzt kann man sagen… da sind doch aber jede Menge Buchstaben, da kann es schon mal vorkommen, dass sich irgendetwas wiederholt. Die Forscher, die die BLAST-Suche durchgeführt haben, sagen folgendes: Die Untersuchung … ergab, dass sich die Übereinstimmung über die 12-Nukleotid-Insertion hinaus auf eine 19-Nukleotid-Sequenz erstreckt … Dies ist in der NCBI BLAST-Datenbank sehr selten [8].“

    Wir prüfen noch die komplementäre Übereinstimmung. Dazu geben wir die Patent-Sequenz „CTACGTGCCCGCCGAGGAG“ in den Komplementär-Sequenz-Generator [14] ein und erhalten:

    Das Moderna-Patent US 9.587.003 – Position 2733-2751:
    CT ACG TGC CCG CCG AGG AG

    nach Überprüfung mit Komplementär-Sequenz-Generator:
    CT CCT CGG CGG GCA CGT AG

    stimmt überein mit den 19 Nukleotiden um FCS von SARS-CoV-2:
    CT CCT CGG CGG GCA CGT AG

    Kommen wir nun zum nächsten verrückten Zufall.

    Die Forscher [8], die die BLAST-Suche durchgeführt haben, fanden außerdem heraus, dass diese Komplementär-Sequenz auch identisch ist mit einer Gen-Struktur, die ein Protein in menschlichen Zellen bildet und dieses Protein heißt MSH3.

    Oder im Fachjargon: Eine BLAST-Suche ergab, dass ein 19-Nukleotid-Abschnitt des SARS-CoV-2-Genoms, der die Furin-Spaltstelle umfasst, eine 100%ige komplementäre Übereinstimmung mit einer codon-optimierten proprietären Sequenz aufweist, die das umgekehrte Komplement des menschlichen mutS-Homologs (MSH3) ist.“ [8]

    Wie versprochen, hier die Erläuterung was man unter einer „codon-optimierten proprietären Sequenz“ versteht. Proprietäre Sequenz“ bedeutet, eine spezielle Gen-Sequenz ist patentiert von einem Unternehmen. Damit eine isolierte Gen-Sequenz effektiv vom Ribosom abgelesen werden kann (detaillierte Erklärung zu „Ribosom liest ab“ im Artikel „Von der DNA über die mRNA zum Protein“), optimiert man sie. Dabei ist es üblich, Nukleotide zu ändern, z.B. bestimmte Codons zu verwenden, die ein Organismus statistisch am häufigsten verwendet, um die Gen-Sequenz für den Ablesevorgang am Ribosom zu stabilisieren. Durch die Codon-Veränderungen bleibt aber die Aminosäurensequenz  für die entsprechende Gen-Sequenz erhalten. Oder einfach und verständlich formuliert: codon-optimiert = Smart Gen.

    Mit anderen Worten, in dem SARS-CoV-2 Genom taucht ein humanoptimiertes MSH3 Gen auf. In Abb.6 nochmal die bildliche Darstellung des bisher erörterten Sachverhaltes.

    Abb.6: Der 19-Nukleotid-Abschnitt des SARS-CoV-2-Genoms (Teile der Informationen sind dem Artikel in [8] und [10] entnommen)

    Aber bitte und das muss man hier an dieser Stelle trotzdem sagen, natürlich kann so etwas auch zufällig entstehen. Das sagen auch die Forscher der Studie: Die in SARS-CoV-2 vorhandene Sequenz des umgekehrten Komplements des menschlichen mutS-Homologs (MSH3) kann zufällig vorkommen, doch müssen auch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden [8].

    Und sie machten sich auch die Mühe, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, mit der diese Korrelation zwischen SARS-CoV-2-Sequenz und dem umgekehrten Komplement einer patentierten mRNA-Sequenz (von MSH3) auftritt. „Konventionelle biostatistische Analysen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass diese Sequenz zufällig in einem 30.000-Nukleotid-Virusgenom vorhanden ist, bei 3,21 × 10-11 = 0,000000000321 liegt.“ [8]

    Sie kommen in ihrer Studie [8] zu folgender Schlussfolgerung. Zitat: „Das Vorhandensein einer 19-Nukleotid-RNA-Sequenz in SARS-CoV-2, die für ein FCS an der Aminosäure 681 seines Spike-Proteins kodiert und zu 100 % mit dem umgekehrten Komplement einer proprietären MSH3-mRNA-Sequenz identisch ist, ist höchst ungewöhnlich. Mögliche Erklärungen für diese Korrelation sollten weiter untersucht werden.“

    Was macht MSH3?

