
Nothing to see here, move along folks! Wo es scheinbar nichts zu sehen gibt, verbergen sich die größten Geheimnisse.
Am 03.02.2023 gegen 21 Uhr ereignete sich wohl eine der schlimmsten Chemie-Katastrophen in der Geschichte der USA. Ein Zug der großen Eisenbahngesellschaft „Norfolk Southern“ der USA entgleiste in der Kleinstadt East Palestine in Ohio.
Aus dem vorläufigen Bericht der Sicherheitsbehörden geht hervor, dass der Grund für das Zugunglück ein überhitztes Radlager war. Am Gleisrand entlang der Strecke befinden sich Detektoren, die Temperaturmessungen vornehmen. Zwei der drei Detektoren registrierten die steigenden Temperaturen des überhitzten Radlagers, aber nur der dritte Detektor bei East Palestine registrierte eine Temperatur, die hoch genug war, um eine Warnung an das Zugpersonal auszulösen.
Durch den ausgelösten Alarm bremste der Lokführer den Zug mit insgesamt 150 Waggons ab, um das Radlager zu untersuchen. Nachdem er auf eine überhitzte Achse aufmerksam wurde, leitete er eine zusätzliche Bremsung ein. Während des Bremsvorganges sei zudem noch eine automatische Notbremsung aktiviert worden. Bei dieser Abbremsung versagte das Radlager, Wagen 23 entgleiste und der Zug kam zum Stillstand.
38 Waggons schoben sich dabei aus dem Gleisbett. Beim Aufprall der tonnenschweren, sich ineinander verkeilenden Waggons und durch die überhitzte Achse brach ein riesiges Feuer aus, dass weitere 12 Waggons beschädigte.

Ein Fünftel der Waggons war mit verschiedenen Chemikalien beladen, unter anderem mit Vinylchlorid, einem giftigen und brennbaren Gas.
Die Einsatzkräfte konnten das Feuer nicht unter Kontrolle bringen und es breitete sich weiter aus. Einige Tage später am 06.02.2023 entschied man sich für eine Freisetzung der giftigen Materialien und deren kontrollierte Verbrennung, da keine Zeit mehr blieb, um die giftigen Chemikalien schnell zu bergen und eine bevorstehende Explosion zu vermeiden. Dabei entstand ein riesiger giftiger Wolkenpilz über der gesamten Region.

Vinylchlorid war jedoch nicht die einzige Chemikalie, die ausgetreten war. Die EPA (Environmental Protection Agency, eine U.S. Umweltschutzbehörde) teilte der „Norfolk Southern Railway Company“ am 10.02.2023 in einer E-Mail mit, dass neben Vinylchlorid auch Butylacrylat, Ethylhexylacrylat und Ethylenglykolmonobutylether in die Luft, Oberflächenerde und Oberflächengewässer freigesetzt wurden und weiterhin werden. Auch diese Chemikalien, genauso wie Vinylchlorid, sind für Umwelt und Mensch nicht unbedenklich.
Vinylchlorid in der Luft führt zur Bildung von verschiedenen anderen Chemikalien wie Salzsäure, Formaldehyd und Kohlendioxid. Bei der Verbrennung von Vinylchlorid entsteht Chlorwasserstoff, Kohlendioxid und Wasser. Bei einer unvollständigen Verbrennung kann sich aber auch Phosgen bilden, ein hochgiftiges Gas.
Neil Donahue, Chemieprofessor an der Carnegie Mellon University, äußerte sich besorgt über die mögliche Entstehung von Dioxinen bei der Verbrennung von Vinylchlorid.
„Vinylchlorid ist schlecht, Dioxine sind schlimmer als Karzinogene und das kommt von der Verbrennung“, sagte Donahue.
Wie sich Dioxin auf den menschlichen Körper auswirkt, ist abhängig vom Alter, vom Gewicht, von der Art des Dioxins und der Menge. Kinder sind aufgrund ihres geringen Körpergewichts stärker gefährdet. Wenn Dioxine in die Umwelt freigesetzt werden, verursachen sie aufgrund ihrer Persistenz auch noch viele Jahre später große Schäden.
Menschen in East Palestine und benachbarten Städten berichteten über Atemwegsprobleme, Hautreaktionen und mehr, während Tiere tot aufgefunden wurden. [Quelle]
Eine aktuelle Zusammenfassung der möglichen Gesundheitsgefahren durch die Chemikalien bei der Zugentgleisung in Ohio findet man in diesem Artikel vom 21.02.2023.