    Während der Teilung einer Zelle wird von der DNA eine Kopie erstellt. Diesen Vorgang der Verdopplung nennt man DNA Replikation. Bei der Replikation der DNA passieren immer wieder Fehler, irgendetwas ist zu viel, irgendetwas passt nicht oder fehlt. Um DNA Schäden zu reparieren, haben die Zellen sogenannte Reparatur-Proteine. MSH3 zusammen mit MSH2 und MSH6 sind solche Reparatur-Proteine. Wir haben sie in unseren Zellen.

    Für die Reparatur bilden diese Proteine bestimmte Paarungen (Abb.7). Dabei bindet sich MSH2 mit MSH6 zu einem MSH2-MSH6-Komplex. Und MSH2 mit MSH3 bindet sich zu einem MSH2-MSH3-Komplex. Diese Komplexe führen dann die DNA-Reparatur aus.

    Abb.7: MSH2, MSH3 und MSH6 bilden Komplexe

    Für eine stabile DNA-Reparatur müssen diese drei Proteine ein gewisses Gleichgewicht haben.

    Abb.8: MSH2-MSH3-Komplexe und MSH2-MSH6-Komplexe sind im Gleichgewicht

    Kommt es zum Beispiel zu einem Verlust des MSH3-Proteins, dann können sich keine MSH2-MSH3-Komplexe bilden. Ein Teil der DNA-Reparatur findet nicht statt und es kann zur Tumorbildung kommen.

    Wenn das SARS-CoV-2-Virus in eine Zelle eindringt, fängt es an sich zu replizieren, sprich es vermehrt sich. Es bildet zuerst Teile von sich, also auch Genom-Teile. Das Genom hat auch MSH3-Sequenzen. Wenn die MSH3-Sequenzen exprimiert würden, dann entstünden viele MSH3-Proteine. Das würde bedeuten, es würde zu einer Überexpression von MSH3 kommen. MSH3 würde sich mit MSH2 verbinden und für MSH6 gäbe es nicht mehr genügend MSH2 (Abb.9).

    Abb.9: Durch Überexpression von MSH3 entsteht ein Ungleichgewicht

    Das heißt, durch eine Überexpression von MSH3 würde ein Ungleichgewicht entstehen. Das Reparatursystem könnte dann nicht mehr richtig funktionieren. Eine Beeinträchtigung des Reparatursystems wäre ein Problem. Dies könnte zu schwereren Erkrankungen, längeren Genesungszeiten und möglicherweise Krebs führen. [5]

    Der aufmerksame Leser hat sicherlich bemerkt, dass die letzten Sätze im Konjunktiv 2 stehen. Die Überexpression von MSH3 ist eine mögliche Hypothese.

    Die Rezeptorbindungsdomäne – RBD

    Die Möglichkeit, dass Pangoline der Zwischenwirt für SARS-CoV-2 sein könnten, wird seit langem diskutiert. Der Grund dafür ist die Rezeptorbindungsdomäne RBD, die bei Pangolin-CoVs und SARS-CoV-2 nahezu identisch ist, siehe Abb.10. Diese RBD-Region am SARS-CoV-2-Spike passt erstaunlich gut an den ACE2-Rezeptor.

    Abb.10: Unterschiede des RBD-Merkmals des Spike-Proteins in SARS-CoV-2 und verwandten Coronaviren (Teile der Informationen sind dem Artikel The receptor binding domain of SARS-CoV-2 spike protein is the result of an ancestral recombination between the bat-CoV RaTG13 and the pangolin-CoV MP789 [21] entnommen)

    Obwohl die Ähnlichkeit des Pangolin-Gesamtgenoms mit SARS-CoV-2 geringer ist als mit RaTG13, weist der aus den Pangolinen isolierte MP789-Stamm eine nahezu identische RBD wie SARS-CoV-2 auf. Und auch hier stellt sich die Frage, wie kommt sie dahin: Natur oder Labor?