Dort heißt es unter anderem: „Seitdem wurden viele Fragen über toxische Expositionen von Menschen und Wildtieren aufgeworfen – nicht nur in East Palestine mit seinen 4.700 Einwohnern, sondern entlang des Ohio River und weiter nördlich. The New Republic berichtete, dass die Bewohner nach der Zugentgleisung brennende und juckende Augen, Halsschmerzen, Hautausschlag und Migräne erlitten. Rund 3.500 Fische sind Berichten zufolge in lokalen Wasserstraßen gestorben, und West Virginias Gouverneur Jim Justice gab bekannt, dass Chemikalien im Ohio River im nördlichen Panhandle des Staates gefunden wurden.“
Durch die Verbrennung „erstreckte sich der schwarze Rauchpilz horizontal und erweiterte den Bereich der Giftwolke. Bis Freitag (17.02.2023) reichten Ost-Ohio und West-Pennsylvania eine Klage wegen angeblicher Fahrlässigkeit des Zugbetreibers Norfolk Southern Railways ein.“
Die Kontamination betrifft nicht nur landwirtschaftliches Gebiet. Diese Chemikalien sickern in den Ohio-Fluss, der 10 Prozent des Trinkwassers der Vereinigten Staaten liefert, was 30 Millionen Bürger betrifft.
Offensichtlich handelt es sich nicht nur um eine lokale Kontamination von East Palestine (was schon schlimm genug ist), sondern um ein deutlich größeres Gebiet im Bundestaat Ohio und darüber hinaus.
„Seeing is believing“ – Sehen ist Glauben. Der folgende Augenzeugenbericht vom 06.02.2023 wirft Fragen auf und geht unter die Haut.
Unfälle, die mit einer Umweltverschmutzung einhergehen, können immer passieren. Doch bei diesem Vorfall gibt es einige Merkwürdigkeiten.
1) Die kontrollierte Freisetzung der Gefahrenstoffe
Der größte Teil der Kontamination erfolgte durch die sogenannte „Freisetzung der giftigen Materialien und deren kontrollierte Verbrennung“. Der Zugbetreiber „Norfolk Southern“ behauptet, dass dieser Vorgang alternativlos war, um eine Explosion mit noch größeren Schäden zu verhindern.
Dabei war im Vorfeld bekannt, dass es dabei zu einer erheblichen Kontaminierung der Umgebung kommen wird. Der Gouverneur von Ohio, Mike Dewine, spricht sogar von einer Todeszone.
Zwei Wochen nach der Entgleisung stellen einige Politiker und Anwohner die kontrollierte Verbrennung in Frage, einschließlich ob es aus Sicherheitsgründen geschah oder um Norfolk Southern zu erlauben, die Gleise schnell zu räumen und den Bahnbetrieb wieder aufzunehmen.
Der Gouverneur von Pennsylvania „Shapiro beschuldigte Norfolk, die Katastrophe von Anfang an falsch gehandhabt zu haben, und verwies auf das Versäumnis des Unternehmens, das Pennsylvania Department of Environmental Protection und die Pennsylvania Emergency Management Agency sofort zu benachrichtigen. Die Maßnahmen von Norfolk, sagte er, behinderten die Reaktion lokaler und staatlicher Behörden und setzten Anwohner und Ersthelfer einem ernsthaften Risiko aus. Shapiro sagte auch, das Unternehmen sei nicht bereit gewesen, nach Alternativen zu suchen, um die fünf mit Vinylchlorid gefüllten Autos absichtlich freizugeben und zu verbrennen.
«Obwohl ich weiß, dass die Reaktion auf Zugentgleisungen eine Reihe komplexer Herausforderungen mit sich bringt, führte die Nichteinhaltung anerkannter Standards in Bezug auf die Praxis des Vorfallmanagements und die Priorisierung eines beschleunigten und willkürlichen Zeitplans für die Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke zu unnötigen Risiken und führte zu Verwirrung in der Prozess», sagte Shapiro.“
2) Hauptaktionäre von „Norfolk Southern“
Zu den Hauptaktionären der Eisenbahngesellschaft „Norfolk Southern“ gehören Vanguard Inc., Blackrock Inc., JP Morgan Chase & Company und State Street Corporation – allesamt Partner des World Economic Forum (WEF).
Bemerkenswert ist es, dass trotz des milliardenschweren finanziellen Hintergrundes des Unternehmens folgende „großzügige“ Entschädigungen gezahlt wurden: 25.000 US-Dollar an die Gemeinde und 1.000 US-Dollar „Unannehmlichkeitenschecks“ pro Bewohner in der Evakuierungszone.
3) Reaktionen der lokalen Behörden und der US-Regierung
Wenige Tage nach der kontrollierten Verbrennung der Chemikalien behaupten die Behörden, dass Luftqualitäts- und kommunale Wassertests in East Palestine keine gefährlichen Mengen an Chemikalien zeigen. Den evakuierten Menschen wurde gesagt, sie dürfen wieder nach Hause. Aber Einige haben seit dem giftigen Unfall Nasenbluten, brennende Kehlen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen gemeldet.
Peter Paul Montgomery, der Verkehrsminister der Vereinigten Staaten, taucht erst 3 Wochen nach dem Unfall am Unglücksort auf. Und brauchte 11 Tage, bis er sich auf öffentlichen Druck hin überhaupt zum Unglück äußerte.