    Viele Forscher stehen hinter der Annahme eines natürlichen Ursprungs, unter anderem Kristian G. Andersen, auf dessen viel zitierte und auch viel kritisierte Studie [22] ich hier verweisen möchte.

    Und ich möchte auch auf einige kritische Stimmen verweisen. Zum Beispiel auf einen lesenswerten Bericht von Nicholas Wade [23], der alle verfügbaren wissenschaftlichen Fakten sortiert und beleuchtet hat, damit der Leser sein eigenes Urteil fällen kann.

    Und es sei eine weitere kritische Studie genannt, die die Annahme des natürlichen Ursprungs nicht teilt, eine Arbeit [15] von Rossana Segreto, Yuri Deigin, die einen kleinen Einblick in die über 20jährigen Forschungsarbeiten zu Coronaviren gibt. Sie geben zu bedenken: „Damit eine solche Rekombination auf natürliche Weise stattfinden kann, müssen die beiden Viren gleichzeitig dieselbe Zelle im selben Organismus infiziert haben. Dies ist angesichts der geringen Populationsdichte von Pangolinen und des geringen Vorhandenseins von CoVs in ihren natürlichen Populationen ein eher unwahrscheinliches Ereignis. Darüber hinaus zeigten Rezeptorbindungsstudien von rekonstituiertem RaTG13, dass es nicht an Pangolin ACE2 bindet.“

    Daran anknüpfend folgende Studie [24] von Yujia Alina Chan, Shing Hei Zhan: „Nach unserem Kenntnisstand stammen alle veröffentlichten Pangolin-CoV-Genomsequenzen, die eine sehr ähnliche Spike-Rezeptor-Bindungsdomäne mit SARS-CoV-2 teilen, aus dieser einzigen Charge von geschmuggelten Pangolinen. Dies wirft die Frage auf, ob Schuppentiere in freier Wildbahn wirklich Reservoire oder Wirte von SARS-CoV-2-verwandten Coronaviren sind oder ob sich die Schuppentiere während des Schmuggels mit dem CoV von einer anderen Wirtsart infiziert haben könnten.“

    Abschließend noch eine Buchempfehlung „Das Virus: Auf der Suche nach dem Ursprung von Covid-19“ [25]. Der Jenaer Molekularbiologe Günter Theißen begibt sich darin wie ein Kriminalkommissar auf die spannende Suche nach der Wahrheit und wundert sich über die Widerstände, die sich dieser kritischen Suche in den Weg stellen.

    Schlusswörter

    Zum Schluss möchte ich noch Stephane Bancel, CEO von Moderna zu Wort kommen lassen. In einem Fox News-Interview mit Maria Bartiromo am 24.02.2022 wurde um seine Reaktion auf das Ergebnis der oben beschriebenen Studie [8] gebeten, dass eine in SARS-CoV-2 vorhandene Gensequenz mit einem Patent übereinstimmt, das Moderna drei Jahre vor der Pandemie eingereicht hatte. Hier ist Bancels Antwort:

    „Meine Wissenschaftler untersuchen diese Daten, um zu sehen, wie genau sie sind oder nicht. Wie ich bereits sagte, ist die Hypothese einer Flucht aus einem Labor durch einen Unfall möglich. Wissen Sie, Menschen machen Fehler. Ist es also möglich, dass das Wuhan-Labor in China an der Virusverbesserung oder Genmodifikation arbeitete und dann gab es einen Unfall, bei dem jemand im Labor infiziert wurde und dann seine Familien und Freunde infizierte – es ist möglich. Bei der Behauptung, die Sie gerade erwähnt haben, analysieren die Wissenschaftler, ob sie wahr ist oder nicht.“

    Mehr als ein Jahr später… Mmh, hat er nochmal darauf Bezug genommen? Ist mir zumindest nicht bekannt. Vielleicht analysieren die Wissenschaftler immer noch die Behauptung?

    Mein fabelhaftes Schlusswort: Wie eingangs erwähnt, kann ich nicht sagen, ob der Ursprung des Virus natürlich oder künstlich ist. Ich habe da so meine eigene Hypothese. Das Ereignis der spontanen Mutation könnte sich ja auch wie folgt abgespielt haben. In der Cafeteria eines chinesischen Labors trafen sich in einer Testpause eine Fledermaus, ein Pangolin, ein Frettchen, ein Hirsch, eine Katze und ein mir unbekannter Zwischenwirt. Aus ungeklärter Ursache gab es nicht genügend saubere Kaffee-Tassen im Schrank. Die Tiere einigten sich darauf, aus ein und derselben Tasse zu trinken. Sowieso waren sie ja schließlich im Schicksal vereint. Ähnlich wie eine Friedenspfeife machte die Kaffee-Tasse nun ihre Runde und nach etlichen Runden entstand eine magische Singularität in der Evolutionstheorie. In diese Magie platzte ein Labormitarbeiter, um die Pause zu beenden. Die Tiere hatten aber keine Lust mehr auf diese ewige Testerei und … es kam zu einer wilden Rauferei, bei dem vermutlich der Labormitarbeiter einige Blessuren davontrug. Was danach passierte, nun ja, wer weiß das schon so genau. Daher ist es wirklich ungemein wichtig, alles sauber zu halten und immer alle Tassen im Schrank zu haben.


    Quellen (Stand vom 10.01.2023)

    [1] bioRxiv, THE PREPRINT SERVER FOR BIOLOGY, „An ancient viral epidemic involving host coronavirus interacting genes more than 20,000 years ago in East Asia“, doi: 10.1016/j.cub.2021.05.067, 13.01.2021, https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.11.16.385401v2.full

    [2] nature, scientific reports, „The sequence at Spike S1/S2 site enables cleavage by furin and phospho-regulation in SARS-CoV2 but not in SARS-CoV1 or MERS-CoV“, Mihkel Örd, Ilona Faustova, Mart Loog, 09.10.2020,
    https://www.nature.com/articles/s41598-020-74101-0
    https://www.nature.com/articles/s41598-020-74101-0/figures/1

    [3] SpringerLink, „Study of protease-mediated processes initiating viral infection and cell–cell viral spreading of SARS-CoV-2“, Thanawat Thaingtamtanha, Stephan A. Baeurle, 19.07.2022,
    https://link.springer.com/article/10.1007/s00894-022-05206-8
    https://www.uni-siegen.de/start/news/oeffentlichkeit/984628.html

    [4] KoolBeens Cafe, „Hypothesis that Spike Genes have Patented DNA Sequences Could Have Dangerous Implications“, Dr. Mobeen Sayed, 07.04.2022, https://mobeensyedmd.substack.com/p/hypothesis-that-spike-genes-have

    [5] DrBeen Medical Lectures, „Spike Genes Have Patented DNA Sequences. This is Dangerous.“, Dr. Mobeen Sayed, 25.02.2022, https://www.youtube.com/watch?v=zPoZTtruaB0

    [6] World Health Organization, „WHO Director-General’s opening remarks at the media briefing on COVID-19 – 11 March 2020“, 11.03.2020, https://www.who.int/director-general/speeches/detail/who-director-general-s-opening-remarks-at-the-media-briefing-on-covid-19—11-march-2020

    [7] nature, „A pneumonia outbreak associated with a new coronavirus of probable bat origin“, 03.02.2020, https://www.nature.com/articles/s41586-020-2012-7

    [8] Frontiers in Virology, „MSH3 Homology and Potential Recombination Link to SARS-CoV-2 Furin Cleavage Site“, Balamurali K. Ambati, Akhil Varshney, Kenneth Lundstrom, Giorgio Palu, Bruce D. Uhal, Vladimir N. Uversky, Adam M. Brufsky, 21.02.2022,
    https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fviro.2022.834808/full

    [9] ScienceDirect, Antiviral Research, „The spike glycoprotein of the new coronavirus 2019-nCoV contains a furin-like cleavage site absent in CoV of the same clade“, B.Coutard, C.Valle, X.de Lamballerie, B.Canard, N.G.Seidah, E.Decroly, April 2020,
    https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0166354220300528