Die Biden-Regierung lehnt einen Antrag auf Katastrophenhilfe ab, mit der Begründung, „dass die Federal Emergency Management Agency (FEMA), die Agentur, die normalerweise von Hurrikanen und anderen Naturkatastrophen betroffene Gemeinden Hilfe leistet, nicht am besten gerüstet ist, um die aktuellen Bedürfnisse des Staates zu decken.“ Unter dem Motto „die Priorität der Regierung sei die «Gesundheit und Sicherheit der Gemeinschaft»“ spricht man stattdessen über „robuste, behördenübergreifende Anstrengung“ zur Lösung des Problems ohne genauer zu erläutern, was man darunter verstehen soll.
4) Verhaftung eines Reporters
Trotz der unglaublichen Größe des Unfalls und des noch nicht abzusehenden Schadens für Mensch und Umwelt wurde die Nachricht nicht sofort vom Mainstream aufgegriffen und blieb bis vor kurzem von der Öffentlichkeit unbemerkt. Der Reporter Evan Lambert, der vor Ort Fragen stellte und versuchte, darüber zu berichten, wurde festgenommen.
5) CDC überarbeitet toxikologisches Profil von Vinylchlorid
Interessant auch, dass wenige Tage vor der Zugentgleisung das CDC (Center for Disease Control and Prevention) ihre Seite über Vinylchlorid überarbeitet hatte. Natürlich werden gelegentlich toxikologische Profile aktualisiert, die letzte Änderung für Vinylchlorid war 2006, also vor 17 Jahren. Das CDC entfernte auf der Seite über Vinylchlorid einen Abschnitt darüber, wie sich die Chemikalie auf Kinder auswirkt.
6) Ein Blick auf die Landkarte
Laut Wikipedia ist Ohio ein Teil des sogenannten Corn Belts in den USA. Mit fast 75.000 Betrieben und 140.000 Quadratkilometer Land gehört die Landwirtschaft zu den größten Wirtschaftszweigen von Ohio. Damit spielt der Agrarsektor eine große Rolle. Die landwirtschaftliche Produktion umfasst Sojabohnen, Milchprodukte, Mais, Tomaten, Schlachtvieh (Schweine, Rinder), Geflügel und Eier. Am Eriesee wird kommerzieller Fischfang betrieben.
East Palestine liegt auch ganz nah an der Grenze zum Bundesstaat Pennsylvania. Auch dort gehört die Landwirtschaft zu den wichtigen Wirtschaftszweigen mit über 53.000 Farmen.
Durch die umstrittene „kontrollierte Verbrennung“ riskiert man eine langwierige Kontamination bedeutender landwirtschaftlicher Gebiete.
Einige Fragen der Bewohner von East Palestine lauten schon jetzt: „Mähe ich das Gras? Kann ich nächsten Sommer Tomaten pflanzen? Was kann ich tun?“ Und Beamte bringen Gedanken wie „Norfolk Southern sollte in Betracht ziehen, Häuser von besorgten Bewohnern zu kaufen“ ins Spiel.
In welchem Umfang sich diese Tendenz „im Namen der Gesundheit und Sicherheit der Gemeinschaft“ (siehe Punkt 2) auf die zahlreichen Farmen in der Region ausweitet, bleibt abzuwarten.
Unter dem Slogan „Ernähre die Welt, ohne den Planeten zu schaden“ hat das WEF die Initiative Food Innovation Hubs gestartet. Laut dieser Initiative sind 40% des Ackerlandes der Welt degradiert. Sie haben das Ziel, die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert und konsumiert werden, grundlegend zu ändern.
Die Strategie, die man damit verfolgt:
- Netto-Null-Treibhausgasemissionen
- Der Verlust der Natur umzukehren
- Die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt bis 2050
Welchen Einfluss hat das Zugunglück in East Palestine auf die bevorstehende Transformation der Landwirtschaft?
7) Amish People
In den Bundesstaaten Ohio und Pennsylvania befinden sich die meisten Amish Siedlungen. Amische führen ein stark in der Landwirtschaft verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie bestimmte moderne Techniken ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Prüfung der Auswirkungen übernehmen. Die Amischen legen großen Wert auf eine Familie mit klar vorgegebenen Geschlechterrollen, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt.
Sie sind autark und schwer in die „Neue Normalität“ zu integrieren.

8) Die Netflix Prophezeiung – „White Noise“
„Doch interessant ist, dass der Streamingdienst Netflix erst im letzten Jahr einen Film „Weißes Rauschen” (im englischen Original „White Noise”) gedreht hat, in dem ein solches Zugunglück auch in der dortigen Gegend geschah. Und das Beste daran: Auch Einwohner von East Palestine wurden dafür gecastet und laut einem vor zwei Monaten veröffentlichten Trailer zum Film wurde genau an der aktuellen Unfallstelle gedreht.“
Genauso interessant ist dabei ein Blick in die Hauptaktionärsliste von Netflix. Dort findet man wieder die uns schon bekannten Namen: Vanguard Inc., Blackrock Inc. und State Street Corporation.
Was ist Liebe zum Detail?
Es bedeutet, die Details kritisch zu durchdenken, Ablenkungen zu minimieren und zu lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
In diesem Zusammenhang ist die Zusammenfassung von Eva Herrmann sehr zu empfehlen.
Quellen (Stand vom 01.09.2023)