    [10] National Library of Medicine, PMC PubMed Central, The proximal origin of SARS-CoV-2″, Kristian G. Andersen, Andrew Rambaut, W. Ian Lipkin, Edward C. Holmes, Robert F. Garry, 17.03.2020,
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7095063/
    https://www.nature.com/articles/s41591-020-0820-9/figures/1

    [11] United States Patent, Bancel et al., Patent No.: 9,587,003 B2, Date of Patent: Mar. 7, 2017,
    https://patentimages.storage.googleapis.com/01/6e/60/8951ab8f4118b5/US9587003.pdf

    [12] Igor’s Newsletter, „Where is CTCCTCGGCGGGCACGTAG in the Moderna Patent“, Igor Chudov, 24.02.2022,
    https://igorchudov.substack.com/p/where-is-ctcctcggcgggcacgtag-in-the
    https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=598294

    [13] National Library of Medicine, Nucleotide, Sequence 11652 from patent US 9587003,
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/nuccore/KH664781.1

    [14] DNA reverse and complementary sequence generator,
    https://bugaco.com/calculators/dna_reverse_complement.php

    [15] Wiley Online Library, „The genetic structure of SARS-CoV-2 does not rule out a laboratory origin“, Rossana Segreto,Yuri Deigin, 17.11.2020, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/bies.202000240

    [16] National Library of Medicine, „The polybasic insert, the RBD of the SARS-CoV-2 spike protein, and the feline coronavirus – evolved or yet to evolve“, Anshul Budhraja, Sakshi Pandey, Srinivasaraghavan Kannan, Chandra S Verma, Prasanna Venkatraman, 25.03.2021,
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33521335/

    [17] Journal of Clinical Pathology, „Gene of the month: the 2019-nCoV/SARS-CoV-2 novel coronavirus spike protein“, Tahir S Pillay, 13.05.2020, https://jcp.bmj.com/content/73/7/366

    [18] National Library of Medicine, „Genetics of COVID-19“, Salmo Raskin, 07.10.2020,
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7539923/

    [19] in vivo, „On the Origin of SARS-CoV-2: Did Cell Culture Experiments Lead to Increased Virulence of the Progenitor Virus for Humans?“, Bernd Kaina, Mai 2021, https://iv.iiarjournals.org/content/35/3/1313

    [20] bioRxiv, THE PREPRINT SERVER FOR BIOLOGY, „Endonuclease fingerprint indicates a synthetic origin of SARS-CoV-2“, Valentin Bruttel, Alex Washburne, Antonius VanDongen, 20.10.2022,
    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.10.18.512756v1

    [21] BMC, Part of Springer Nature, „The receptor binding domain of SARS-CoV-2 spike protein is the result of an ancestral recombination between the bat-CoV RaTG13 and the pangolin-CoV MP789“, Alejandro Flores-Alanis, Luisa Sander-Miranda, Gabriela Delgrado, Alejandro Cravioto, Rosario Morales-Espinosa, 27.08.2020, https://bmcresnotes.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13104-020-05242-8/

    [22] nature medicine, „The proximal origin of SARS-CoV-2“, Kristian G. Andersen, Andrew Rambaut, W. Ian Lipkin, Edward C. Holmes, Robert F. Garry, 17.03.2020, https://www.nature.com/articles/s41591-020-0820-9

    [23] Bulletin of the Atomic Scientists, „The origin of COVID: Did people or nature open Pandora’s box at Wuhan?“, Nicholas Wade, 05.05.2021, https://thebulletin.org/2021/05/the-origin-of-covid-did-people-or-nature-open-pandoras-box-at-wuhan/

    [24] bioRxiv, THE PREPRINT SERVER FOR BIOLOGY, „Single source of pangolin CoVs with a near identical Spike RBD to SARS-CoV-2“, Yujia Alina Chan, Shing Hei Zhan, 23.10.2020,
    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.07.07.184374v2.full

    [25] amazon.de, „Das Virus: Auf der Suche nach dem Ursprung von Covid-19“, Günter Theißen, 07.06.2022, https://www.amazon.de/Das-Virus-Suche-Ursprung-Covid-19/dp/3864893720